Mitchell Plateau

19 Sep

Eine weitere Hauptstrasse in den Kimberleys ist die Kalumburu Road. Sie führt in den Norden zu unserem nächsten Ziel: Dem Mitchell Falls National Park. Die Abzweigung in die Kalumburu Road kommt nach zweidrittel der Gibb River Road, auf Kilometer 407 von Derby ausgesehen.

Die Kalumburu Road ist etwas schmäler als die Gibb River Road, aber in einem ähnlichen Zustand. Angenehm ist, dass es hier viel weniger Verkehr hat, vermutlich weil viele Touristen nicht so viel Zeit mitbringen für den Umweg. Wir fahren an Mike’s Geburtstag 247 km, 85 km davon auf der schmalen zum Teil sandigen und steinigen Zufahrtstrasse des Nationalparks. An der Drysdale River Station machen wir einen kurzen Halt um Diesel und Wasser zu tanken. Wir brauchen für die ganze Strecke sieben Stunden inklusive Fotopausen.

Die Vegetation hier ist grüner und ganz anders als im Süden der Kimberleys. Die Bäume stehen dichter beisammen und es hat viele Livistona Palmen. Die Durchquerung des berüchtigten King Edward Rivers ist zur Zeit sehr leicht. Einerseits weil der Fluss nicht mehr so viel Wasser führt, anderseits weil kürzlich Steine ins Flussbett gelegt wurden um die Durchquerung zu erleichtern.

Wir erreichen den Campingplatz des Nationalparks um ca. 16 Uhr. Was bedeutet, dass uns etwas mehr als eine Stunde Zeit bleibt um die Gegend zu inspizieren, zum Kochen und Essen vor Sonnenuntergang.  Ausser Plumpsklos gibt es hier keine Einrichtungen. Aber es hat einen Helikopter-Flugplatz mit fünf Helis um sich das Mitchell Plateau und die Umgebung aus der Luft anzuschauen!

Während ich mich ums Essen kümmere, geht Mike schauen, woher die Didgeridoo-Klänge kommen. Auf dem Campingplatz stehen nicht mehr als sieben Fahrzeuge. Er wird schnell fündig. Es ist ein junger Franzose aus dem Elsass, der mit seiner Freundin in Australien herumreist. Sie haben ein Work and Travel Visa, sind erst vor drei Wochen in Alice Springs angekommen und bereits wieder auf dem Weg dahin, nachdem sie sich den Uluru (Ayers Rock) und die Kimberleys angeschaut haben. Die nächsten Monate möchten sie in Alice Springs arbeiten. Wir verbringen den Abend gemütlich zusammen bei einem Glas Rotwein. Sie geben uns Tipps über die Lokalitäten in Alice Springs sowie die Adresse wo wir sie erreichen können, sollten wir uns entscheiden dorthin zu fahren.

Nach einem ergiebigen Frühstück machen wir uns am Morgen danach auf die Wanderung zu den Mitchell Falls. Der Weg dahin ist mit drei Stunden angegeben. Wir haben unsere Badesachen dabei und genügend zu trinken, die Temperatur ist mittlerweile recht gestiegen. Die angegebenen drei Stunden sind zum Glück nicht nur Wanderzeit. Es gibt unterwegs viele schöne Plätze zu sehen und einiges zu entdecken.

Dank unserer „Reiseführerin“ Birgit wissen wir, dass sich in diesem Park ein grosser Schatz befindet. Es gibt hier bedeutende Rock Art Malereien. Neben „Wandjinas“, wie wir welche in der Wunnumura Gorge gesehen haben, gibt es „Bradshaws“. Diese Art wird geschätzt 17‘000 Jahre alt zu sein. die Kunststücke sind Beweise von einer Hochkultur, die vier Mal älter ist als die Ägyptische.

Obwohl der Wanderweg sehr gut beschildert ist, sind die Umwege zu diesen „Kunstplätzen“ nicht markiert, als wollten die Rangers diese geheim halten. Dies macht die Wanderung für uns sehr interessant, sozusagen eine Entdeckungstour à la Indiana Jones.

