Overnight

21 Nov

Eine abenteuerliche Fahrt über Stock und Stein führt uns vom subtropischen Regenwald zum Weideland. Auf der Suche nach einem günstigen Stellplatz landen wir im Homevale Nationalpark, an einem nur für Geländefahrzeuge erreichbaren Platz.

Der Zutritt zu den Nationalparks in Queensland ist kostenlos, die Campingplätze darin kosten alle nur AUD 5.30 pro Person unabhängig der angebotenen Leistung, ob Wasser, Toilette, Dusche und  Grillplatz zur Verfügung stehen oder nicht. Dies ist relativ einfach. An was wir uns aber gewöhnen müssen, ist im Voraus zu reservieren, sei es telefonisch oder per Internet. Wenn man keine Kreditkarte besitzt, hat man gelitten. Es gibt keine Alternative zur Bargeldlosenzahlung. So ist jeder Staat vollkommen autonom und hat seine eigenen Regeln… „Kantönligeist“ fast wie in der Schweiz. Zu unserem Glück hat Australien nur sechs Staaten.

Von unserem Campingplatz aus unternehmen wir eine Wanderung zum 6 km entfernten Mt. Britton Township, einer früheren Goldgräber Stadt. Dort angekommen, schauen wir enttäuscht auf ein grosses Feld. Die Erinnerungsstätte besteht aus Strassenschilder und Infotafeln. Es gibt keine Gebäude ausser der Schule, die eher einer Scheune gleicht. Die nicht mehr existierenden Gebäude sind markiert mit Tafeln auf denen bebilderte Geschichten zu lesen sind. Die anfängliche Enttäuschung weicht aber  von Tafel zu Tafel, denn die Geschichten sind so gut geschrieben, dass man das Gefühl bekommt, zu dieser Zeit anwesend zu sein – Eine Geisterstadt der besonderen Art.

In Nebo suchen wir ein Haus, welches von Mt. Britton hierher gezügelt wurde. Doch wir werden leider nicht fündig. Dafür entdecken wir dieses nette Hotel.

Im kleinen nebenstehenden Laden decken wir uns mit Gemüse und Äpfel ein und vis à vis finden wir Brot und Milch. Hier hat es noch kein IGA, Coles oder Woolworths, die drei Lebensmittelketten, die den Markt in Australien beherrschen.

Wieder auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit führt uns der Camps6 diesmal zu einer Raststätte neben einem Hotel mit Pub à la Biergarten. Auf einem grossen Feld kann man sich kostenlos einen Stellplatz aussuchen. Man darf die Toiletten und Duschen des Hotels benutzen und sogar die Waschmaschine. Für AUD 10 könnte man sich ans Stromnetz hängen. Wo liegt der Haken? Wir finden keinen… der Wirt verdient sein Geld mit dem Pub und lässt die Leute auf seinem Grundstück umsonst campen.

Wir bestellen uns ein Bier und ein Sprite und setzen uns auf die Veranda. Hier muss abends die Post abgehen. Es hat eine Bühne mit grossen Lautsprecher und Lichtshow. Neben der Bühne steht ein Rodeo Stier. Wir mustern die Gegend ab und entdecken dabei ein Plakat: „Thursday Topless Service“. Thursday: Donnerstag – das ist heute. Oha! – heute Abend „oben ohne Bedienung“. Mike smilet über beide Ohren. Das will er sich natürlich nicht entgehen lassen.

Bis zum Abend sind noch einige Stunden, die ich mit Tagebuch Schreiben, Reiseführer Lesen, Route festlegen, Emails checken verbringe. Mike liest eines seiner E-Books. Wir kochen und essen wie gewohnt in unserem Zuhause. Aus dem Pub ertönt gute 90-er Jahre Musik. Also gut. Ich komme auf ein Rum-Cola mit, aber nur eins, sage ich zu Mike. Eigentlich bin ich ja schon neugierig, was dort zu und her geht.

