Ruta del Vino

25 Mai

Definitiv ruhiger und gemütlicher als die gestrige Wanderung verspricht der heutige Nachmittag zu werden. Doch bevor wir zum gemütlichen Teil übergehen, wollen wir einige Kleinigkeiten in Talca erledigen.

Das allerwichtigste für uns ist die defekte Glühbirne zu ersetzen, weil das rechte Licht seit gestern nicht mehr geht. Es gibt eine grosse Toyota Garage im modernen, neu gebauten Industriegebiet. Wir sind schon mal daran vorbei gefahren und wissen, wo sie sich befindet. Ich bin so froh, sind wir in einer grossen Stadt um das erledigen zu können, weil wir keine Standard H4 Halogenglühbirne haben.

Am Ersatzteil-Schalter der Toyota Garage frage ich den Verkäufer nach einer Glühbirne für den Toyota Landcruiser 78er Serie. Er will sich die Glühbirne anschauen. Nachdem er seine Nase in den Motorraum steckte, schüttelt er den Kopf. „No, no hay!“ Dies sei eine spezielle Glühbirne… Das wissen wir ja, deshalb sind wir beim Toyota Händler. Und was machen wir jetzt? Dürfen wir so herumfahren? „Machen Sie das Fernlicht an, dann sollte es keine Probleme mit der Polizei geben“. Meine Frage wo wir diese spezielle Glühbirne bekommen könnten, beantwortet er mit: „Vermutlich in der Hauptstadt. Dort kriegt man in der Regel alles“.

Nun fahren wir ins Zentrum um das zweitwichtigste zu besorgen: den Jahrespass für die Nationalparks. El Centro von Talca macht einen schönen Eindruck, aber es hat so viel Verkehr und so viele Leute auf der Strasse, dass man fast nichts anderes zu sehen bekommt, als Autos und Leute. Wir drehen einige Runden bis wir endlich eine Parkplatzlücke an einer Seitenstrasse finden, was gar nicht so einfach ist mit unserem Grossen (er ist über 5 Meter lang). Da wir unsicher sind, ob wir hier stehen dürfen, bleibt Mike im Auto. Ich gehe auf die Suche von CONAF. Es hat sehr viele amtliche Büros, aber nicht das was wir brauchen. Ich marschiere in irgendeines dieser Büros und erkundige mich wo denn unseres sei. Eine nette Beamtin gibt mir die Adresse, die 6 Blocks von hier entfernt ist, ausserhalb vom Zentrum. Das Büro sei nach dem Erdbeben umgezogen.

In der Zwischenzeit hat Mike von einem Parkplatzkassierer einen Zettel bekommen mit der Uhrzeit.  Das Bezahlen ist recht unkompliziert: Beim Wegfahren nähert sich der uniformierte Kassierer um die Gebühr beim Fahrer abzuholen.

Sechs Blocks weiter an der breiten Avenida suchen wir das Gebäude von CONAF, was wir nicht gleich finden. Also bleiben wir wieder an der Strasse stehen. Ein Mann mit gelber Weste winkt uns zu einem Parkplatz. Er zeigt mir auch gleich das blaue Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite und sagt dabei: „allá mi amor“ dort meine Liebe. Mmmhh ist das schön! Ich bin überrascht und fühle mich wie in Kolumbien, wo man ebenfalls wild fremde Menschen so lieb anspricht.

Die Beamten bei CONAF sind zwar freundlich aber distanziert. Nicht mit mi amor, doch werde ich gleich bedient und komme  nach 10 Minuten mit zwei Jahrespässe und 20‘000 CLP weniger im Hosensack raus. Den Mann mit der gelben Weste frage ich, was er von uns bekommt. „Was Ihr mir geben wollt“ ist seine Antwort. Er lebt also vom Parken helfen. Wir geben ihm dasselbe, was wir fürs Parken im Zentrum bezahlt haben. Er bedankt sich und hilft uns wieder zum Parkplatz raus. Wir fahren aus der Stadt.

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Chile ist weltbekannt für seine Weine. In der Region um Talca herum (Valle del Maule) gibt es einige Weingute und eine Weinstrasse… La Ruta del Vino. Diese möchten wir heute kennenlernen. Wir folgen dem unscheinbaren Schild, weg von der Hauptstrasse und halten beim ersten Weingut Valle Frío an. Dabei landen wir im Hinterhof des Weingutes, wo ein Laster mit den Reben voll beladen ist. Es ist Lese Zeit. Die Arbeiter schauen uns etwas misstrauisch an und entfernen sich, als ich aussteige um zu fragen, ob es hier einen Verkaufsladen gibt. Dann bekomme ich aber doch noch Antwort. Wir müssen um den Hof herum fahren.

Im Büro um die Ecke erkundigen wir uns nach der Ruta del Vino, ob man irgendwo den Weinprozess sehen könne, ob es eine Karte gäbe, die man folgen kann. Die Mitarbeiterinnen wissen, dass es mal was gegeben hat. Sie suchen nach Karten und googlen im Internet um uns zu helfen. Der Manager bekommt unser Gespräch mit und nähert sich um uns zu erklären, dass wegen  dem Erdbeben von 2010 die ganze Infrastruktur sehr gelitten hat und, dass in diesem Hof erst jetzt alles wieder aufgebaut wird. Er wisse nicht, ob die grösseren Weingute Touren anbieten. Aber er ist so freundlich und bietet uns einen kleinen Spaziergang durch sein Gut an, was wir sehr gerne annehmen.

