Strandleben

27 Nov

Neugierig auf die Strände an diesem Teil der Erde, suchen wir in unserem Reiseatlas nach Campingmöglichkeiten am Strand. Der Byfield Nationalpark auf der Höhe von Rockhampton hat diesbezüglich Einiges zu bieten und wird somit zu unserem nächsten Ziel.

Wir lassen uns im Visitorcenter von Yepoon beraten und erfahren, dass man nur mit einem 4WD Fahrzeug dahin kommt und dass es dort keinerlei Facilities gibt. Da wir nun gut ausgerüstet sind, ist das für uns kein Problem. Wir buchen für drei Tage einen Stellplatz an zwei verschiedenen Orten, was die älteren Helferinnen im Visitorcenter fast zur Verzweiflung bringt, denn das Buchungssystem von Queensland’s Nationalparks ist alles andere als bedienerfreundlich.

Warum man ein Vierradbetriebenes Fahrzeug benötigt, erfahren wir auf dem Weg zum „Nine Mile Beach“. Um dahin zu gelangen, muss man auf relativ schwierigem Terrain fahren sowie über eine steile Sanddüne, was mit einem drei Tonnen schweren Fahrzeug nicht ganz einfach ist. Ja, wir wiegen fast drei Tonnen! Mehrere Anläufe benötigen wir um zu begreifen, dass der Reifendruck definitiv auf 20 Psi gesenkt werden muss, dass es nicht reicht die Luft von 50 auf nur 30 Psi rauszulassen. Dann aber meistert Dingidi die Herausforderung und bringt uns über den Berg von wo aus sich eine fantastische Aussicht auf das Meer und auf den neun Meilen langen Strand öffnet.

Wir staunen darüber, dass in diesem so abgelegenen und schwierig zu erreichenden Nationalpark tatsächlich eine Dorfgemeinschaft lebt. Nach einer kurzen Rundfahrt in dem Dorf, fahren wir zum ersten Mal mit unserem Fahrzeug am Meeresufer entlang – ein schönes Gefühl! Der Sand ist kompakt und ganz eben. Glücklicherweise ist gerade Ebbe. Bei Flut könnten wir nicht zum gebuchten Platz fahren. Das Meer zieht sich hier geschätzte 200 Meter zurück. Unsere Geschwindigkeit beträgt 50 km/h. Die Sonne scheint, die Temperatur beträgt ca. 30 Grad, doch der Wind bläst angenehm vom Meer. Auf der Strecke kommen uns anfangs zwei, drei Fahrzeuge entgegen, eines davon mit einem Boot als  Anhänger. Man muss sich vorstellen, die Aussies schleppen über die Dünen Boote hierher!

Einige Kilometer weiter ist weit und breit nichts zu sehen als Sand, Meer und Dünen, dann kommt eine kleine Flussmündung bei der wir anhalten. Mike sucht den flachsten Platz aus um das Wasser zu durchqueren, fährt rückwärts und übersieht dabei ein Treibholz, das geradeso im Sand liegt – den wohl einzigen Baumstumpf weit und breit!… Wir sitzen mit dem Differential fest auf dem Holz, können uns weder vorwärts noch rückwärts bewegen, da die Räder im Sand durchdrehen!

Wir probieren alle unsere Pannenhilfemittel aus um uns aus dieser misslichen Lage zu befreien. Doch nichts hilft. Die drei Tonnen lassen sich partout nicht bewegen. Wir brauchen jemanden der uns herauszieht. Glück im Unglück… auf der anderen Seite der Flussmündung stehen zwei Männer mit ihren Fischerruten und einem Nissan Patrol. Mike bittet sie um Hilfe und sie kommen sofort.

Zuerst versuchen sie das Auto mit Wippen raus zu schaukeln, was aber nicht hilft. Wir holen das Abschleppseil raus, doch es wird nicht gebraucht, denn sie haben am Vorabend zu unserem Glück eine Winde an ihrem Fahrzeug montiert. Diese kommt jetzt zum ersten Mal zum Einsatz. Schon beim zweiten Anlauf klappt die Befreiungsaktion. Erleichtert, bedanken wir uns bei ihnen!, packen die „recovery tools“ zusammen und fahren erlöst und umsichtig weiter zu unserem Campingplatz.