Es hat wie erwartet fast nur Männer. Viele davon sind Minenarbeiter, die hier ein Zimmer gemietet haben.  Ich komme mir etwas „überflüssig“ vor. Hinter der Theke sieht es wie heute Nachmittag „normal“ aus. Draussen bedienen zwei Girls, die ausser einen String und Stiefel nix anhaben. Sie flirten mit den Männern und sorgen für gute Stimmung, zumindest eine von ihnen – die, die gut aussieht. Die andere scheint nicht glücklich zu sein mit ihrem Job. Die gutgelaunte kriegt ordentlich Trinkgeld für das „Bier bringen“. Ich bin überrascht, dass alles so gesittet zu und her geht. Irgendwie habe ich es mir wilder vorgestellt. Um 22 Uhr ist der Spass vorbei, viele Gäste sind schon weg und die Girls sitzen wieder ordentlich gekleidet an der Theke.

Direkt an der Küste ca. 40 km nördlich von Mackay weilen wir drei Tage im Cape Hillsborough NP. Wir wandern über Klippen, spazieren am Strand und in Mangroven Landschaften, geniessen die Meeresluft. Unser Stellplatz ist nur einige Schritte vom Meer entfernt. Morgens hüpfen Wallabies, tagsüber spazieren Brushturkeys und abends Possums an uns vorbei.

Der Kookaburra wartet auf Gelegenheit, das Frühstücksbrot zu klauen. Unserem Nachbarn stiehlt er vor seiner Nase das Müsli von der Schüssel.

In der Nacht, kann ich einen Flughund beobachten, wie er von einem Baum zum nächsten gleitet. Es ist Wochenende. Viele Inland-Touristen geniessen den Park beim Wandern, Fischen, Baden. Wir haben Glück einen Platz zu ergattern, denn bis zum Abend ist der Park ausgebucht.

Am Montag soll das Solarpanel nach Mackay geliefert werden. Wir fahren sehr früh los zum Caravanpark, sind etwas nervös, weil wir nicht wissen ob es mit der Lieferung klappt. Ich rufe bei der Speditionsfirma an wo sie mir mitteilen, dass sie erst am Dienstag liefern. Die Lieferungszeit können sie mir nicht angeben, deshalb entscheiden wir uns, das Solarpanel selber abzuholen, denn am Dienstag möchten wir weiterfahren. Die Abholung klappt unproblematisch. Sie wollen weder einen Ausweis sehen, noch die Tracknummer wissen. Es reicht zu sagen: „Hi, my name is Mike. Oh.. I think, this is my parcel (mit dem Finger darauf zeigend). Thank you. Bye, have a nice day… Und weg.

Juppiii! Nun können wir uns auf ein Paar autarke Tage einrichten. Wir füllen den Wassertank, kaufen Gemüse und Früchte ein im Gemüseladen und fahren ca. 100 km südlich von Mackay zum Carmila Beach, wo man direkt am Strand bis zu drei Tage umsonst stehen darf. Wir finden eine schöne Ecke unter Bäumen. Mike setzt sich gleich mit der Installation des Panels auseinander.

Das Gerät ist seriell geschaltet, was für uns nicht die gewünschte Leistung erbringt. Deshalb verkabelt Mike das ganze parallel um und bastelt ein Verlängerungskabel, denn wir stehen im Schatten und das mitgelieferte Kabel misst nur drei Meter. Nach einigen Bastelstunden kann das Gerät getestet werden. Yes! Es funktioniert einwandfrei.

Mit diesem 120 Watt Panel können wir bei Sonnenschein unsere Laptops, das Internet, die Handys, wenn gewünscht Musik und natürlich ganz wichtig: unseren Kühlschrank betreiben. Bei gedecktem Himmel reicht die Leistung des Panels immer noch für den Kühlschrank. Wir sind glücklich mit dem neuen umweltfreundlichen Zubehör.

Solarenergie – was für eine geniale Erfindung!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s