Das Great Barrier Reef

5 Dez

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Langsam aber sicher nähern wir uns dem südlichsten Punkt des Great Barrier Reefs, dem grössten lebenden Organismus der Erde, der einzigen lebenden Struktur die man vom Weltall erkennen kann. Jetzt wo wir dem sogenannten „grössten Aquarium der Welt“ so nahe sind, wäre es sehr schade, ihm keinen Besuch abzustatten.

Vor zehn Jahren war ich sehr enttäuscht von meinem Ausflug zum grössten Riff. Zu viele Boote fahren in Cairns hinaus mit zu vielen Touristen an Bord, die ins Wasser springen und unvorsichtig mit den Flossen die Korallen kaputt treten, zumindest die Korallen, welche nicht schon durch die Erderwärmung zerstört wurden. Aus dieser Erfahrung ziehe ich meine Lehren. Ich erkundige mich, welche die touristisch unberührtesten Orte zum Schnorcheln und Tauchen sind und finde heraus, dass auf unserer momentanen geographischen Lage drei Inseln in Frage kommen: Heron Island, Lady Musgrave Island und Lady Elliot Island.

Auf Heron Island steht ein Luxusresort, das AUD 400 pro Nacht berechnet… das liegt deutlich über unserem Budget und kommt deshalb nicht in Frage. Lady Musgrave Island ist eine unbewohnte Insel, die Teil des Capricornia Cays Nationalparks ist. Man darf auf der Insel campen, doch muss man alles mitnehmen sogar das Trinkwasser aber selbstverständlich ohne Fahrzeug. Will man dort vier Tage verbringen, muss man aus Sicherheitsgründen für sieben Tage Wasser und Lebensmittel mitschleppen, im Falle dass ein Hurrican – hier Zyklon genannt – aufkommen würde und man nicht auf der Insel abgeholt werden könnte. Da wir kein Zelt und keine Camping-Ausrüstung ausserhalb unseres Fahrzeuges  haben, verzichten wir auf ein bestimmt unvergessliches Erlebnis.

Wir entscheiden uns für das Eco-Ressort auf Lady Elliot Island und nehmen das günstigste Spezialangebot, das man dort momentan bekommt. Für zwei Nächte in einer Eco-Hütte inklusive Halbpension, Hin- und Rückflug, Schnorchel-Ausrüstung, geführte Vogel- und Rifftour sowie einer Tour mit dem Glasboot bezahlen wir AUD 450 pro Person – ein Schnäppchen für Australische Verhältnisse!  Wir freuen uns, dass es so kurz vor den Schulferien noch klappt, einen Platz auf der Insel zu ergattern.

In Bundaberg, unserem Abflugsort nehmen wir am Vorabend des Ausfluges an einer Schildkröten Beobachtungstour teil, die durch Ranger auf Mon Repos Beach organisiert wird. Oder zumindest möchten wir dies tun… Ihr merkt schon, leider kommen wir nicht in den Genuss die Schildkröten beim Eierlegen zu bestaunen, denn an diesem Abend möchten keine Schildkröten an Land kommen.

Mon Repos beschützt die grösste Konzentration an Nester von Meeres-schildkröten am Festland der Ostküste Australiens. Im  ausgezeichneten Informationszentrum erfahren wir über die verschiedenen Schildkrötenarten, die jedes Jahr zwischen November und Februar herkommen um ihre Eier am Strand zu legen.

Sechs bis acht Wochen später schlüpfen die Küken. Doch die Überlebens-chancen eines Kükens sind unheimlich niedrig. Von 1000 Neugeborenen überlebt nur 1! Es ist unheimlich wichtig, dass der Strand absolut dunkel ist, wenn die Schildkröten schlüpfen, denn sie orientieren sich am Mondlicht und das kleinste Licht desorientiert sie und bringt sie in Gefahr. Sie versuchen so schnell wie möglich ins Wasser zu kommen und so schnell wie möglich wegzuschwimmen um den Humboldt-Strom zu erreichen (Wer Nemo gesehen hat… erinnert sich an den Humboldt-Strom).

