La Granja

12 Mai

Gegen 16 Uhr erreichen wir „La Granja“, wo uns Fanny mit fragenden Augen empfängt. Nein, man habe sie nicht darüber informiert, dass heute jemand kommt um den Biobauernhof kennenzulernen. Wir werden trotzdem herzlich von ihr und Ashley empfangen, zum Tee eingeladen und anschliessend im Bauernhof herumgeführt. Das heisst, sie verrichten ihre Abendarbeiten während wir ihnen dabei zuschauen, wie sie die Schweine, die Schafe und die Hasen füttern.

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Ganz schnell stellt sich heraus, dass Fanny, obwohl sie aus Frankreich stammt, akzentfrei Deutsch spricht, da sie die letzten Jahre in Deutschland gelebt hat. Und ratet mal wo? In Darmstadt! Mike strahlt über beide Ohren. Die beiden unterhalten sich über Strassen, Cafés, über die netten Leute in Darmstadt und über das Heinerfest, was er sehr vermisst. Sie erzählt, dass sie als nächstes ihre Freunde dort besuchen wird und das Schlossgrabenfest.

Ashley ist Amerikanerin aus Kalifornien. Fanny und Ashley haben sich hier kennengelernt an ihrer Stelle als wwoofer, wo sie für einige Wochen arbeiten um sich Verpflegung und Unterkunft zu verdienen, nachdem sie durch einige südamerikanische Staaten herumgereist sind.

Etwas später kommt Alejandro (Alex) mit der Tochter in einem alten Toyota an. Auch er ist über unseren Besuch überrascht. Scheinbar hat seine Frau Cristina (Cris) vergessen, die Mannschaft zu informieren. Wir erkundigen uns, ob es für die Familie in Ordnung sei, wenn wir die Nacht in ihrem Hof verbringen. Alex hat nichts dagegen, im Gegenteil, er bietet uns das Steinhaus zum Übernachten an. Da wir aber in unserem Fahrzeug sogar eine Heizung haben, ziehen wir vor bei Dingidi zu bleiben. Fanny und Ashley bieten uns ihr Bad an, was wir dankbar annehmen. Eine warme Dusche können wir wiedermal gut vertragen.

Fanny und Ashley bewohnen ein doppelstöckiges Holzhaus, welches mit einem Bollerofen geheizt wird. Da der Ofen seit gestern nicht mehr geht, macht sich Mike an die Arbeit um ihn wieder zum Laufen zu bringen, zum Glück ist er dabei erfolgreich. Es ist sogar tagsüber richtig kalt und besonders heute, wo es der ganze Tag bewölkt und regnerisch war.

Wir helfen Alex dabei das gebrachte Tierfutter zu versorgen und schauen anschliessend zu, wie er die Kühe füttert und melkt. Ich darf ebenfalls das Melken mit meinen eiskalten Händen ausprobieren, was die Kuh vermutlich nicht so toll findet. Eine Kuh hat vor 5 Tagen ein Kälblein auf die Welt gebracht. Die Milch nimmt Alex noch nicht für die Familie, da sie noch zu viel Fett enthält. Aber ab Morgen würde es wieder gehen, sagt er.

Fanny kocht mit den überschüssigen Tomaten aus dem Garten eine leckere Tomatensuppe mit Polenta und lädt uns ein, mit ihnen vor dem warmen Kamin zu Essen. Mike kocht währenddessen das für heute vorgesehene Essen in unserem Spiritus-Köcher, so dass es zu einem mehr Gang Menü für uns vier wird. Auch die von Pablo erhaltenen Kastanien können wir heute im heissen Kamin rösten. Wir verstehen uns blendend mit den Mädels und das in drei verschiedenen Sprachen: Spanisch, Englisch und Deutsch.

Cris lernen wir erst am darauffolgenden Tag kennen, nachdem wir Fanny und Ashley um 8 Uhr bei der Fütterung der Tiere Gesellschaft leisten. Da heute Morgen die Sonne scheint, es aber noch viel zu kalt ist zum draussen werkeln, ermutigt Cris uns mit Fanny und Ashley einen Spaziergang zum Fluss und auf den Berg zu unternehmen, von wo aus der Lago Mascardi zu sehen ist. Und sie lädt uns ein, länger auf dem Hof zu bleiben, falls wir möchten.

