Ich trauere um meinen Vater

12 Aug

Abgeschnitten von der Zivilisation an der Lefroy Bay haben wir keinen Telefon- oder Internetempfang. Am vorletzten Abend können wir doch unsere Emails empfangen. Dabei erhalte ich eine sehr traurige Nachricht.

Mein Vater ist nach kurzem Aufenthalt in der Intensivstation am 8. August gestorben. Diese Nachricht bringt meine Gefühlswelt durcheinander. Ich trauere um ihn. Erinnerungen kommen hoch. Es tut mir leid, dass ich mich nicht von ihm verabschieden konnte, dass ich ihn nicht begleiten konnte. Ich war überzeugt, dass wir uns in Kolumbien wiedersehen würden, trotz seiner langjährigen Krankheit. Nun ist das nicht mehr möglich.

Einmal mehr wird mir bewusst, dass es im Leben keinerlei Garantien gibt. Deshalb soll man nichts aufschieben sondern gleich tun. Ich sollte mich für ihn freuen, dass er gehen durfte. Sein Körper war zu schwach durch die vielen Krankheiten und Behandlungen. Eines Tages werde ich das können. Jetzt bin ich nur traurig.

Während meiner Trauerarbeit ist mir „der Prophet“ von Khalil Gibran in die Hände gekommen. Seine Worte sind wie Balsam für mein Herz. Ich zitiere hiermit aus dem Teil „Vom Tod“:

„Ihr möchtet das Geheimnis des Todes kennenlernen.
Aber wie werdet ihr es finden, wenn ihr es nicht im Herzen des Lebens sucht?
Die Eule, deren Nachtaugen am Tag blind sind, kann das Mysterium des Lichts nicht entschleiern.
Wenn ihr wirklich den Geist des Todes schauen wollt, öffnet eure Herzen weit dem Körper des Lebens.
Denn Leben und Tod sind eins. So wie der Fluss und das Meer eins sind.
In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits;
und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.
Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen.
Eure Angst vor dem Tod ist nichts als das Zittern des Hirten, wenn er vor dem König steht, der ihm zur Ehre die Hand auflegen wird.
Freut sich der Hirte unter seinem Zittern nicht, dass er das Zeichen des Königs tragen wird?
Doch gewahrt er sein Zittern nicht viel mehr?
Denn was heisst sterben anderes, als nackt im Wind zu stehen und in der Sonne zu schmelzen?
Und was heisst nicht mehr zu atmen anderes, als den Atem von seinen rastlosen Gezeiten zu befreien, damit er emporsteigt und sich entfaltet und ungehindert Gott suchen kann?
Nur wenn ihr vom Fluss der Stille trinkt, werdet ihr wirklich singen.
Und wenn ihr den Gipfel des Berges erreicht habt, dann werdet ihr anfangen zu steigen.
Und wenn die Erde eure Glieder fordert, dann werdet ihr wahrhaft tanzen.“

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2 Antworten to “Ich trauere um meinen Vater”

  1. Claudia und Michele Lorusso aus der Schweiz 03/01/2012 um 9:33 am #

    Liebe Ana

    Es tut uns wirklich Leid aber wir haben es erst heute 03.01.2012 00.42 Uhr gelesen, dass Dein geliebter Vater gestorben ist.

    Wir senden Dir unser herzlichster Beileid auch wenn es bereits ein halbes Jahr her ist.

    Ich bin überzeugt, dass auch er, wie mein Vater, ein anderes Paradies geniessen kann.

    Ich kann Dir mitfühlen und habe es bei meinem Vater im April 2007 auch erlebt, aber er musste leider fast 2 Jahre Leiden. Da wurde mir auch Vieles Bewusster und unsere Kleinen waren auch erst ein halbes Jahr alt. Er wurde leider nur 63 Jahre alt und hätte noch so Vieles vor gehabt im Leben. Am Ende war es auch für ihn eine Erlösung und ich versuchte in seinen letzten Monaten möglichst Viel Zeit ihm zu widmen, was aber nicht leicht war, denn ich musste mich öfters aufteilen, damit ich zu meiner Frau Claudia und den Kleinen schauen konnte.

    Daran sehe ich auch wie die Zeit schnell vergeht und kann Euch deshalb nur gratulieren, dass Ihr das Leben so richtig geniesst.

    Wir geniessen es auch sehr mit unseren Kleinen und haben bald vor Ihnen auch etwas Neues auf dieser Welt zu zeigen. Wir wissen noch nicht genau in welche Richtung es gehen wird aber klar ist schon, dass es vor Schulbeginn sein wird. Die Idee mit Wohnmobil zu Reisen sollte auch bereits klar sein, wobei wir zuerst noch im Laufe des 2012 eine Probereise erleben möchten, bevor es dann längere Zeit sein wird.

    Auf Jedenfall freuen wir uns mit Euch weiterhin in Kontakt zu bleiben und wer weiss, vielleicht treffen wir uns eines Tages auf einem Kontinent wieder.

    Dann werden wir uns Viel zu erzählen wissen und uns austauschen.

    Wir wünschen Euch weiterhin VIEL Glück und unvergessliche Abendteuer.

    Bis bald.

    Claudia, Michele, Laura und Fabio

    • avelezsun 04/01/2012 um 6:56 pm #

      Vielen Dank für Eure lieben Worte, die ich sehr schätze! Es ist schon einige Monate her und doch, kann ich es immer noch nicht fassen, dass er nicht mehr da ist. Es ist ein ganz komisches Gefühl.. vielleicht, weil ich mich nicht von ihm verabschieden konnte. Ich glaube, dass erst wenn ich in seinem Haus gewesen bin, mein Verstand dies nachvollziehen kann. Vielleicht.
      Unabhängig davon, weiss ich, dass es für ihn das Beste war und ich bin überzeugt, dass er nun das alles tun kann, was er mit seinem Körper nicht mehr in der Lage war und er sich so sehr gewünscht hat. Dieser Gedanke erfüllt mich mit Freude. Deshalb bin ich nicht traurig sondern glücklich, weil ich weiss, dass wir unsere Träume leben solange wir dazu in der Lage sind.
      Aber Euch brauche ich das nicht zu sagen.. Ihr habt Euch viele Träume verwirklicht und macht es mit Euren Kindern tagtäglich weiter. Ich finde das toll und bewundernswert! Ich bin mir sicher, dass sie die Reisen mit Euch genauso geniessen werden wie Ihr. Für Kinder gibt es kein schöneres Geschenk als mit ihren Eltern die Zeit zu verbringen und viel von ihnen zu lernen.
      Ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Euch an dem wir uns – wie Ihr sagt, viel zu erzählen haben werden.. In dem Sinne.. Auf viele schöne Erlebnisse und Abenteuer!
      Alles, alles Liebe
      Ana Maria

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