Diese Strömung treibt sie vom kontinentalen Gewässer ins offene Meer. Einige schaffen ihren Weg an die Südamerikanische Küste und wieder zurück! Dank eines Naturwissenschaftlichen Projektes am Mon Repos Beach, weiss man, dass hier geborene Schildkröten an der Küste von Peru gesichtet wurden! Die hier geborenen Schildkröten paaren sich 30 Jahre später an der Küste vor Fraser Island und kommen zum Geburtsstrand zurück um ihre Eier zu legen! Sie orientieren sich dabei an den Erdmagnetischen Felder.

Fasziniert beim Lesen und Zuhören warten wir auf die Schildkröten an diesem Abend von 19 bis nach 23 Uhr… bis uns die Augen fast zufallen. Resigniert geben wir auf und fahren zu unserem Rastplatz, denn der Abflug zu Lady Elliot Island geht am nächsten Morgen los.

Aufgeregt und freudig gespannt, warten wir am Samstagmorgen auf den Abflug zu unserem Schnorchel- und Tauchurlaub. Dingidi haben wir am Flughafen von Bundaberg unter Obhut zurück gelassen. Die elf Plätzige Maschine geht eine Stunde nach der vereinbarten Zeit los. Man hat wohl vergessen uns über die Verschiebung des Flugplanes zu informieren. Der Wetterbericht für die nächsten Tage sieht nicht sehr rosig aus, dicke Wolken und Regentropfen machen sich schon breit.

Doch unser Flug in der kleinen Maschine verläuft reibungslos. Auf der Insel werden wir herzlich empfangen und herumgeführt. Uns fallen sofort die vielen nestenden Vögel auf, die auf jedem! Baum sitzen. Eine andere Vogelart brütet am Boden. Man muss aufpassen wo man hintritt. Solche Seevögel haben wir noch nie gesehen. Uns wird erklärt, dass eine Art das ganze Jahr über auf der Insel lebt und die andere Art nur zwischen September und Mai an Land kommt, nur um zu brüten.

Da wir nicht viel Zeit auf der Insel verbringen, buchen wir gleich den ersten Tauchgang auf heute Nachmittag und ruhen uns in der Eco-Hütte aus, einer aus Zelt und Holz gebauten Hütte in der es zwei Kajüttenbetten hat (…nichts mit romantischem Kuscheln), einen Nachttisch, einen zweitürigen Schrank und zwei Plastikstühlen. Das Bad befindet sich in einem separaten Gebäude und wird mit den anderen Eco-Hütten geteilt.

Bei unserem ersten Tauchgang, der unweit vom Ufer stattfindet, treffen wir schöne Korallenriffe an, unterbrochen durch sandige Plätze. Dank unserer Lektion über Schildkröten können wir sie nun deutlich voneinander unterscheiden. Wir sehen alle vier Arten: Loggerhead, Flatback, Green und Hawksbill sowie diverse Fischarten wie Barrakuda, Napoleon Lippfisch, Igelfisch, Zackenbarsch, Kaiserfisch, Papagaienfisch um nur einige zu nennen. Die Temperatur unter Wasser beträgt 26 Grad. Das Wetter ist etwas bewölkt, zwischendurch schaut die Sonne raus, was uns auf 17 Meter eine Sicht von ca. 20 Meter beschert… fantastisch! Das Riff sieht gesund und sehr schön aus.

Nicht nur die Unterwasserwelt gefällt uns gut, auch das Essen schmeckt uns ausgezeichnet. Wir freuen uns sehr über die Auswahl am Buffet und darüber, dass wir nicht selber kochen müssen. Beim Nachtessen machen wir die Bekanntschaft von Thomas und Brigitte. Das heisst Thomas hatten wir bereits beim Tauchen getroffen. Wir setzen uns an ihren Tisch und verbringen den Abend gemeinsam. Sie sind vor über zehn Jahren aus Deutschland ausgewandert, haben in diversen Städten Australiens gelebt und besitzen nun ein Haus in Brisbane. Wir führen interessante und amüsante Gespräche über das Leben und Arbeiten in Australien, über das Auswandern und vieles mehr. Dabei lernen wir Australien aus einer anderen Perspektive kennen.

