Die Schweiz Patagoniens

14 Mai

Bariloche erinnert mich an einen Skiort in der Schweiz. Ich denke dabei z.B. an Grindelwald ausser, dass Bariloche direkt an einem grossen See liegt und, dass man Spanisch spricht und… ok, ok, es gibt mehrere Unterschiede, aber wenn man schon lange nicht mehr in der Schweiz war…, fühlt man sich dorthin versetzt. Die Stadt liegt auf etwa 890 m.ü.M. und ist dank dem Cerro Catedral eines der grössten und beliebtesten Wintersportzentren Südamerikas.

Es ist nicht einfach einen Parkplatz zu finden in dieser belebten touristischen Stadt. Vielleicht liegt es auch daran, dass heute Samstag ist. Wir drehen mehrere Runden, bis wir an einem Hang parken und die Räder gegen den Bordstein einschlagen. Mit unseren über 3 Tonnen Gewicht, wollen wir uns nicht im schlimmsten Albtraum vorstellen, was passieren könnte.

Während ich im nächsten Mc Donalds das Wifi aufsuche, tätigt Mike einige Einkäufe im gegenüber stehenden Supermarkt. Ich rufe die Emails ab und bekomme Antwort von Patric. Leider haben wir ihn verpasst. Er war bis zum 10.5. in Bariloche und ist seither wieder „on the road“. Ach wie schade! Ob wir uns wieder treffen werden? Wir haben vor beim nächsten Grenzübergang nach Chile zu fahren, während er noch eine Weile in Argentinien Richtung Norden fährt. On verra!

In einer Bäckerei bekommen wir pan de centeno und leckere Kuchenstücke. Die Bedienung übt freudig mit Mike ein paar Sätze in Deutsch. Schliesslich kann nur ein Deutscher sein, wer hier Roggenbrot bestellt ;o)

Anschliessend fahren wir gegen Westen dem See entlang zur Halbinsel Llao Llao zu einem Naturpark. Für eine Wanderung auf den Gipfel ist es schon etwas spät, deshalb begnügen wir uns mit einer Fahrt durch die malerische Landschaft und zur Colonia Suiza, wo einige Schweizer die Ähnlichkeit dieser Gegend mit der Schweiz wohl dazu veranlasst haben, sich hier niederzulassen. Touristen aus aller Welt ziehen sie an durch die Chalet-Bauart ihrer Häuser. Es gibt Restaurants, welche Käse-Fondue anbieten, Souvenir-Geschäfte und Cafeterias.

Einige Kilometer weiter auf dem Berg kommen wir zu einem Aussichtspunkt mit Restaurant, wo wir die wunderschöne Aussicht und das prächtige Wetter bei einem Kaffee und einer warmen Schokolade geniessen. Die Schokolade ist lecker aber sehr dickflüssig, schmeckt Mike eher wie Pudding, mit derselben Konsistenz.

Während der ganzen Fahrt finden wir kein Plätzchen, wo wir uns unbemerkt für die Nacht hinstellen könnten, deshalb fahren wir weiter nach Bariloche um bei YPF voll zu tanken, bevor wir das Städtchen Richtung chilenischer Grenze endgültig verlassen. Wir fahren und fahren bis auf einem Schild diverse Campingplätze mit Angabe von Kilometern angegeben werden. Es dämmert bereits als wir am Campingplatz Los Cipreses direkt am lago Nauel Huapi ankommen. Zu unserer Überraschung ist niemand da und das Tor ist offen. Der Campingplatz zieht sich sehr lang und schmal entlang des Seeufers. Wir wählen einen durch Bäume geschützten Stellplatz und verbringen eine sehr ruhige Nacht, obwohl wir nicht so weit weg von der Hauptstrasse stehen und viele Lastwagen den ca. 80 km entfernten Grenzübergang nutzen. Die Nachttemperatur erreicht die Nullgradgrenze.

Am Morgen werde ich von einem Kolibri geweckt, der unser Häuschen mehrmals umrundet. Die Temperatur ist kalt, der Himmel bewölkt, doch zwischendurch scheint die Sonne durch. Dieser Ort ist bezaubernd. Bei einem deftigen Frühstück mit Eiern, zapallito (eine runde Zucchini-Art), Vollkornbrot und Kaffee beschliessen wir den heutigen Tag und eine weitere Nacht hier zu verbringen.