Die kleinen Mertens Falls und ihre Lagune sind für mich der schönste Ort in diesem Park. Es ist sehr schwierig die Wahrnehmung dieses besonderen, magischen Ortes in Worte zu fassen. Ich versuche es trotzdem: Ein schmaler, steiler Pfad führt zu der Lagune, die eingebettet ist zwischen hohen Bäumen und Palmen. Die Vegetation ist sehr grün und dicht, was die Temperatur angenehm beeinflusst. Ein süsslicher Duft liegt in der Luft. Man hört das Plätschern des Wassers und die Vögel. Die Wasserfälle kann man erst sehen, wenn man dicht an der Lagune steht. Das Wasser fällt über grosse Felsen, diese werden weiter unten zu Höhlen. Ein wunderbarer Anblick.

In diesen Höhlen unter dem Wasserfall sind einige Felsen bemalt. Es sind verschiedene Arten von Zeichnungen zu sehen, man kann sie gut unterscheiden. Die Bradshaws gefallen uns besonders gut. Doch einige Zeichnungen wurden durch spätere Völker übermalt, was ein Erkennen schwierig macht. Wir setzen uns unter dem Wasserfall und geniessen den Anblick und die friedliche Ruhe dieses wunderschönen Ortes, welcher wir für uns alleine haben. Welches Privileg! Weitere bemalte Felsen finden wir auf dem Weg nach oben sowie auf einer späteren Stelle entlang des Flusses.

Die grossen Mertens Falls sind imposant. Die Schlucht ist ca. 60 Meter hoch bzw. tief. Die Wanderung führt über das Plateau, d.h. man kann sie leider nur von oben betrachten – schwindelerregend. Einige Schritte weiter vorne befindet sich ein idyllischer Teich mit Wasserlilien und kleinen Fischen. Ein Paradies für die vielen Vögel die hier nesten u.a. für die Brolga. Wir setzen uns auf den Felsen und beobachten die kleine Oase. Hier könnte ich die Zeit vergessen, wäre nicht Mike da, der mich daran erinnert, dass wir heute noch etwas vorhaben.

In Vorbereitung auf unseren heutigen Hochzeitstag haben wir uns Gedanken gemacht über unsere Beziehung, über das, was jeder von uns am anderen schätzt und über das, was wir gemeinsam möchten. Diesen Teil der Hochzeitszeremonie möchten wir hier an diesem kraftvollen Ort wiederholen. Deshalb sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Ort und spazieren weiter zu den Mitchell Falls. Von einem Felsen gegenüber den Wasserfällen geniessen wir die wunderbare Aussicht und nutzen die unglaubliche Gelegenheit, dass sich keine weiteren Touristen hier befinden und wir somit ungestört sind um die Worte der Schätzung auszusprechen und die gemeinsamen Ziele zu bekräftigen. Ein unvergesslicher, kraftvoller Moment, der viele schöne Erinnerung an die „Feiertage“ vor einem Jahr geweckt hat und für die wir unserer Familie und Freunden so dankbar sind. Ihr wart so mit dabei.

Um diesen besonderen Tag zu ehren, gönnen wir uns den sechs minütigen Helikopterflug über die Mitchell Falls und zurück zum Campingplatz – ein fantastisches Geschenk. Der Landeplatz ist gleich um die Ecke. Wir brauchen nicht lange zu warten, bis der Helikopter auftaucht und der Pilot uns auffordert einzusteigen. Ein bisschen aufgeregt sind wir schon. Es ist ganz spannend in einem halboffenen Helikopter zu fliegen d.h. ohne hintere Türen nur mit den Sicherheitsgurten befestigt. Sechs Minuten gehen schnell vorbei, doch in solchen besonderen Augenblicken scheint die Zeit stehen zu bleiben. Man kann sich an jede Minute erinnern.

