Heisses Outback

6 Okt

Die Hitze im Norden Australiens zwingt uns ein schnelleres Schritttempo einzulegen. Die Wanderungen sind bei diesem heissen Wetter kein Genuss, deshalb lassen wir auf dem Weg nach Katherine einiges aus.

Unsere letzte Besichtigung in Western Australia (WA) gilt dem Lake Argyle, einem Stausee 25 km südlich von Kununurra, der eine Fläche von 1‘000 km2 einnimmt. Es ist der grösste selbst erbaute See in Australien. Der Damm dient dazu, die Wasserversorgung in der Region während der Trockenzeit zu gewährleisten, denn in dieser Gegend wird dank dem Stausee alles Mögliche angebaut: Mais, Melonen, Kürbis, Zitrusfrüchte, Grapefruit,  Mangos, Sandelholz, u.v.m.

Oberhalb des Damms finden wir einen schönen Park in dem wir gemütlich weilen und die vielen bunten Vögel beobachten. Später packen wir unseren Kocher aus und bereiten uns das Mittagessen zu. Hier wäre es ein Traum zu campen, doch es ist ausdrücklich verboten.

Viele Autos halten an zum Picknick, darunter auch eine junge Deutsche Familie mit zwei kleinen Kindern. Wir bewundern sie, weil sie zu viert in einem kleinen Bus (Toyota Hiace) reisen. Sie wohnen seit fünf Jahren an der Ostküste und machen jetzt den „Big Loup“ d.h. sie fahren um ganz Australien herum mit ihren 4- und 2-jährigen Buben. Da sie in die entgegengesetzte Richtung von uns fahren, wissen wir ihnen einige Tipps über Campingplätze in der Region. Sie kaufen uns das „Free Camping in the north of WA“ ab, das Buch, was uns zu vielen gratis Campingplätze geführt hat und das ihnen bestimmt auch gute Dienste erweisen wird.

Flora River Nationalpark

Die 512 km von Kununurra nach Katherine schaffen wir in zwei Tagen. Dabei besichtigen wir den Flora River NP, der 36 km vom Victoria Highway entfernt liegt: Eine kleine Oase für Leute, die ihr Kanu oder Boot dabei haben. Vom Ufer aus kann man die Schönheit der Kaskaden und der Pools nicht richtig wahrnehmen. Man traut sich nicht den Fuss ins Wasser zu setzen, weil die Gegend leider von Salzwasserkrokodilen bewohnt wird, darum ist das Baden nicht erlaubt. Wir sehen keine Krokodile, dafür eine grosse Kolonie von „black flying foxes“, die schwarzen Fledermäuse, die tagsüber von den Bäumen runter baumeln und einen Riesenlärm verursachen.

Der Eintritt in die Nationalparks im Northern Territory (NT) ist zu unserer Freude gratis, mit Ausnahme vom Kakadu und Uluru. Auch finden wir die Campinggebühr von 13.20 AUD (inkl. warme Dusche!) für zwei Personen besonders günstig. In WA hatten wir ein Jahreseintrittsabo für 88 AUD gekauft. Die Übernachtung kostet dort zusätzlich zwischen 14 und 22 AUD, je nach Verfügbarkeit von Toilette, Wasser und Grillplatz. Eine Dusche gibt es dort selten, vermutlich weil das Wasser knapp ist. Die Campinggebühren steckt man bei der Ankunft in einen Umschlag versehen mit dem Namen und der Autonummer und wirft sie in einen Briefkasten. Der Abdruck legt man hinter die Windschutzscheibe. Die Umschläge werden in der Regel durch den Ranger tagsdarauf gesammelt und kontrolliert.

The School of the Air

In Katherine, einer Gemeinde mit 5‘800 Einwohnern, besichtigen wir die School of the Air. Die  Fernschule für Kinder und Jugendliche, die zu weit weg von einer Schule wohnen. Früher fand der Unterricht via Radio statt. Heute – erst seit März 2006 – ist der Unterricht dank Computer und Internet lebendiger geworden. Jetzt kann der Lehrer, der in einer Art Radiosenderaum sitzt, seine Schüler live sehen – und die Schüler den Lehrer, die Mitschüler und/oder die Wandtafel.

