Altiplano

25 Jun

Wir sagen der Küste und dem Meer in Tocopilla vorerst „bis bald“ und fahren zu Mikes Bedauern in die Höhe Richtung Calama. Stets bergauf sind wir innerhalb von 30 Minuten auf 1‘300 Meter, dabei bleibt die Vegetation unverändert karg, denn obwohl wir Richtung Andenkette unterwegs sind, gehört die Region immer noch zur Atacamawüste.

mit Salpeter beladener Zug

Die erste Ortschaft, die wir passieren heisst Santa Elena. Hier leben die Minenarbeiter, die in der Umgebung Salpeter abbauen. Vermutlich verirren sich keine ausländischen Touristen hierher, denn wir werden sehr genau gemustert. Wir parken vor der Markthalle und vertreten uns die Beine. An einem Stand werden tropische Säfte mit echtem kolumbianischen Geschmack angeboten. Da sind wir drei aber gespannt und bestellen alle einen Mangosaft. Der Blick der schwarzhäutigen Verkäuferin, weicht dabei keine Sekunde vom Fernseher ab, der in der Ecke steht und eine Telenovela (lateinamerikanische Soap Opera) widergibt, während sie unsere Bestellung aufnimmt und den Mixer betätigt. Der Saft schmeckt sehr gut, kommt aber an die tropischen Fruchtsäfte Kolumbiens nicht wirklich heran. Aber bei dieser staubigen Hitze hier, sind wir auch damit zufrieden.

Wir finden nichts weiter Interessantes in dem kleinen Dorf, das Museum hat leider schon geschlossen, so suchen wir gleich den öffentlichen Campingplatz auf, der unser Copec Reiseführer erwähnt. Es ist ja auch schon kurz vor 18 Uhr. Der Campingplatz liegt sehr ruhig am Ufer eines ausgetrockneten Flussbettes, 15  km Luftlinie von Santa Elena entfernt. Es ist niemand da, ausser ein paar Hunde, welche vermutlich nur überleben können dank der Reste, die die tagsüber weilenden Picknicker hier hinterlassen. Eine Hündin „annektiert“ uns. Sie schläft neben unserem Auto und klafft bei jedem Annäherungsversuch der anderen Hunde. Wir finden das herzig und fühlen uns beschützt.

öffentlicher Campingplatz bei Santa Elena

Am nächsten Tag geht es weiter nach Calama (2‘460 MüM), einer Stadt mitten in der Wüste, die eine lange Geschichte vorweist. Umgeben von Wasser im Loa-Tal, bildet Calama bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine richtige Oase. Ihre Lage zwischen dem Meer und der Bergkette, mitten in der Atacamawüste, erlaubte ihr während der prehispanischen Zeit einen hohen kulturellen Austausch mit ihren Nachbarn, hauptsächlich den Tiwanakus und dem Inka Imperium, dem sie ihren Tribut erbrachte mit Kupfer zur Herstellung von Waffen, mit Mais und Luzerne (in Spanisch: Alfalfa, eine Nutzpflanze der Familie der Hülsenfrüchtler).

Nach der Kolonialzeit, politisch gehörend zu Bolivien, war die grosse und bestens ausgestattete Wüstenoase eine wichtige Stadt in der Hauptverkehrsader zwischen Cobija, dem damals wichtigsten Hafen Boliviens und den Städten Potosi (in Bolivien) und Salta (in Argentinien).

Heute ist Calama leider keine richtige Oase mehr, das ganze Wasser wird für die Kupferherstellung genutzt und dabei mit Arsen und anderen Schwermetalle vergiftet. Calama mit ihrer Kupfermine und ihren 140‘000 Einwohnern ist aber immer noch die wichtigste Stadt in der Wüste. „Chuqui“ wie die Mine liebevoll genannt wird, ist der grösste Kupfertagebau der Welt. Leider können wir der Mine am Samstag keinen Besuch abstatten, da die Besuchszeiten komischerweise nur von Montag bis Freitag möglich sind, aber wir haben vor, dies auf dem Rückweg nachzuholen, als Abschluss unserer Rundfahrt.

Viele Touristen fliegen von Santiago nach Calama um San Pedro de Atacama und der Höhenebene (Altiplano) einen Besuch abzustatten. Für uns ist Calama die letzte Gelegenheit in einer ordentlichen Werkstatt den Dieselfilter zu wechseln sowie in einem grossen Supermarkt Früchte und Gemüse zu kaufen und unsere Reserven an Haferflocken, Milchpulver, Pasta und Käse zu füllen, bevor wir uns zum Altiplano begeben. Wir tun also nichts anderes als die vielen Reisenden seit hunderten von Jahren. Wir decken uns mit Lebensmitteln in der Oase ein um unsere Reise fortzuführen.

Fahrt von Calama nach San Pedro de Atacama

Es ist schon Abend als wir in San Pedro de Atacama auf 2‘460 MüM ankommen und wir in den letzten Sonnenstrahlen die atemberaubende Landschaft der Valle de la Luna bewundern dürfen. Nach einigen Irrfahrten durch die einspurigen Gassen dieses kleinen Dorfes, finden wir eine zentral gelegene Unterkunft mit Camping Möglichkeit. Für umgerechnet 30 CHF darf unser Fahrzeug auf dem Parkplatz des Hostals das Popup-Zelt zeigen und wir drei Abenteurer die Duschen, Toiletten und die gemeinsame Küche benutzen.

