Fun in Disneyland

22 Sep

Die Suche nach einem geeigneten Rastplatz für die Nacht nach unserer Fahrt durch die Kalumburu Road entpuppt sich als schwierig. Auf unseren sonst so verlässlichen Gratis Camp Guide können wir uns diesmal nicht verlassen. Entweder wurde der angegebene Platz bei der letzten Überschwemmung weggespült oder die Nachbarn dulden keine Übernachtung mehr in der Nähe ihres Territoriums. Wir treffen einige Verbotsschilder an und müssen deshalb weiter fahren als uns lieb ist.

Dadurch stellen wir unser Programm um und verzichten schweren Herzens auf die Besichtigung der Ellenbrae Station mit ihrer ulkigen Einrichtung sowie auf das Frühstück mit Scones, Sahne und Konfitüre. Wir sehen nicht ein, warum wir für einen Campingplatz bezahlen sollen, wenn wir alles dabei haben was wir benötigen und uns im Busch befinden.

Also fahren wir einige Kilometer weiter, bis wir einen Platz finden, an dem Buschcamping erlaubt ist. Dies ist nach der Kreuzung des breiten Durack Rivers der Fall. Oberhalb des Flusses führt ein schmaler Weg zu diversen Stellplätzen. Wir bleiben an einer dieser Buchten stehen und machen es uns gemütlich für die Nacht. Von weitem hört man den laufenden Motor eines Lastwagens. Ansonsten sieht man und hört man keinen.

Frühmorgens während wir noch im Bett sind, fährt ein Tourbus an uns vorbei mit einer Gruppe. Es ist einer der vielen Touroperator, die in dieser Region ihre 4 WD Fahrten anbieten. Sie müssen ihr Schlaflager ganz in der Nähe gehabt haben. Wir haben sie nicht mal gehört. Es war eine angenehme ruhige Nacht.

Die Landschaft auf der letzten Strecke der Gibb River Road ist hügeliger. Es gibt einige bedeutende Flüsse zu überqueren, die aber jetzt am Ende der Trockenzeit keine Gefahr darstellen. Wir treffen unterwegs viele Brände an und machen uns Gedanken – siehe Bericht vom 20.9. Trotz der so malerischen Landschaft gibt es keine weiteren touristischen Attraktionen, bis wir nach hundert Kilometer im „Vergnügungspark“ El Questro (ElQ) ankommen.

Hätte Birgit nicht so begeistert von diesem Park in ihrem Reiseführer berichtet, hätten wir uns (wie viele andere Touristen) die 36 AUD für den Eintrittspass sparen wollen. Und wir hätten dadurch einiges verpasst, was wir definitiv bereuen würden. Die ursprüngliche Rinderfarm, die sich auf 1 Mio Ackren ausbreitet (1 Ackre = 4’047 m2), liegt an einer wunderschönen Ecke der Kimberleys und setzt heute den Fokus auf Tourismus.

Das Luxusressort bietet Bungalows an für 300 AUD oder Luxussuiten in ihrem „Homestead“ ab 1’600 AUD. Beide Preise pro Nacht, wohlverstanden. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Besitzer auch an uns „normal sterbliche“ gedacht haben und uns ermöglichen die Schönheiten des Anwesens zu geniessen. Für weitere 36 AUD pro Tag darf man auf ihrem Campingplatz stehen.

Was es in „Disneyland für Offroad Fahrer“ zu sehen bzw. zu tun gibt? ganz tolle Sachen! Abgesehen von den herausfordernden 4 WD Strecken, die jedes Abenteuer Herz höher schlagen lässt: tiefe und lange Flussüberquerungen, steile, sandige und steinige Strecken, die mit wunderschönen Aussichten auf die bergige Landschaft belohnt werden; gibt es auch diverse Schluchten, heisse Quellen, Wasserfälle und nicht zuletzt traumhafte Pools die man auch mit 2 WD erreichen kann.

Dementsprechend braucht man Zeit um sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Wir verbringen den ersten halben Tag um zwei der 4 WD Strecken zu zwei Aussichtspunkte zu befahren und den wunderschönen Ausblick zu geniessen, baden später im Krokodil freien Fluss und fahren nach einer erfrischenden Dusche aus dem Park.

