Kimberleys zum zweiten

13 Sep

Zurück auf der Gibb River Road unternehmen wir weitere Ausflüge…

Die Adcock Gorge ist nur fünf Kilometer von der Hauptstrasse entfernt, doch der Weg ist in solchem schlechten Zustand, dass wir ewig brauchen um dahin zu kommen. Die vielen Abzweigungen verwirren uns. Oft denken wir, es gehe nicht mehr weiter, weil mehr Löcher als Weg zu sehen ist. Doch als wir endlich dort ankommen, freut sich das Auge. Ein idyllischer Teich begrüsst uns mit Vogelgezwitscher. Zu früher Stunde ist die Vogelvielfalt erstaunlich.

Ein weisser Kakadu holt sich die roten Früchte von einer Palme, knabbert einbisschen daran und schmeisst sie dann runter – what a mess! Der rainbow bee-eater fliegt herum, seine Flügel sehen aus wie ein Regenbogen… wunderschön…

Zwei blue-winged kookaburras streiten sich um das gefangene Insekt. Wasserlilien bedecken den Teich, diverse Fische und langhals Schildkröten schwimmen darin. Rote und blaue Libellen fliegen dicht über das Wasser, Wasserflöhe laufen darauf und lassen den Eindruck entstehen, als würde es regnen. Hinter dem Teich über Steine kletternd, findet man einen weiteren Pool mit klarem Wasser, welcher von einem kleinen Wasserfall gespeisst wird. Eine Oase zum Verweilen und Geniessen.

35 Kilometer weiter östlich ist der nächste Pool einfacher zugänglich. Der Parkplatz liegt direkt an der Gibb River Road. Der Spazierweg dahin dauert nur zehn Minuten. In der Galvans Gorge springen wir wieder Mal ins kühle Nass. Eine grosse Eidechse sonnt sich auf einem Stein Mitten im Pool. Ausser uns ist eine Familie aus Sydney mit ihren zwei Kindern hier. Sie nutzen den Baumstamm und eine Schnur als Sprungbrett. Ein herrliches Planschbecken, das wohl seit vielen Jahren genutzt wird. Zeuge davon sind die Aborigines Malereien auf den Steinen hinter dem natürlichen Sprungbrett.

Nach einem erfrischenden Bad fahren wir zu unserem heutigen Nachtlager. Der grosse Campingplatz der Manning Gorge ist gut besucht. Einige geführte Gruppen schlagen hier ihre Zelte auf. Wir sind früh dran und erwischen einen schattigen Platz unter Bäumen, kochen und essen früh, sodass Zeit bleibt um von Hand Wäsche zu waschen und die Leine zwischen zwei Bäumen zu spannen. In dieser Hitze trocknet die Wäsche innerhalb von zwei Stunden im Schatten.

Ein junger Mann verabschiedet sich von der Reisegruppe und macht sich mit seinem Rucksack auf den Weg. Ich glaube, ich sehe nicht richtig… Doch, er ist alleine zu Fuss auf der Gibb River Road unterwegs?! Verrückte Leute muss es geben.

Nach dem Abwasch, schnappen wir uns die Klappstühle und setzen uns ans Ufer des Flusses um die letzte Stunde vor Sonnenuntergang zu geniessen. Die Temperatur ist heute angenehm, vermutlich um die 24 Grad. Ein Mitarbeiter des Campingplatzes läuft in den Fluss. Wir beobachten ihn. Das Wasser ist an gewissen Stellen knietief, doch umso weiter er geht, desto tiefer wird es. Er taucht einige Male runter und kommt nach fünf Minuten wieder raus. Draussen trocknet er sich ab und erzählt, das Wasser sei frisch. Dann fragt er uns, ob wir was sehen wollen? Am Ufer steht ein Teleobjektiv. Ja, gerne… Er zeigt uns ein Frischwasserkrokodil, welches sich auf einem Stein Mitten im Fluss sonnt! Im selben Fluss, den wir morgen schwimmend überqueren wollen um zur Manning Gorge zu kommen! Er versichert uns, das Tier sei harmlos. Lässt man die Frischwasserkrokodile in Ruhe, tun sie einem nichts. Hätte ich heute nicht einige Leute gesehen, die darüber gegangen sind, würde ich es nicht wagen.

In der Nacht kühlt es recht ab. Man braucht sogar wieder einen Pullover und lange Hosen. Am darauffolgenden Tag warten wir bis die Temperatur steigt um durch den Fluss zu laufen bzw. zu schwimmen. Das Wasser ist nämlich immer noch kalt. Das Krokodil ist nirgendwo zu sehen. Ein mulmiges Gefühl bleibt.