Auf dem Spaziergang lernen wir Rosa Mosqueta kennen. Hagebutte wächst wild auf diesen Breitengraden und wird hier nicht sehr geschätzt, da es zur Plage für die Landwirtschaft geworden ist. Fanny erklärt uns, dass die Frucht einen sehr hohen Anteil an Vitamin C enthält. Wenn man das Gefühl bekommt zu kränkeln, soll man Hagebutte lutschen, um das Immunsystem zu stärken, was bei diesen Temperaturschwankungen nie schlecht sein kann.

Nach unserem Spaziergang helfe ich den Mädels im Garten und probiere mein Glück beim Holzspalten. Zum Mittagessen kocht Fanny für uns Spagetti mit Tomatensauce. Wir steuern auch Pasta zu und stellen dabei fest, dass wir zufälligerweise dieselbe Marke haben. Der Salat wird frisch vom Garten gepflückt. Wir richten es uns draussen gemütlich ein und geniessen die warmen Sonnenstrahlen und das leckere Essen. Am Nachmittag klettern Fanny und Ashley auf die Leiter um das Dach der Scheune zu flicken. Ja, die Mädels sind überall einsetzbar.

Am Abend sind wir bei Cris und Alex zum Pizza Essen eingeladen. In ihrem Haus ist es dank dem Küchenofen schön warm, fast tropische Temperaturen. Nun haben wir Gelegenheit mehr von den beiden Musiklehrern zu erfahren und von ihrer 16-jährigen Tochter, die in Bariloche zur Schule geht. Die Familie ist vor über 25 Jahren aus Rosario hergezogen. Die Lehrer wurden nebenbei zu Bauern und haben wie viele Argentinier beim Währungssturz im Jahre 2001 grosse Verluste erlitten. Auf einmal war das relativ günstig erworbene aber noch nicht bezahlte Land nicht mehr tragbar, so dass sie sich von einem grossen Teil ihres Areals trennen mussten.

Leider gibt es in Patagonien noch viele Gesetze, die ihnen den Verkauf von Fleisch und Milch aus der eigenen Produktion verbietet. Wir führen interessante Gespräche und hören das erste Mal lobende Worte für Präsidentin Cristina. Seit die Familie Kirchner an der Macht sei, gehe es dem Volk viel besser. Sie sind der Meinung, das wichtigste für das Volk sei Bildung und Gesundheitsversorgung. Wenn beides vom Staat gewährleistet sei, könne es dem Volk nur gut gehen. Die derzeitigen Einfuhr-Restriktionen begrüssen sie mit der Begründung, dass die Argentinier nur auf dieser Weise genötigt werden, selber Produkte herzustellen, weil sie sich gewohnt sind, alles vom Ausland zu importieren. Wir hören interessiert zu, bis uns die Augen fast zufallen. Draussen dringt die Kälte bis in die Knochen ein. Habe ich schon mal erwähnt, wie froh wir um unsere Standheizung sind?

Am nächsten Tag überrascht uns Fanny mit selber gemachten Pfannkuchen. Mmmhhh lecker. Wir frühstücken gemütlich in ihrem Häuschen und geniessen dabei die warmen Sonnenstrahlen. Am Wochenende sind sie von ihren Pflichten befreit. Bevor wir unsere sieben Sachen packen, kommt Cris vorbei um Fotos von Dingidi zu machen. Alex und Cris würden gerne in einpaar Jahren durch Brasilien bis nach Venezuela fahren und dafür würden sie ein ähnliches Fahrzeug selber basteln. Als wir dabei sind uns zu verabschieden, kommt Cooper an, Ashley’s Freund. Er arbeitete als Gaucho in einem Hof in der Nähe von Ushuaia (am südlichsten Zipfel Patagoniens) und fliegt in einpaar Tagen zurück in die USA wo er als Cowboy tätig ist.