Wir verbringen die Nacht auf einem Rastplatz an der Gibb River Road oberhalb eines Flüsschens. Die Geräusche, die aus dem Flüsschen kommen, lassen uns immer wieder aufhorchen. Wir sehen nichts, trauen uns aber nicht mit offener Türe zu schlafen, wie wir uns sonst gewohnt sind bei diesem heissen Wetter.

Am zweiten Tag sind wir bereits um 7.30 Uhr bei den Zebedee Hot Springs, einer heissen Quelle in traumhafter Gegend. Umgeben von hohen Livistona Palmen führt ein kleiner Fluss das 36 Grad warme, absolut klare Wasser durch eine Art Terrassen, die wie kleine Whirlpools aussehen – ohne Blubber, aber dafür mit Wasserfällen. Herrlich entspannend!

Das ist ein sehr beliebter Platz, dementsprechend hat es viele Leute. Wie muss das in der Hochsaison aussehen? Ein Schild draussen bittet die Fahrzeughalter später zu kommen, sollten alle Parkplätze belegt sein, denn das bedeute, dass es in den Pools keinen Platz mehr gebe. Aber später als um 12.00 Uhr darf man nicht erscheinen, denn ab dieser Zeit ist die heisse Quelle wohl für die illustren Gäste reserviert und geschlossen.

Uns sagt man der Grund der Schliessung sei, damit sich die Landschaft erholen könne von den vielen Gästen. Aus anderen Quellen erfahren wir den wohl wahren Grund. Wie auch immer, wir geniessen das warme Bad ausgiebig, wechseln die Pools sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt und beobachten die hier lebenden kleinen Frösche und weitere Insekten.

Frisch erholt und wohl gelaunt, fahren wir die spannende 4 WD Strecke zur El Questro Gorge. Dort wandern wir durch eine enge Schlucht, klettern über Felsen, bekommen nicht nur nasse Füsse beim Überqueren von Wasserlöchern. An einem Pool angekommen wo die Schlucht aufzuhören scheint, nehmen viele Wanderer ihr letztes Bad bevor sie sich auf den Rückweg begeben.

Wir wissen, dass der Weg schwieriger wird, aber dass es sich lohnt, ihn bis zum Schluss zu gehen. Deshalb nehmen wir die Strapazen in Kauf und schwimmen durch den Pool um eine Stelle zu finden, an der wir die Felsen hochklettern können. Wir folgen einem anderen Paar, das uns aber schnell hinter sich lässt – ich bin nicht die geübteste Kletterin und Mike plagen Kopfschmerzen. Es ist heiss und feucht im El Questro Land.

Weiter vorne kommt uns ein junges Paar in einem Affentempo entgegen. Ich staune. Man muss sich hier den Weg über die Felsen mühsam aussuchen. Manchmal komme ich mit Klettern nicht aus. Meine Beine sind zu kurz. Als ich mich schweissgebadet auf einen Felsen setze um mich nach oben aufzustemmen, fragt mich die Frau ungeduldig, ob ich mich gerade erhole – sie will an mir vorbei … sehe ich denn so aus? *grr*

Auf der weiteren Strecke treffen wir keine anderen Menschen ausser, als wir am Schluss der Schlucht ankommen, dem Paar, das uns beim Pool überholt hatte. Aber sie sind schon dabei zurück zu gehen. Die Aussicht ist fantastisch! Ein hoher Wasserfall fällt in einen relativ kleinen aber tiefen Pool. Das Wasser das herunter plätschert ist noch warm, wohl durch den Kontakt mit der Sonne, das im Pool ist erfrischend kühl. Wir geniessen das kühlende Bad, essen einen Müsliriegel und massieren die wehleidigen, verspannten Muskel.

Zwanzig Minuten später brechen wir wieder auf. So eine lange Strapaze und wir bleiben nur so kurz, aber der Rückweg zieht sich elend lang und die Muskeln schmerzen. Mike’s Kopf hämmert. Beim mittleren Pool treffen wir eine Familie an mit zwei Kindern, die sich jetzt um 14 Uhr auf den Weg zum Wasserfall macht. Wir quatschen ein wenig mit ihnen und schauen uns dabei eine kleine Schlange an, die sich zwischen den Steinen schlängelt.