Direkt am Strand auf einer erhöhten Bucht, liegt unser Lager. Wie erwartet, gibt es hier nichts als Natur pur. Keine nummerierten Plätze, keine Gebäude. Und keine weiteren Camper. Wir sind ganz alleine. Die Wahl des Stellplatzes fällt uns leicht. Wir nehmen den einzigen durch Gebüsch geschützten Platz. Herrlich dieser Ort, an dem nichts als die Natur zu hören, zu sehen, zu riechen ist.

Am darauf folgenden Tag kommt der Ranger vorbei um zu kontrollieren, ob wir für den Platz, auch bezahlt haben. Uns gefällt es so gut an diesem abgeschiedenen Ort, dass wir unseren Aufenthalt um zwei weitere Tage verlängern. Dies geht nur telefonisch oder über das Internet. Verbindung bekommen wir nur bei Ebbe, wenn wir auf den frei gewordenen Strand so weit wie möglich rauslaufen und die Antenne zur Hilfe nehmen.

Ab Freitag füllt sich der Platz mit Wochenendtouristen. Aus den benachbarten Städten kommen viele Menschen, darunter junge Leute, die nicht wegen der Natur oder der Ruhe den Park aussuchen sondern um ihre Fahrzeuge im Sand zu testen und um zu feiern. Welch ein Glück, waren wir unter der Woche hier! Wir möchten am Sonntag früh die Fähre zur Great Keppel Island nehmen und fahren deshalb am Samstag bereits zurück über die Dünen.

Bevor wir auf die geteerte Strasse fahren, lassen wir mit unserem kleinen Kompressor wieder die Luft in die Reifen auf 50 Psi rein.

Sonntags ist viel los auf Great Keppel Island, einer schönen kleinen Insel mit weissen Sandstränden, nur 30 Fähreminuten von der Rosslyn-Bay entfernt. Die Insel ist ausserhalb des Great Barrier Reefs, soll aber schöne Plätze zum Schnorcheln haben. Die Strände sind in der Tat wunderschön. Um die Insel zu erkunden, haben wir von 9.30 bis 15.30 Uhr Zeit, dann fährt die Fähre wieder ans Festland zurück.

Wir lassen Dingidi auf dem Festland zurück und ausgerüstet mit einer Karte, Getränke, Imbiss, Schnorchel, Maske und Flossen suchen wir den Strand mit dem Korallenriff zum Schnorcheln auf. Tatsächlich verirren wir uns auf der kleinen Insel und laufen in der Hitze zwei Stunden auf schlecht beschilderten Buschwegen herum. Dafür finden wir den wunderschönen Long Beach an dem einige Leute baden ohne Stingersuit… das erste Mal an der Ostküste!

Endlich finden wir den von uns gesuchten Strand mit Korallenriff. Wir begeben uns ins relativ kalte Wasser und müssen lange suchen, bis wir Fische treffen. Dann aber sehen wir die grösste Schildkröte, die wir je gesehen haben. Wir beobachten sie relativ lange wie sie Algen frisst, Luft holt und an der Putzerstation sich reinigen lässt. Sie ist gar nicht schüchtern. Dann zeigt sich eine riesige Makrele. Die ist mindestens ein Meter lang und vierzig Zentimeter hoch, einfach riesig! Die Korallen hier sind leider tot. Viele Aussies sind mit ihren eigenen Booten bzw. mit ihren Yachten da. Da man sich hier ausserhalb des Great Barrier Reefs befindet, ist das Fischen erlaubt – die liebste Freizeitbeschäftigung einiger Aussies.

Schnell ist die Zeit um und wir sitzen wieder in der bis auf den letzten Platz gefüllten Fähre, die uns auf das Festland zurückbringt. Wir staunen über die riesigen Kühlboxen sogenannte Eskis, die die Aussies bei sich haben, wenn sie zum Strand oder zum campen gehen. Hier ist einfach alles überdimensional gross. Gross wie das Land bzw. den Kontinent!

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Eine Antwort to “Strandleben”

  1. Hugo und Annemarie Gnägi 05/02/2012 um 12:44 am #

    Kaum vorstellbar was ihr alles erleben könnt. Ich wünsche euch weiterhin so viel Glück und Zuversicht.
    Mit ganz lieben Grüssen
    Annemarie Hugo

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