Backpackers

16 Mrz

Wir bleiben eine weitere Woche in „el jardin de los presentes“ und helfen als Volontäre bei den anstehenden Aufgaben. Neu dazu stossen am Montag Manu und Manue aus Belgien. Sie sind als „wwooffer“ angemeldet für zwei Wochen. Wwoof ist eine weltweite Organisation, welche Reisenden  den Kontakt zu organischen Farmen ermöglicht. Für vier bis sechs Stunden täglicher Arbeit auf der Farm wird dem Reisenden Kost und Logis gewährt. Das belgische Pärchen bereist seit zwei Monaten Argentinien, Bolivien und Peru und macht hier die erste Erfahrung als wwooffer. Während unserer Reise läuft uns dieser Begriff ein paar Mal über den Weg und zwar in Australien. Dort ist das eine beliebte Alternative zur Feldarbeit.

Volontär-Arbeit

Wie ist unser Tagesablauf? Wir stehen um 7 Uhr auf und erledigen die täglichen „Hausaufgaben“ wie Hühner füttern, Garten bewässern, Komposttoiletten auswechseln, Wäsche waschen oder Frühstück zubereiten. Nach dem Frühstück werden die Aufgaben, welche an diesem Tag anstehen besprochen, zugeteilt und… wir machen uns gleich an die Arbeit. Um 11 Uhr gibt es eine kleine Pause zur Stärkung, danach wird gearbeitet bis das Mittagessen auf den Tisch kommt, meist bis 15 Uhr. Ab dann ist man freigestellt. Abends versammeln wir uns um 20 Uhr zum fakultativen Filmabend, an dem es ökologische Beiträge zu sehen gibt.

Was erleben wir in dieser Woche?
Wir helfen bei der Herstellung von Adobe und der Beschaffung der Zutaten, d.h. Sand am Strassenrand holen, getrocknetes Heu am Fluss sammeln, Pferdemist beim Nachbarn holen und Lehm aus einem Haufen mit der Karre reinschieben, das vor dem Gelände liegt. Der Sand, der Lehm, das Wasser und der Pferdemist werden in eine Grube geworfen. Dann macht man sich mit Gummistiefeln ans Mischen bzw. Treten, solange bis die Zutaten gut vermischt sind. Diese Paste ist ganz zäh, bewegt man sich nicht ständig, könnte man darin stecken bleiben. Was mir dann auch gleich passiert, weil mir die Gummistiefel zu gross sind und ich mich nicht ordentlich bewegen kann. Meine Stiefel bleiben drin kleben und ich muss sie frei schaufeln.
Die Mischung lässt man dann einige Tage fermentieren, bevor man sie zum Bauen benutzt.

Mike’s technische Fähigkeiten werden sehr geschätzt. Er wird eingesetzt um das Solarpanel anzuschliessen und um verschiedene  Beleuchtungen zu planen und zu installieren wie z.B. in der Werkstatt und in der Küche. Dann gibt es einen Laptop, der auf Ubuntu umgerüstet werden soll oder  kleinere Aufgaben wie z.B. Bücherständer aus Metall zu gestalten.

Währenddessen entferne ich auf dem Küchendach das „Unkraut“, damit neues Gemüse gesetzt werden kann. Das Unkraut hat einen Namen: „amor seco“, was trockene Liebe heisst. Ein Kraut, das als Salat oder in der Suppe gegessen wird. Dieses möchten die Bewohner nicht wegwerfen sondern in den Wintermonaten getrocknet konsumieren, also breite ich das Geschnittene auf einem Blechdach aus zum Trocknen.

Flor bekommt vom Gemüsehändler Orangen geschenkt, die nicht mehr ganz schön sind und somit nicht mehr verkauft werden können. Die Orangen werden sortiert, geschält und gleich zu Konfitüre verarbeitet. Die „Überproduktion“ wird am lokalen Markt verkauft oder zwischen den anderen Marktteilnehmern für andere Artikel umgetauscht.

Manu, Manue, Flor und ich binden einige Exemplare des Buches, welches Pablo über das Brotbacken geschrieben hat. Mit einer alten Standbohrmaschine werden die Bücher durchbohrt und mit einer Schnur gebunden. Mit Hilfe einer Schablone beschriften wir die Deckel und malen sie mit Leinöl aus.  Wir basteln auch andere Dinge wie die Hüllen für die selbstgebrannten DVD’s über Permakultur mit Inhalte wie Anleitung zum Biobau oder Dokumentarfilme. Sowohl das Buch wie die DVD werden vorbereitet für ihren bevorstehenden Aufenthalt in Buenos Aires, wo sie verschiedene Anlässe geplant haben.

Das Highlight der Woche ist das Brot- und Pizza-Backen am Samstagabend. Wir kneten den Teig und bereiten neben dem Brot für die kommende Woche, zwei leckere Pizzas sowie kleinere Brötchen.

Am Sonntag machen wir einen Ausflug mit dem Bus nach San Marcos Sierra, ein nettes kleines Dorf, das wie Capilla del Monte vom Tourismus lebt. Wir schauen uns dort die schönen Häuser an und laufen bei schweisstreibenden Temperaturen auf den Berg, von wo aus eine schöne Aussicht zu geniessen ist. Am Fluss schauen wir den badenden oder fischenden Einheimischen zu.