An unserem zweiten Tag gehen wir bereits um 8.00 Uhr tauchen. Dicke Wolken ziehen sich über den Himmel, doch die Sicht unter Wasser ist besser als am Vortag. Bereits beim hinausfahren sehen wir zum ersten Mal einen riesigen Mantarochen, der elegant und majestätisch am Boot vorbeizieht! Unter Wasser werden wir nicht enttäuscht. Eine Schule von Makrelen begleitet uns eine Zeit lang, wir sehen Riffhaie, einen Leopardenhai, Trompetenfische und und und zwei gigantische Mantarochen, welch ein Geschenk!

Das Tauchen stellen wir nach diesem wunderbaren Tauchgang ein. Da wir morgen wieder zurück ans Festland fliegen, dürfen wir nicht mehr tauchen. Ins Wasser gehe ich trotzdem bis zur letzten Minute, denn beim Schnorcheln kann man hier genauso schöne Begegnungen haben. Ein weiteres eindrückliches Erlebnis haben wir am darauffolgenden Tag als uns das Glasboot zum Schnorcheln hinausbringt und wir wieder einen Mantarochen sehen sowie mehrere Schildkröten.

Wir erfahren noch Spannendes über die hier nestenden Seevögel. Da die Vögel nur auf dem Meer leben, trinken sie nur Salzwasser. Sie haben die Fähigkeit das Wasser zu entsalzen durch ihre Salzlymphen, die sich am hinteren Teil des Schädels befinden. Sie lassen das überflüssige Salz durch die Nasenwege passieren, wodurch sie laute Geräusche von sich geben. Der Lärmpegel ist relativ hoch bei der grossen Menge an Vögel, die sich momentan auf der Insel befinden und der Geruch ihrer Aussonderung (Guano pur) ist penetrant, als wäre man auf einer Hühnerfarm.

Das Eco-Ressort überzeugt uns durch ihre Leistung und ihre ökologische Haltung. Das Trinkwasser wird aus dem Meer gewonnen und durch Entsalzung trinkbar gemacht. Der Strom wird durch Hybridanlagen produziert, das Warmwasser mit Solaranlagen vorbereitet. Das Abwasser wird im anaeroben geschlossenen Kreis der Umwelt schonend wieder zurückgeführt. Regenwasser wird gesammelt und genutzt. Der Abfall wird aus der Insel verschifft. Viele umweltbelastende Aktivitäten sind nicht erlaubt. Die Mitarbeiter haben ein hohes ökologisches Bewusstsein und sind entsprechend geschult. Man fühlt sich auf den Vogel- und Inseltouren professionell betreut.

Wir wünschen uns, dass solche Projekte überhand gewinnen und auf der ganzen Welt vermehrt  eingeführt werden, dass mehr Menschen realisieren, wie wichtig es ist zu unserer schönen Welt Sorge zu tragen. Uns wird wieder einmal bewusst, dass wir unsere Energie in solche Projekte stecken möchten und dass wir später unser Zuhause soweit wie möglich auf ökologischer Basis aufbauen werden… Wo auch immer das sein mag.

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Eine Antwort to “Das Great Barrier Reef”

  1. einmalrundum 11/02/2012 um 1:27 am #

    Hallo Ihr beiden lieben,

    Wir sind wieder in der Schweiz. Thomas hat schon ein Jop und eine Wohnung, ich suche noch. Es ist eisig kalt und das Reisen fehlt uns beiden. Vielleicht hätten wir ja doch für immer auswandern sollen :-) Es freut uns eure schönen Berichte und euren wunderbaren Fotos zu lesen und zu sehen und wir träumen uns ein wenig in dei Ferene. Das mit den Mantas ist ja grossartig :-)
    Seit umarmt, habt acht auf euch und wir wünschen alles Glück das Ihr braucht!

    Stefan und Thomas

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