cattle station

15 Sep

Wir sind heute früh unterwegs. Unser nächstes Ziel ist die Mt. Elizabeth Station, eine Rinderfarm, die  Touristen beherbergt. Ich bin gespannt wie eine „cattle station“ aussieht. Auf dem Zufahrtsweg treffen wir immer wieder Kühe beim Grasen an, ein übliches Bild in den Kimberleys. Manchmal stehen sie mitten auf dem Weg und bewegen sich erst beim näheren Fahren weg. Lange Zäune, Gitterroste und diverse Gates verhindern, dass die Kühe verloren gehen. Das ist die Gelegenheit für den Beifahrer sich die Beine zu vertreten beim Öffnen und Schliessen des Tores.

Auf dem Weg zur Anmeldung fahren wir an einem „Airstrip“ vorbei. Dieser übliche Flugplatz, der die Farm in der Regenzeit mit allem Wichtigen versorgt, erscheint uns besonders gross. Die Reception ist in der überdachten Terrasse des Familienhauses. Hier bezahlen wir den Stellplatz, den wir uns selber aussuchen können und bekommen eine handgemalte Wegbeschreibung für die  zwei Schluchten, die sich auf ihren Ländereien befinden.

Ich hoffte hier einen kleinen Shop vorzufinden, sehe aber nichts dergleichen. Etwas Schüchtern frage ich, ob Sie Fleisch verkaufen. Die Hausherrin fragt mich, was ich denn haben möchte? Ich sage z.B. zwei Steaks zum Grillieren? Dann sagt sie, ich solle am Nachmittag wieder vorbeikommen, sie würde etwas für mich auf die Seite legen.

Nach dem wir mit den Klappstühlen und den Tisch unseren ausgesuchten Platz reserviert haben, fahren wir zur zehn Kilometer entfernten Wunnumurra Gorge. Der Weg dahin ist in einem abenteuerlichen Zustand – nun wissen wir, was die Aussies unter „very rough road“ verstehen. Es ist eine Fahrt über Stock und spitze Steine für die wir ewig lange brauchen, weil wir sehr vorsichtig fahren. Nach acht Kilometer lassen wir das Auto stehen und gehen die weiteren zwei Kilometer zu Fuss. Dingidi soll vor der steilen Abfahrt und den weiteren Strapazen verschont bleiben.

Es ist unerträglich heiss, die Sonne brennt und die Fliegen scheinen keine andere Beschäftigung zu haben, als uns zu ärgern… wollen wir doch nicht das Auto holen? Apropos Fliegen, habe ich schon erzählt, wie lästig die Fliegen in Australien sind? Sie kleben einem förmlich auf der Haut, krabbeln unter der Sonnenbrille in die Augen oder in die Nasenlöcher oder auf die Lippen um in den Mund zu klettern. Sie lassen sich durch nichts stören. Mit der Hand wedeln schreckt sie kaum ab. Das ist etwas, was uns tierisch nervt! Man hat uns bereits vor unserer Ankunft in Perth darüber berichtet, dass sie sehr anhänglich sind, aber sooo schlimm haben wir uns das nicht vorgestellt. Wir haben doch Moskitonetze für den Kopf gekauft… Wo sind sie nur verstaut? Für die nächste Wanderung werden sie ausgepackt und benutzt, egal wie doof wir dabei aussehen.

Endlich erreichen wir die Schlucht und können uns im erfrischenden Wasser abkühlen. Die Aussicht ist sehr schön, doch haben wir schon zu viele Schluchten und Pools gesehen, dass wir uns nicht wirklich daran erfreuen können? Vermutlich ist es einfach zu heiss. Zwei Leiter vereinfachen das Erreichen des Pools. Mike hat die Hilfe nicht nötig, er beweist mir, dass es auch ohne Leiter geht. Meine Beine sind zu kurz, ich bin froh um die Leiter.

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Nach einem kleinen Imbiss beim schattenspendenden Wasserfall, suchen wir die Steine ab nach alten Malereien von Aborigines, sogenannte „Wandjinas“, die es 500 Meter flussabwärts geben soll. Es ist nicht leicht sich am Ufer einen Weg zu bahnen, aber nach einigem Suchen, wird Mike fündig. Er ist skeptisch, ob diese Zeichnungen wirklich echt sind. Vielleicht sind sie nicht so alt wie behauptet wird? Wir wissen es nicht.

Nach zwei Stunden Aufenthalt, verlassen wir diesen wunderschönen grossen Pool wieder. Auf der Rückfahrt, begegnen wir vielen Wallabys (kleine Kängurus) beim Grasen. Sie schauen hoch und bleiben stehen, sobald man aber Anstalten macht vom Auto auszusteigen, hüpfen sie weg. Sie sind in der Regel sehr schüchtern, bis auf ein Wallaby, der uns auf dem Campingplatz besucht.

Dort  machen wir auch Bekanntschaft mit Doris, eine gebürtige Deutsche, die sich vor acht Jahren in Derby niedergelassen hat. Durch sie erfahren wir interessante Geschichten dieser Gegend wie z.B. wie das Leben in der Regenzeit ist, dass viele Selbstmorde während dieser Saison geschehen, dass praktisch alle Farmen gepachtet sind und der Regierung gehören, dass Aborigines eine Rente vom Staat bekommen, warum viele herumhängen und nicht interessiert sind einer bezahlten Beschäftigung nachzugehen.

Wir unterhalten uns über Minen, Politik und und und… bis sich der Hunger meldet und mir einfällt, dass ich das Fleisch holen wollte. Die Hausherrin hat uns vier grosse Steaks bereitgelegt, die sie uns einfach so schenkt! Wo gibt es denn das? Etwas beschämt, bedanke ich mich und gehe zurück zum Auto wo wir gleich mit Kochen beginnen. Zu den leckeren Steaks gibt es Kartoffeln mit Sauercreme und Maiskolben. Mmmhhh, sogar ein Glas Rotwein gibt es heute zur Feier des Tages.

Den folgenden Tag verbringen wir mit Doris auf dem Campingplatz und an der Warla Gorge vertieft in Gesprächen, bis es für beide Zeit wird, die eigene Richtung einzuschlagen. Mt. Elizabeth Station ist ein gemütlicher Ort zum Verweilen, Wallabys und Vögel zu beobachten. Von der Rinderfarm bekommt man als Tourist leider nicht viel mit – eigentlich Schade.

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