Wir schnappen uns eine Styroporkiste um unseren Rucksack mit den trockenen Kleidern reinzulegen. Solche Kisten stehen hier am Ufer zur Verfügung. Man lässt sie auf der anderen Seite liegen und hofft, dass welche da sind beim Zurückkommen. Mike geht mit dem wasserdichten Fotoapparat vor, um mich bei der Überquerung zu filmen. Noch im Wasser kommt mir ein Paar entgegen, welches Schweizerdeutsch spricht. Ich frage sie, wie lange sie gebraucht hätten für die Wanderung, welche mit drei Stunden hin und zurück beschildert ist. Nur 40 Minuten ist ihre Antwort. Dann will ich wissen ob es sich gelohnt hat, ja wunderschön! Auf meine Frage ob sie baden konnten oder ob es Krokodile hätte, sagte sie: hier gibt es keine Krokodile. Doch, doch! antworte ich. Wir haben gestern hier einen „harmlosen“ gesehen, aber heute ist er wohl nicht da. Ach so, dann nichts wie weg…

Im zügigen Tempo folgen wir den vielen Pfeilen, welche den Weg markieren und kommen nach 50 Minuten an einem Pool an. Auf der rechten Seite sind hohe Felsen, auf der linken Seite ist das Ufer sandig und mit kleinen Palmen umsäumt. Wir hören Kinderstimmen und sehen auf der anderen Seite eine Familie, die dort picnict. Wie sie wohl darüber gekommen sind? Wir sehen keinen Weg. Also lassen wir den Rucksack dort liegen und schwimmen darüber. Brrr, das Wasser ist erfrischend kalt. Die Mutter der Kinder erzählt uns hinter ihnen gäbe es einen kleinen Wasserfall. Tatsächlich gibt es einen wunderschönen Pool mit Wasserfall.

Auf den Steinen liegend, erholen wir uns und geniessen die Aussicht und die warmen Sonnenstrahlen bevor wir uns nach einiger Zeit schwimmend wieder zum Rucksack begeben. Die Familie kommt danach über die Felsen zurück – es gibt doch einen Weg. Mit drei kleinen Kindern überholen sie uns über den steinigen Weg. Sie rennen förmlich. Lachend sagt sie, eines der Kinder müsse dringend auf Toilette.

Dies Mal schaffen wir den Weg in 40 Minuten. Die Styroporkiste ist noch da. Wir hören wieder Schweizerdeutsch und unterhalten uns mit der vier köpfigen Gruppe beim Durchqueren des Flusses. Es stellt sich heraus, dass eines der Paare seit drei Monaten in Asien und Australien unterwegs ist. Als wir erzählen, dass wir vorhaben nach Chile zu gehen, berichtet Christine, dass ihre Schwester Therese seit über 25 Jahren dort lebe. Spontan geht sie wieder aus dem Fluss, zurück zur Tasche, die sie am Ufer gelassen hatte und gibt uns den Namen und die Telefonnummer ihrer Schwester, bei der wir bestimmt herzlich willkommen seien. Wow! Das ist ja toll! Wir freuen uns, jetzt schon „Bekannte“ in Chile zu haben. Wir bedanken und verabschieden uns, denn wir wollen heute noch kochen und essen bevor wir unsere Fahrt fortsetzen und es ist bereits 15 Uhr.

Die Barnett River Gorge ist nur 45 Kilometer entfernt, doch die letzten drei Kilometer haben es in sich. Viele Verzweigungen, keine Schilder, sandige, schmale und steinige Wege. Wir sind uns nicht sicher, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Doch nach zwei Kilometer kommen die ersten Stellplätze mit Feuerstellen, auf den man campen kann. Wir fahren den Weg bis zum Ende und sehen erleichtert, dass wir richtig sind und, dass das Übernachten hier nicht verboten ist. Also richten wir unseren Buschcamper auf die Nacht ein. Wir sind alleine hier. Der Vollmond erhellt die Nacht und es wird frische 7 Grad.

Am Morgen danach finden wir unsere Sandalen weit weg vom Auto wieder… Ein Dingo muss hier gewesen sein. Wir werden danach gewarnt, dass sie Schuhe und sonstige Kleidungsstücke mögen. Wir beschliessen eine weitere Nacht hier zu verbringen und machen uns einen gemütlichen Tag.

Einige Autos kommen, suchen den Weg zur Schlucht und fahren nach kurzer Zeit wieder weg. Auf einem Boab ist ein Pfeil gezeichnet, der die Richtung des Wanderweges angibt. Jemand hat sich die Mühe gemacht, Steine zu Pyramiden zu stappeln, um den Weg zur Schlucht zu markieren. Die Aussicht von oben ist… herrlich.

Wir folgen dem Weg nach unten und spazieren entlang des Flusses gegen die schwache Strömung. Gerne würden wir bis zum Campingplatz dem Fluss folgen, doch es gibt keinen Weg, nur hohe Klippen. Schwimmen kommt für Mike aus Angst vor Krokodilen nicht in Frage. Nach langem Suchen finden wir eine Stelle an der wir bzw. ich mich traue die hohe Wand zu klettern. Nach den Erfahrungen im Karijini NP bin ich etwas mutiger geworden. Oben angekommen, bin ich ganz stolz auf mich – Mike auch.

Auf dem Weg zurück finden wir eine Stelle im Fluss, an der man herrlich baden kann. Ich schwimme mit dem wasserdichten Fotoapparat zurück um die Stelle zu fotografieren, die wir hochgeklettert sind. Es wäre ja schade, keine Bilder davon zu haben. Ehrlich gesagt, habe ich mir auch etwas Gedanken gemacht wegen den Krokodilen. Aber es waren keine zu sehen.. und Frischwasserkrokodile sind doch harmlos… oder?

In dieser Nacht sind weitere Camper auf dem Platz. Doch am Morgen danach fahren alle sehr früh weg, ohne die Schlucht gesehen zu haben oder ein erfrischendes Bad zu geniessen. Wie Schade!

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