Nun ist aber höchste Zeit für uns nach Bariloche weiterzufahren. Es war eine spannende Erfahrung, die wir teilen durften und wir haben wieder einmal wunderbare Menschen kennengelernt. Wir bedanken uns bei Alex, Cris, Fanny und Ashley und wünschen allen viel Erfolg bei ihren Lebenszielen. Hasta pronto, amigos!

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5 Antworten to “La Granja”

  1. Fanny Jacquesson 21/10/2012 um 8:57 am #

    Liebe Ana Maria, lieber Mike,

    an diesem ruhigen Herbstsonntag in Deutschland habe ich mein Reiseheft wiedergefunden und damit auch die Adresse eurer Reiseberichte…
    Wie schön, von euch zu lesen und die Bilder nochmal zu sehen!
    Ich habe mich auch sehr gefreut, euch kennen zu lernen!… und was für ein schöner Zufall es war, euch deutschsprachigen begegnet zu sein!
    Ihr scheint nachher noch viele schöne Sachen gesehen zu haben… Ich hoffe dass es euch weiterhin gut geht.
    Ich bin wie geplant Ende Mai zurückgeflogen und habe in Darmstadt meine Freunde und mein Freund Philipp wiedergetroffen. Und Kartoffelpuffer und Currywurst gegessen, in der Grube Prinz von Hessen gebadet etc :-)….
    Philipp und ich wollen weiterhin zusammen leben. Er hat im Sommer bei einem Imker und ich auf einem Demeter Bauernhof mit 40 Kühen gearbeitet. Jetzt suchen wir nach einer gemeinsamen Wohnung in der Nähe von Landau, wo ich ein Praktikum bei einer Umweltagentur mache. Früher oder später möchten wir unser Projekt mit Imkerei und Landwirtschaft machen. Mit Geduld, Ruhe und Zuversicht.
    Ich wünsche euch für eure Reise und weitere Pläne vom Herzen alles Gute!
    Liebe Grüsse
    Fanny

    • avelezsun 30/10/2012 um 7:09 pm #

      Hallo liebe Fanny
      Wie schoen von dir zu hoeren! Vielen lieben Dank fuer deine Zeilen, die uns sehr gefreut haben! Uns geht es gut. Wir sind zur Zeit in Peru am Meer nahe an der Grenze zu Ecuador. Hier lassen wir das bisher Erlebte etwas setzen. Durch Ecuador wird es voraussichtlich zuegig gehen. Wir hoffen in Kolumbien das Stueck Land bald zu finden um das Gelernte ueber Permakultur in die Tat umzusetzen. Euer Projekt hoert sich auch ganz spannend an. Wir wuenschen Euch Gutes Gelingen und viel Spass! Bis bald, herzliche Gruesse
      Ana Maria und Mike

  2. Claudia und Michele 19/07/2012 um 6:04 pm #

    Hallo Ihr 2 Abendteuer Ana und Mike

    Ich freue mich immer wieder nachzulesen über was Ihr gerade erlebt und wo Ihr Euch momentan befindet aber vor allem freut es uns, dass es Euch gut geht.

    Claudia und die Kinder sind heute zusammen mit Tonka nach Voralberg gefahren und mich alleine zu Hause gelassen.

    Es tut auch gut zwischendurch und ich kann Verschiedenes zu Hause erledigen was man sonst eben nicht kann.

    Morgen ist zwar schon Freitag aber die Wochen sind streng obwohl die Zeit sehr schnell vergeht.

    Ich geniesse immer wieder Eure interessanten Berichte und staune nicht schlecht über die herrliche Natur und netten Begegnungen.

    Was ich etwas vermisse sind Berichte über Biketouren. Geht in diesen Länder niemand mit dem Velo ? :-))

    Ich würde auf jedenfall sehr gerne in diesen Länder mit dem Bike herumfahren, denn mit dem Tempo auf dem Bike erlebt man die Natur noch intensiver.