Die Schüler der Unter- und Oberstufe werden in allen Fächern unterrichtet, was ihnen den Einstieg in eine höhere Schule oder ins Berufsleben ermöglicht. Man sagt uns, sie hätten dieselben Chancen, wie die Kinder, die eine „normale“ Schule besuchen.

Um sich für den Fernunterricht einschreiben zu können, müssen diverse Kriterien erfüllt werden wie z.B. die Entfernung zur nächsten Bushaltestelle bzw. zur nächsten Schule und die Familie muss den Wohnsitz im NT haben. Die technischen Mittel werden durch die Schule installiert. Die Familie muss sich mit einem Beitrag beteiligen. Bücher und Lernutensilien werden ihnen durch die Schule anfangs Schuljahr per Post zugestellt. Diese müssen Ende Schuljahr komplett zurückgeschickt werden, ansonsten fallen Kosten an.

Den Fernunterricht nutzen ca. 250 Schüler, hauptsächlich Kinder in den Rinderfarmen und in abgelegenen Aboriginal Siedlungen. Doch auch Familien, die sich auf Reisen durch Australien befinden oder für absehbare Zeit im Ausland beruflich tätig sind, können sich für den Fernunterricht anmelden.

Leider können wir den Live-Unterricht nicht erleben, weil gerade Schulferien sind. Doch wir sind froh, dass wir überhaupt die Schule besuchen konnten, denn die Touren finden momentan nur einmal die Woche statt und wir sind zufällig am richtigen Tag zur richtigen Zeit vorbeigekommen.

Nitmiluk Nationalpark

Dreissig Kilometer nordöstlich von Katherine befindet sich der schöne Nitmiluk Nationalpark. Die Katherine Schlucht erkunden wir diesmal vom Kanu aus bei einem halbtägigen Ausflug. Um acht Uhr soll man das reservierte Doppelkanu beim Bootshäuschen abholen. Wir haben noch Mühe mit der Zeitverschiebung und kommen ca. zehn Minuten später an (Bei der Grenzüberschreitung von WA zu NT hat man uns einfach so eineinhalb Stunden geklaut!). Wir sind die letzten von wahrscheinlich zwanzig Personen, die heute ein Kanu reserviert haben und Instruktionen bekommen, wann wir spätestens zurück erwartet werden, wo wir nicht aussteigen dürfen, wie viel die Busse beträgt im Falle von Missachtung usw.

Wir stecken unsere Wertsachen sowie trockene Kleider in einen verschliessbaren Eimer ein und paddeln davon… oder tun so als ob. Anfangs will das Kanu nicht so wie wir wollen. Die Leute, die vor uns weggepaddelt sind, verschwinden rasch aus unserem Blickwinkel. Doch mit der Zeit finden wir den Dreh raus und kommen doch noch vom Fleck und auch dazu die Fahrt zu geniessen. Unterwegs sehen wir uns die Verbotsschilder genauer an. Einige Plätze sind als Schutzzone definiert für die Krokodile, die hier brüten, aber wir sehen weit und breit keine Krokodile.

Die Zeit reicht uns um zur ersten von insgesamt dreizehn Schluchten zu kommen, um dort  auszusteigen und die Sicht aus der Höhe zu geniessen sowie um mit den anderen Halbtagesausflügler im, vor Krokodilen sicheren Strand zu baden und gemütlich zurück zu paddeln, damit wir wie gewünscht um 11.45 Uhr das Kanu zurückgeben können.

Hier sieht man eine Falle für Salzwasserkrokodile… sollte sich eines hierher verirren.