Zwei Tage später verabschieden wir uns von Pablo, Flor, Fer, Manu und Manue und marschieren mit unseren Rucksäcken die 2,5 km zum Busterminal, von wo aus unser bequemer Bus nach Rosario fährt, die drittgrösste Stadt in Argentinien. Wir fahren um 9.30 Uhr los und kommen dort um 19 Uhr an.

Aufenthalt in Rosario

Hier lebt Beatriz, eine Bekannte aus unserem ersten Permakulturkurs, bei der wir grosszügiger weise unterkommen dürfen. Beatriz lebt im Zentrum von Rosario in einer Dreizimmer Wohnung mit ihren zwei Töchtern. Celeste (20J) studiert Geschichte und Journalismus, Cecil (22J) Informatik. Beatriz hat zwei Jobs. Einerseits ist sie in einer Bank für die Programmierung und die Netzwerke zuständig, andererseits hat sie ein eigenes Yogastudio an dem sie angehende Yogalehrer ausbildet.

Wir werden in ihrer Wohnung herzlichst aufgenommen. Beatriz bietet uns ihr eigenes Schlafzimmer an. Es sind gerade Ferien an der Fakultät und ihre Töchter sind über Nacht nicht immer Zuhause, so dass immer ein Bett für sie frei wird.

Wir verbringen wunderbare Tage mit drei ganz verschiedenen Frauen, bekommen einen tieferen  Einblick in das argentinische Leben, ins Schulsystem, in die Geschichte des Landes und werden herrlich verköstigt.

Die Stadt Rosario hat eine viel angenehmere Atmosphäre als die Hauptstadt. Alles geht etwas ruhiger zu und her trotz ihren ca. 1,3 Mio. Einwohnern. Mitten durch die Stadt geht eine breite Allee umsäumt mit schönen grossen Bäumen, an der die Menschen abends spazieren oder joggen. Auch ist die Flaniermeile entlang dem Fluss „Rio del Paraná“ eine willkommene Abwechslung.  Wir bestaunen die Stadt mit ihren antiken Gebäuden und den grünen Parks. Wir fahren mit dem Bus zum Strand am Rio del Paraná, an dem viele Rosarinos die freien Tage verbringen. Uns überzeugt der Strand allerdings nicht zum Baden.

Während unseres Aufenthaltes in Rosario merken wir, dass es uns gut tun würde, einen fixen Ort zu haben in dem wir die nächsten Wochen verbringen könnten. Nachdem uns Patric bestätigt, dass  unser Container definitiv auf dem Schiff „BU YI HE“ unterwegs ist, das erst am 5.4. am Hafen von Buenos Aires anläuft, beschliessen wir uns eine Wohnung in der Hauptstadt zu suchen.

Obwohl es uns in Rosario definitiv besser gefallen würde, müssen wir nach Buenos Aires fahren um unsere Laptops und unser weiteres Gepäck bei Agustina abzuholen. Ausserdem können wir von dort aus die Formalitäten für die Auslösung der Fahrzeuge speditiver abwickeln. Wir finden im Internet ein komfortables und zentralgelegenes Studio für USD 750 im Monat plus 15% Vermittlungsgebühr, welches wir für die Zeit vom 16.3. bis 16.4. reservieren.

Am 15.3. fahren wir in Begleitung von Celeste zum Busterminal von Rosario, um unsere Fahrt nach Buenos Aires anzutreten. Als wir dort ankommen, wundern wir uns, was das Fernsehteam vor dem Terminal macht. Fast alle Verkaufsschalter sind geschlossen und es hat erstaunlich wenige Passagiere im Terminal. Kurz darauf erfahren wir, dass ausgerechnet heute die Fernbusfahrer im ganzen Land streiken. Es verkehren keine Überlandbusse. Wie lange gestreikt wird, wissen die Leute nicht. Trotzdem kaufen wir am einzigen offenen Schalter zwei Bustickets für den darauffolgenden Tag um 10.00 Uhr.

Die Fahrt nach Buenos Aires dauert vier Stunden und unser Termin zur Wohnungsübergabe ist um 14.00 Uhr. Per SMS gebe ich der Vermietungsagentur Bescheid, dass wir erst morgen gegen 15 Uhr in der Wohnung sein können.

Wie erwartet hat es am darauffolgenden Tag unheimlich viele Menschen am Terminal. Wir sind froh, dass der Streik beendet wurde und dass wir unsere Fahrscheine mit Sitzen an erster Front haben. Unser Bus kommt mit einer halben Stunde Verspätung an. An unseren Plätzen sitzen bereits Leute, die vor Rosario eingestiegen sind, die uns aber freundlicherweise die Sitze übergeben, nachdem wir erklären, dass es uns weiter hinten schlecht wird.

Die Fahrt verläuft ruhig und komfortabel bis wir ca. 80 km vor Buenos Aires in einem Stau landen, in dem nichts mehr geht. Die Passagiere erfahren über das Handy, das es sich… wie soll es auch anders sein… um einen Streik handelt. Die Autobahn wird bis auf weiteres gesperrt. Einige Passagiere steigen aus und versuchen per Taxi über Nebenstrassen schneller an ihr Ziel zu kommen. Wir bleiben im Bus und sind gespannt ob und wann es weiter geht…

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