    Ich erlebe es täglich auf meiner Tour nach Meisterschwanden und heute Morgen besonders, war die herrliche Aussicht auf die schneebedeckten Bergen hinter dem Hallwilersee, einfach einmalig. Dazu kommt noch, dass ich auch einem Reh und Fuchs begegnen durfte.

    Also dann geniesst es in vollen Zügen in der Natur aber vergesst nicht, dass wir auch hier in der Schweiz ganz schöne, ruhige Ecken haben wo man seine Ruhe findet. Mann muss die Schönheiten jedes Landes einfach finden, geniessen und auch bewusst respektieren, so dass auch unsere Nachkommen etwas davon haben.

    Ich hatte das Glück, dass mich schon unseren Primarlehrer in der Schulzeit bewusst in die nahe Natur begleitete und uns unsere friedlichen Wälder zeigte. Nun kann ich es meiner Familie und guten Freunde weiterempfehlen. Was gibt es Schöneres als auf einem Lagerfeuer im Wlad, eine feine Wurst und Schlangenbrot zusammen mit kühles Bier zu geniessen ??

    Wir leben im Überfluss und es fehlt uns gar Nichts, aber wir müssen trotzdem lernen mit wenig auszukommen und auch nicht immer Alles besitzen zu wollen. Das ist der Punkt wieso, dass heute viele Menschen nicht mehr glücklich leben können, weil sie nämlich im Überfluss ertrinken und dabei vergessen wird was es eigentlich braucht um richtig Glücklich zu sein, nämlich: geuti Gseundheit, es Stück Brot met Wasser und liebi Menschenum sech.

    Nun Schluss mit Philosophieren.

    Wir wünschen Euch ALLES GUTE und mögen Euch die herrliche Reise von Herzen zu geniessen.

    Ich freue mich schon auf die nächsten Berichte.

    En liebe Gruess Michele und Familie.

    • avelezsun 20/07/2012 um 7:08 pm #

      Hallo lieber Michele
      Herzlichen Dank für Deine spannenden Zeilen und Gedanken! Es ist schon so, dass hier nicht viele Menschen mit dem Velo unterwegs sind. Wir haben in der Umgebung Bariloche’s Biker gesehen und dann wieder auf 3500 Meter im Norden Chile’s sowie auf dem Salar de Uyuni. Und rate mal, welche Nationalität die Biker hatten? … Deutsche und Schweizer! Ein Argentinier hat die Schweizer auf dem Salzsee mit den Worten begrüsst… „Darf ich von Euch ein Foto machen? Ihr Verrückten müsst entweder Deutsche oder Schweizer sein“. JA, Recht hatte er.
      Momentan sind wir beim herzlichen Schweizerpaar auf Besuch in Cochabamba, Bolivien. Ich bin gleicher Meinung wie Du. Die Natur lässt sich am Besten auf dem Bike oder zu Fuss geniessen. Aber hier braucht es meines Erachtens viel Mut mit dem Velo unterwegs zu sein, denn die Autofahrer haben leider keinen Respekt. Auch mit der Höhe kann nicht jeder umgehen. Mir geht ab 2500 Meter die Luft aus.
      Die Schweiz ist ohne Zweifel wunderschön! Die (meisten) Menschen tragen Sorge zur Natur und denken nachhaltig. Ein Paradies auf Erden. Würden wir nur nicht so hektisch leben, müssten wir nicht alles gleichzeitig machen und hätten wir nicht Angst um die Zukunft, so würden wir gesund bleiben und könnten dieses wunderschöne Leben geniessen, was eben nicht selbstverständlich ist. Aber das liegt wohl an jedem einzelnen von uns.
      Ich wünsche Euch einen herrlichen Sommer… soooo gerne würde ich mit Euch eine Cervelat im Wald bräteln ;o)
      Herzliche Grüsse aus Bolivien!
      Ana Maria

  3. yvonne velez 17/07/2012 um 6:47 pm #

    q chevere tener tanta gente querida en todas partes del mundo…..q rico poder leer tantas cosas interesantes del viaje y poderlas disfrutar a traves de los diferentes capitulos q escriben!!!!!!!Los quiero mucho y suerte.Besos,mami

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