Die Campinggebühren im Nitmiluk NP sind gleich teuer wie in einem üblichen Caravanpark. Es hat einen Swimmingpool mit Sprudelbad, eine Wäscherei mit freier Nutzung und wir haben sogar Internetempfang! Solchen Luxus in einem Nationalpark sind wir uns nicht gewohnt. Es gefällt uns so gut, dass wir zwei Tage hier bleiben. Zwischendurch bekommen wir Besuch von neugierigen Vögel oder Wallabies…

Der Park wird gemeinsam durch die Regierung von NT und einer Aboriginalgruppe geführt, denn das Land wurde im Jahre 1989 den ursprünglichen Besitzer, den Jawoyn nach langer Prozessierung zurückgegeben.

Die Ureinwohner Australiens

Die Aboriginal Bevölkerung in dieser Gegend ist sehr gross. Wie in anderen Ortschaften in WA sieht man sie von früh bis spät herumhängen in den Parks, vor Supermärkten oder vor Alkoholverkaufsläden in den sogenannte „Bottleshops“. In Australien wird sehr viel Alkohol konsumiert. Glücklicherweise ist der Alkoholkonsum an öffentlichen Plätzen meistens verboten.

Aboriginals werden vom Staat finanziell unterstützt. Wir haben den Eindruck, dass sie kein Interesse haben einer Beschäftigung nachzugehen. In unseren Augen sehen sie unglücklich, lustlos, resigniert, sauer, aus. Egal in welchem Alter. Irgendwie ist das gut nachvollziehbar. Ihr Volk hat viel Leid erfahren müssen seit der Ansiedlung der Weissen.

Sie wurden vertrieben, getötet, versklavt, misshandelt. Ihre Familien wurden auseinander gerissen, die Kinder in Heime gesteckt, missioniert. Man hat sie entwurzelt. Sie mussten mitansehen wie ihr Land ausgerodet wurde, wie ihr Lebens- und Nahrungsraum verschwand, wie sich das Landschaftsbild veränderte durch Landwirtschaft, Viehzucht, Goldrausch, Minen usw. Dies alles geschah in den letzten 200 Jahren.

Die Regierung steht heute für die „Fehler“ ein, mit der finanziellen Unterstützung, der teilweise Rückgabe von Ländereien oder der Anerkennung von heiligen Orten. Man erwartet jetzt, dass sie sich zurückziehen zu den zugesprochenen Plätzen, dass sie sich zurückbesinnen zum Ursprung. Oder dass sie sich integrieren und ein geordnetes Leben in der „Zivilisation“ führen. Doch wie lange brauchen die Wunden um zu heilen? Wir können ihren Groll nachfühlen. Wer wäre nach solcher Brutalität nicht wütend? Wir bringen ihnen kein Verständnis entgegen für ihr „Sein“, doch erwarten von ihnen, dass sie unsere Art zu leben verstehen. Wie soll das gehen?

Auf unserer Fahrt durch WA und NT treffen wir nur wenige Aboriginals, die einer Beschäftigung nachgehen. Eine davon war im Museum von Kalgoorlie unsere Reiseführerin. Sie hat uns in 30 Min. ein kleines bisschen ihrer Kultur voller Begeisterung näher gebracht. Stolz hat sie uns  im Garten des Museums den Nutzen der hier wachsenden Bäume erklärt, den medizinischen Zweck. Sie war nicht aus dieser Region, ihre Familie kam aus dem Nordosten Australiens. Sie freute sich riesig, dass sie in Kürze ihren Urlaub bei ihnen im Busch verbringen würde und ihren ursprünglichen Beschäftigungen gemeinsam mit der Familie nachgehen konnte.

Ich glaube, es stimmt, was ich in einem Kulturzentrum gelesen habe. Das wichtigste was ihr Volk zusammenhält ist ihre Kultur. Diejenige die ihre Kultur aufleben lassen, fühlen sich glücklich und ausgeglichen aus. Wir wünschen uns für sie, dass ihnen das Aufleben ihrer Kultur gelingt und sie ihren Weg finden.

… unser Weg geht weiter in den heissen Norden Richtung Darwin.

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