Wir erfahren, dass Valle Frío Merlot, Cabernet Sauvignon, Carmenère, Malbec, Syrah, Pinot Noir, Sauvignon Blanc und Chardonnay produziert. Alle Trauben wachsen verteilt auf fünf Weingute, welche  in der Umgebung auf Total 250 Hektar liegen. Mike fragt, wie denn das möglich sei? Das Mikroklima Chile’s und der gute verschiedenartige Boden machen es möglich. Das sei die Einzigartigkeit von Chile. Die Weine von Valle Frío werden nach Europa in die USA und in den asiatischen Raum exportiert.

Der Manager (leider haben wir nicht nach seinem Namen gefragt) skizziert auf einem Zettel eine Karte mit den umliegenden Weinguten, in denen wir nach einer Rundführung fragen könnten. Wir kaufen zwei Flaschen von der Reserva Valle Frío. Einen Carmenère und eine Mischung aus Cabernet Sauvignon und Carmenère und zahlen dafür 6‘000 CLP (10 EUR). Wir verabschieden uns und folgen seiner gezeichneten Karte.

Bei CP Casas Patronales  ist nicht erlaubt die  Produktionshalle zu betreten und es wird heute keine Tour angeboten. Doch der Wachmann ist mehr wie freundlich. Er führt uns über das Gelände, macht Fotos von Mike, erklärt uns den Prozess der Weinproduktion und die jeweiligen Arbeitsschritte. Obwohl ein Schild den Verzehr von Obst auf dem Gelände verbietet, dürfen wir uns die Weinreben anschauen und die Trauben probieren. Im Hintergrund sind riesige Apfelbaum-Plantagen zu sehen, die auch hier verarbeitet werden, allerdings nicht zu Apfelwein sondern nur zu Apfelsaft.

Der Verkaufsladen bietet viele verschiedene Weine an. Die Verkäuferin erklärt uns, dass alle diese Weine aus ihrer Produktion stammen und dass die importierende Länder bzw. Firmen ihnen die gewünschten Flaschen und Etiketten dazu liefern. Auf der Flasche erkennt man also nicht aus welchem Weingut der Wein kommt. Man erfährt lediglich aus welcher Gegend der ist. Diese Weine gehen von hier direkt zum Hafen von Valparaíso und dürfen auf dem chilenischen Markt nicht verkauft werden. Auch hier nehmen wir zwei Flaschen mit zum Probieren, einen Merlot und einen Cabernet-Sauvignon.

Beim nächsten Weingut namens Terra Noble, von der Optik her wirklich nobel und das schönste bisher, hat leider niemand Zeit um uns herumzuführen oder um sich mit uns zu unterhalten. Wenn wir Wein kaufen möchten, sollen wir am Empfang sagen, was wir genau wollen. Es gibt nix zu gucken. Schade, aber so ist es, deshalb verlassen wir das noble Land und begeben uns auf die Suche nach einem Restaurant.

Mittlerweile haben wir Kohldampf, es ist 16.30 Uhr. Im Weingut Corral Victoria direkt an der Hauptstrasse ist das Restaurant noch offen. Wir haben Glück. Eigentlich würden wir uns gerne noch das Weingut ansehen, doch die Bedienung empfiehlt uns zuerst zu essen und… wir folgen. Es gibt Rindfleisch an einer Rotweinsauce oder Huhn, Kartoffelstock und Salat. Wir bestellen beide Tagesmenü und dazu ein Glas Wein des Hauses. Das rustikale Restaurant ist sehr gemütlich, nur an die Raumtemperatur müssen wir uns gewöhnen. Obwohl der Kamin an ist, behalten wir die Jacke zum Essen an.

Nach dem leckeren Essen wollen wir zum Weingut, doch der ist schon zu. Es ist bereits dunkel und die Arbeiter haben Feierabend oder besser gesagt Wochenende. Na gut. Es ist auch für uns Zeit die Ruta del Vino zu beenden. Noch bevor wir Dingidi erreichen, begrüsst uns der Manager des Hauses auf dem Parkplatz. Er fragt uns wie uns das Essen geschmeckt hat und wohin die Reise weitergeht. Wir erklären ihm kurz von wo nach wo unsere Reise führt. Er ist begeistert von unserer „Lebensreise“, unserer Interesse zur Ökologie und Nachhaltigkeit und unserer angestrebten Ansiedlung in Südamerika. Er zückt seine Visitenkarte mit der Bemerkung „wenn Ihr irgend etwas braucht in Santiago, ruft mich an!“. Muchas gracias! Wir sind überrascht, nach fünf Minuten Gespräch solch ein Angebot zu bekommen.

Wir verlassen das Corral Victoria Richtung Autobahn und steuern auf die nächste Copec Raststätte zu, in der wir es uns gemütlich machen mit einem Glas Rotwein von Valle Frío, wo unsere erste, so freundliche Begegnung an der Ruta del Vino war.

Zum Wohl Zäme!

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2 Antworten to “Ruta del Vino”

  1. Hugo und Annemarie Gnägi 29/07/2012 um 11:38 am #

    und PROST

    • yvonne velez 06/08/2012 um 12:43 pm #

      salud queridos.me hace recordar parte de nuestro viaje donde recibimos las copas q espero todavia exista la mia!!!!abrazotes

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