Ana Maria und ihre ersten Erfahrungen beim Fischen

22 Aug

In den Städten halten wir uns nur so lange wie nötig auf. Meistens geht es ums Tanken, Wasser nachfüllen, Einkaufen und Emails checken. Die Caravan Parks sind im Allgemeinen für unsere Verhältnisse zu teuer. Deshalb fahren wir nach einem kurzen Aufenthalt in Port Hedland raus in die Natur. Auf dem Weg nach Broome suchen wir die Strände auf. Ich möchte lernen zu fischen.

Fischen ist das Volkssport Nummer 1 der Australier und es ist sehr gut organisiert und reglementiert. An jeder Tankstelle kann man „bait“ Köder kaufen. Überall findet man Broschüren über die Fischregionen mit der Beschreibung der Fischarten, der erlaubten Fischgrössen und –mengen. Es wird keine Lizenz benötigt ausser man will von einem Motorboot aus fischen. Fährt man mit dem Kanu fischen ist das ohne Lizenz möglich. Hier scheinen alle Menschen daran Spass zu haben; Kinder, Frauen, Männer, Omas und Opas.

Wir befinden uns am Cape Keraudren. Ich liebe Fisch und möchte hier.. eben fischen, habe aber noch keinerlei Erfahrung. Als wir die Angelrute in Perth gekauft haben, hat man uns eine DVD für Anfänger mitgegeben. Darin finden wir einige Tipps hilfreich, doch bleiben noch viele Fragen offen.

Schon lange möchte ich wissen, wie man den Fisch putzt. Ich beobachte wie unser Nachbar auf dem Campingplatz grosse Fische geschenkt bekommt. Kurze Zeit später steht er hinter seinem grossen Wohnbus in gebückter Haltung mit dem Fisch und einem Plastikbrettchen. Ha, das ist meine Chance! Ich fasse meinen ganzen Mut zusammen und gehe zu ihm rüber. Erzähle ihm meine Geschichte und frage ihn ob ich ihm beim Putzen zuschauen dürfe. Na klar. Er gibt mir Tipps und Tricks, erzählt freudig über seinem Leben als pensionierten Camper und schenkt mir am Schluss einen Stück seines Barrakudas als Köder. Mike steht neben dem Auto und schüttelt lächelnd den Kopf.

Tagsdarauf laufe ich nach dem Wechsel von Ebbe zu Flut ans Ufer bewaffnet mit Angelrute, Eimer, Köder, Zange, Messer und einem Fischermanns Nagelklipp. Mike bastelt am Auto und will heute die neue Trinkwasserpumpe einbauen. Leicht unbeholfen und mit vollen Händen klettere ich über die Kalksteine. Versuche dabei die Balance zu halten, beobachte mit einem Auge die Brandung, mit dem anderen wohin ich die Füsse setze. Nach ca. 10 Minuten Gehzeit finde ich ein Plätzchen wo ich mich hinstellen kann und wo mein Equipment in Sicherheit liegt bzw. hängt. Bei den Mangroven, einige 100m auf meiner linken Seite leben Krokodile. Hoffentlich verirrt sich keines zu mir.

Ich werfe die Angelrute ein und bete, dass sich der Nylonfaden nicht verhängt, denn alleine kriege ich das wohl nicht auf die Reihe. Dann geht mir durch den Kopf, hoffentlich beisst kein Fisch an, was tue ich wenn das so ist? Hahaha, ich gehe fischen und hoffe nichts zu fangen. Den ersten Köder sende ich mit einem hohen Flug ins Wasser. Naja, macht nichts, ich habe ja genug bekommen. Zweiter Anlauf: die Leine ist viel zu nah und das Wasser zu flach. Beim dritten Anlauf verhängt sich der Haken in einer Koralle. Ich lasse etwas Leine und ziehe wieder etwas an, so wie ich das am gestrigen Tag bei Mike beobachtet habe. Das geht gut. Der Haken löst sich und schwups, plötzlich wird die Angelrute schwerer. Hilfe, ein Fisch hat angebissen! Meine Beine zittern, was mache ich jetzt? OK Ruhe bewahren, einatmen – ausatmen. Ich ziehe ihn raus und sehe, dass er wohl ca. 15 cm gross ist. Das heisst zu klein. Der muss wieder ins Wasser. Und wie kriege ich jetzt den Haken ab? Hoffentlich stirbt er nicht. Natürlich habe ich kein Wasser in den Eimer gefüllt. Aber die Kalksteinlöcher füllen sich durch die Brandung immer wieder mit Wasser. Ich lege also den Fisch in ein solches Loch und gehe mit zittrigen Beinen die Zange und den Nagelklipp holen. Er zappelt und kämpft. Nach kurzer Zeit schütteln und ziehen, schaffe ich es ihn vom Haken zu befreien. Ich werfe ihn sofort wieder ins Wasser. Er schwimmt davon, welche Erleichterung.

Noch etwas verwirrt, beschliesse ich, dass dies genug Erfahrung ist für den heutigen Tag. Packe meine Sachen und schwanke über die Felsen wieder zurück. Durch die Flut ist der Weg schwieriger geworden. Als ich an der trockenen Bootsrampe ankomme, brauche ich einen Augenblick um mich zu sammeln. Ich bin erleichtert und doch etwas stolz über diese neue Erfahrung.

Ich gehe zum Auto. Mike ist nicht da. Ich suche und finde ihn bei den Klippen suchend nach mir.

Na Schatz, wieviele Fische haben wir heute zum Nachtessen? fragt er.

Advertisements

Eine Antwort to “Ana Maria und ihre ersten Erfahrungen beim Fischen”

  1. stefi 06/01/2012 um 12:23 am #

    Du machts ja cool sachen in Australien!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s