Da heute Sonntag ist und wir nicht wissen, ob die Zollpapiere vom Auto in Ordnung sind (auf Patric’s Papiere fehlten irgendwelche Angaben, die man in Buenos Aires telefonisch klären musste), ziehen wir vor, an einem Werktag über die Grenze zu fahren. Sollten Probleme zu lösen sein, kann der Zollbeamte in Buenos Aires jemanden erreichen.

Ich nutze den fahrfreien Tag um am Seeufer Tagebuch zu schreiben und Emails für den Versand vorzubereiten. Auch spaziere ich entlang des Ufers und fotografiere. Dabei entdecke ich neben Hagebutten Gebüschen, einen schwer beladenen Apfelbaum, wobei der sandige Grund noch voller Äpfel ist, die sich hervorragend eignen um Apfelmus zu kochen. Ich sammle eine Schüssel voll Äpfel, die Mike später am Abend auf dem Holzfeuer kocht.

Am Montag geht die Fahrt weiter ohne dass wir bei unserem Aufenthalt im Campingplatz einer Menschenseele begegnet sind. Villa La Angostura ist die letzte Stadt vor der Grenze und ein touristischer Ort wegen dem nahgelegenen Winterskigebiet. Wieder bei einer YPF-Tankstelle nutzen wir die Internetverbindung um die Emails zu verschicken. Irgendwie vergesse ich dabei die Zeit. Als ich wieder auf die Uhr schaue, ist es bereits 13 Uhr und die Post hat bis 16 Uhr geschlossen. Die Suche nach einem Briefkasten geht los. Eine frankierte Postkarte möchte verschickt werden. Schwer zu glauben, dass es in einem touristischen Ort keine Briefkästen gibt ausserhalb der Post. Dafür gibt es Bänke mit Weihnachtsmännern um Weihnachtsgrüsse festzuhalten… Nein, auch hier ist trotz winterlichen Temperaturen noch nicht Weihnachten.

Wir fragen an der Información Turistica, in der Panaderia und in einem Kiosco. Niemand scheint  bisher einen Briefkasten vermisst zu haben. Es gibt zwar Briefkästen, die sind aber von privaten Gesellschaften und nicht für den internationalen Versand konzipiert. Sorry Anna und Nicola in Sydney. Wir werden die Karte wohl durch Chile spazieren führen und bei unserer nächsten Überfahrt nach Argentinien verschicken :o(

Auf 1300 m.ü.M. verlaufen die Zollformalitäten am argentinischen Grenzposten problemlos, alle Papiere sind in Ordnung. An der chilenischen Seite will man nach der Stempeltour wissen, ob wir Früchte, Gemüse und Milchprodukte dabei hätten. Diese dürfen nämlich nicht über die Grenze genommen werden. Man erlaubt uns aufzuessen was wir möchten bzw. können. Mike verspeist sogar drei rohe Eier… nichts wird vergeudet ;o)

Für die Zollkontrolle müssen wir die Reisetaschen aus dem Auto nehmen, diese werden draussen kontrolliert. Danach steigt ein Zollbeamter ins Auto ein und wirft einen Blick in den Kühlschrank, in  die Schubladen und Kästen. Anschliessend kommt ein verspielter Hund, der überall herumschnuppert, bis er mit seiner Pfote auf unser Gemüsefach tippt. Bravo! Er hat das übrige Gemüse gefunden und wird dafür belohnt. Und wir bestraft? Nein, nein… da wir brav wie wir sind… ähhm ich meine, brav wie ich bin ;o)  hatten wir alles fein säuberlich deklariert und werden nun endlich nach Chile reingelassen.

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Ein neues Abenteuer beginnt…

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2 Antworten to “Die Schweiz Patagoniens”

  1. Thomas & Stefan 25/07/2012 um 6:56 am #

    Hallo Ihr Lieben
    Unglaublich wie fleissig ihr die am Berichte schreiben seid! So ist man richtig „hautnah“ dabei – ein grosse Freude für die Daheimgebliebenen (und die Wiederzuhause-Sitzenden). Alles Liebe aus der sommerlichen Schweiz
    Thomas & Stefan

  2. Hugo und Annemarie Gnägi 21/07/2012 um 6:11 am #

    Schön, so oft von euch lesen und mit euren Fotos mitreisen zu können. Ihr seid für mich das Türchen in eine unerreichbare Welt. Lasst es euch gut gehen.
    Viele Grüsse

    Annemarie y Hugo

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