Zurück auf dem Campingplatz fangen wir gleich mit Kochen an, denn der Hunger ist gross. Gut mussten wir die Strecke nicht zurücklaufen. Wir lassen den Abend gemütlich ausklingeln, hören uns die CD unserer Hochzeit an und tanzen zum Lied „Bendita tu luz“.  In unserem „Kino“ gibt es später  einen deutschen Film zu sehen. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Am darauf folgenden Tag wollen wir bis zum King Edward River zurückfahren. Doch vor der Rückfahrt gehen wir zu einem Aussichtspunkt und nochmals zu den kleinen Mertens Falls um diesen magischen Ort diesmal an meinem Geburtstag zu erleben und unter dem Wasserfall eine prickelnde Dusche zu geniessen.

Als wir dann beim Auto sind und abfahren möchten, kommt die grosse Überraschung. Beide Batterien sind leer und kein Mensch weit und breit zu sehen. Gut ist ein Ranger vor Ort. Mike wandert in glühender Mittagshitze zum Rangers Headquarter um Hilfe zu holen und staunt nicht schlecht als er an diesem relativ kleinen, abgelegenen Park vier Mitarbeiter antrifft. Dann heisst es, der Ranger würde gleich zurückkommen und uns überbrücken, was nach kurzer Wartezeit auch geschehen ist. Der Ranger fragt uns wie weit wir heute fahren wollen und unterrichtet uns darüber, dass sich am King Edward River kein Ranger mehr befindet. Es ist Saisonende und er hat schon dicht gemacht. Sollten wir dort stranden, sollen wir uns zwei Tage gedulden. Dienstags würden sie mit dem Helikopter drüber fliegen… Wie erleichternd.

Die 78 km bis zum Campingplatz bewältigen wir in drei Stunden. Zwei Camper sind schon hier und ein weiterer kommt später dazu. Wir richten uns ein, kochen, essen, konsultieren „die Reiseführerin“, beobachten Vögel, spazieren dem Fluss entlang – Es sind keine Krokodile zu sehen am berüchtigten King Edward River. Unser Nachbar empfiehlt uns das Baden in den Pools 80 Meter Flussabwärts. Nun wird es aber schon dunkel. Wir verschieben das auf den folgenden Tag, was wir am Morgen gleich tun nachdem wir unsere Batterien geprüft und sichergestellt haben, dass wir ohne fremde Hilfe wegkommen.

Nach einem erfrischenden Bad fahren wir zwei Kilometer zurück zu einem Platz an dem es „Wandjinas“ und „Bradshaws“ zu sehen gibt. Ein kurzer Wanderweg ohne weitere Beschilderung ausser Pfeile führt zu grosse Felsen, die mitten auf dem Feld stehen. Wir finden zum Teil wunderschöne Zeichnungen und staunen darüber, dass sie auch hier ungeschützt frei zugänglich sind. Überall auf der Welt würden solche Plätze hinter Zäune oder Ketten sein. Hier nicht. Man vertraut den Menschen und limitiert sich darauf, diese so unauffällig wie möglich zu lassen. Wir haben das Gefühl, nur Ortskundige oder Reiseleiter sollen die Rock Art Galerien finden. Gut haben wir „Birgit“ dabei.

Nun ist aber Zeit wieder zurückzufahren Richtung Gibb River Road. Wir achten darauf, dass wir zu Mittagszeit an der Drysdale River Station ankommen. Denn dort gäbe es super leckere Hamburger. Diese wurden uns schon ans Herz gelegt und wir freuen uns seit Tagen darauf! – zusammen mit einem Panache (Radler) – Unser nachgeholtes Geburtstagsessen… Die Fotos sprechen für sich. Die Burger sind wahrlich legendär.

Nach weiteren sechzig Kilometer erreichen wir wieder die Gibb River Road. Wir fahren etwas weiter und verbringen die Nacht oberhalb des Durack Rivers, auf halber Strecke zu unserem nächsten Ziel… aber dazu kommen wir im nächsten Bericht.

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