Eine weitere Stunde später kommen wir erschöpft beim Auto an. Wir waren fünf Stunden unterwegs inklusive erfrischender Pause. Jetzt sind wir nur müde, verschwitzt und haben keine Lust uns irgendwas anderes anzusehen oder irgendwo anders hinzufahren.

Der kürzeste Weg führt zur Reception mit Kiosk, wo es eine nette Sitzgelegenheit auf der luftigen Terrasse gibt. Hier trinken wir gemütlich einen Panache, so zu sagen einen Aperitif vor dem selbstgekochten Essen und beschliessen diese Nacht auf dem ElQ Campingplatz zu verbringen. Links und rechts hören wir schweizerdeutsch sprechen. Doch heute haben wir keine Lust auf irgendwelche Gespräche. Eine Stunde nach Sonnenuntergang schlafe ich schon tief und fest.

Die Emma Gorge haben wir uns für den dritten Tag gespart. Sie liegt auf der anderen Seite der Gibb River Road, sieben Kilometer weiter Richtung Osten. Der ElQ Eintrittspass, welcher sieben Tage lang gültig ist, wird auch hier benötigt. Emma Gorge gehört ebenfalls zum ElQ Anwesen.

Heute ist der Weg zur Schlucht und zum Wasserfall viel, viel leichter als der gestrige Weg zur El Questro Gorge. Wir spazieren die ersten zehn Minuten auf einer offenen Ebene in der sich farbige Schmetterlingsschwärme herum tollen. Danach gibt es wieder eine Kletteraktion über Felsen .. aua.. der Muskelkater lässt grüssen, doch 30 Minuten später kommen wir bei einem imposanten, hohen Wasserfall an, der in einen grossen, dies Mal richtig kalten Pool fällt. Auch diesmal hindert uns das kalte Wasser nicht daran ein erfrischendes Bad zu geniessen.

Ein herrlicher Ort an dem wir unser Abenteuer „Gibb River Road“ beenden, denn knapp 50 Kilometer weiter, fahren wir nach drei Wochen endlich wieder auf geteerten Strassen! Ein Segen für Mike’s Kopf, der es mittlerweile fast nicht mehr aushält. Die letzten Kilometer auf ungeteerter Strasse wollte er selbst fahren, weil wie er sagt, er es sonst nicht ausgehalten hätte.

Danach übernehme ich das Lenkrad und lasse es lange, lange nicht mehr los…

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4 Antworten to “Fun in Disneyland”

  1. Stefan und Thomas 03/11/2011 um 9:19 am #

    Hallo ihr beiden, wie geht es euch denn? Einige der Photos erkenne ich ja direkt, besonders die beim endspannen in den heissen Quellen. Wir sind nach den Fijis bereits wieder in Bali.

    Seit umarmt

    Stefan und Thomas

    • avelezsun 03/11/2011 um 6:02 pm #

      Hallo zäme! gerade heute habe ich zu Mike gesagt, ich glaube die Jungs sind wieder in der Schweiz. Wie kann man denn die Fijis toppen? :o) freue mich auf Eure Fotos und die Berichte! uns geht es gut. Wir sind mittlerweile an der Ostküste in der Nähe von Mackay. Verbringen die Zeit in den umgebenden Nationalparks während unser Solarpanel angeliefert wird. Eine wunderschöne grüne landwirtschaftliche Gegend, ganz anders als das bisher gesehene. Dicke Umarmung und weiterhin viel Spass!!
      Ana Maria und Mike

  2. Beat Baumann 26/10/2011 um 7:18 pm #

    Halli hallo zusammen ,hoffe euch geht es gut und i habt spass . Freue mich immer auf neue Abeteuer von euch . Alles liebe und hebet sorg .Saludos Beat und Cherry

    • avelezsun 26/10/2011 um 7:48 pm #

      Liebe Beat und Cherry, vielen Dank, uns geht es gut. wir freuen uns auf angenehmere Temperaturen an der Ostküste. Befinden uns zur Zeit ca. 100 km vor Townsville. Es ist 20 Uhr und ich friere… bei angehnehmen 25 Grad. ;o) Herzliche Grüsse zurück und alles Liebe. Ana Maria

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