Wir checken gleichzeitig mit einer vier köpfigen Familie aus Calama ein. Als sie mitbekommen, dass wir im Auto schlafen, stellen sie uns besorgt ihr eigenes Zimmer zur Verfügung, sollten wir in der Nacht frieren. Ich kläre sie auf, dass unser Fahrzeug zum campen ausgerüstet ist und sogar über eine Standheizung verfügt. Aber ich vermute, sie können sich dies nicht wirklich vorstellen, denn fürsorglich, laden sie uns dazu ein, mit ihnen in der Küche Onces einzunehmen.

Die nette Familie aus Calama

Angeregt unterhalten wir uns in der Küche, dabei erfahren wir vom Vater, dass er in der Kupfermine Radomiro Tomic arbeitet, und dass die Mutter Lehrerin in einer Schule in Calama ist. Sie feiern hier den Vatertag. Voller Freude erzählen sie, dass sie im Herbst eine 20-tägige geführte Europa-Tour unternehmen werden an die sie auch ihre 90-jährige Mutter mitnehmen. Wir sind beeindruckt, dass die Dame noch so fit sein soll und sich so sehr auf die Reise freut.

Während Mike die Standheizung in Betrieb nimmt, die Temperaturen gehen hier abends Richtung null Punkt während sie tagsüber um die 25 Grad erreichen können, gehen meine Mutter und ich auf einen Spaziergang durch das Dörfchen. Uns gefällt das touristische Städtchen von San Pedro mit seinem alten Kern aus Adobe und seinen ungeteerten Gassen. Die Ortschaft besteht aus Unterkünfte, Restaurants, Cafés und Geschäften, die entweder Souvenirs oder Touren anbieten.

malerisches San Pedro de Atacama

Die Umgebung ist traumhaft schön und bietet für jeden Geschmack etwas. Wir unternehmen in den nächsten Tagen Ausflüge umgeben von hohen Vulkanen, besichtigen die Lagunen des Altiplano auf 4‘200 Meter und beobachten Flamingos und Vögel auf dem Salar de Atacama in der Reserva Nacional Los Flamencos. Dort lassen wir uns erklären wie diese Salzseen entstehen. Einfach gesagt ist es mineral- und salzhaltiges Regenwasser aus den Anden, das auf dem Weg zum Meer im Altiplano-Kessel liegen bleibt. Das Wasser verdampft im Laufe der Zeit mit der Sonne und so entstehen Salare, welche man in der Trockenzeit mit dem Fahrzeug befahren kann. Die Dicke der Salzschicht in der Reserva Nacional Los Flamencos würden wir um die 50 Zentimeter schätzen.

Laguna Miscanti

Die Grenze zu Bolivien und Argentinien ist von hier aus zum Greifen nah. Da haben die Flamingos und  die anderen Vögel, die während des bolivianischen Winters in diesen Seen überwintern nicht so weit.

In einem kleinen Dorf sehen wir einen Mann, der vor seiner Haustüre kleine farbige Kartoffeln ausbreitet und sortiert. Wir halten an und kaufen ihm ein Kilo ab. Es ist nicht einfach zu dieser Jahreszeit eine Auswahl an Gemüse zu bekommen ausser in Calama’s Supermärkte und das was in San Pedro auf dem Markt angeboten wird, kommt wohl momentan auch nicht aus der unmittelbaren Umgebung.

farbige Kartoffeln vom Bauern

Zum Übernachten versuchen wir die Grenze von 3‘600 Meter nicht zu übersteigen. Einerseits wegen der Standheizung, die Mike bisher zum Glück immer zum Laufen bringt, andererseits weil die Höhe Mikes Stirnhöhle zu schaffen macht. Auch das Schwiegermonster, wie Mike meine Mutter offiziell liebevoll nennt (unglaublich oder?), hat eines nachts Atmungsschwierigkeiten. Der Körper braucht seine Zeit um sich anzupassen und in dieser Höhe spürt man die kleinste  Anstrengung.

Obwohl die Vegetation auf dem Altiplano sehr karg ist, finden wir immer praktische Stellplätze um die Nächte zu verbringen, dies kann sein mitten in der Wüste oder auf der Aussichtsplattform der Valle de la Luna. Unterwegs treffen wir Camper an, die uns erzählen, dass sie direkt an der Strasse, die zur argentinischen Grenze führt, über Nacht gestanden haben und andere die tagelang am Eingang der Valle de la Muerte ihre Zelte aufschlugen. Keiner von ihnen hatte irgendwelche Schwierigkeiten.

Die letzte Nacht bevor wir die Region um San Pedro de Atacama verlassen, verbringen wir an der Salzlagune Tebicheue. Wunderschön ruhig haben wir es an diesem Platz. Man hört nichts ausser dem Wind und die Vögel, die um uns herum fliegen. Noch einmal werden wir mit einem wunderbar klaren Sternenhimmel verwöhnt, so klar wie wir ihn bisher nur in Chile erlebt haben. In der Nacht steigt die Standheizung zum ersten Mal aus und die Temperatur im Auto wird merklich kühl. Am Morgen sind zwei kreischenden Vögel da, die auf uns los gehen, als würden sie ihr Territorium beschützen, in das wir unerlaubterweise eingedrungen sind.

Attacke!!

Ja, ja ist schon gut… wir gehen schon wieder… und so setzen wir unsere Reise fort…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

2 Antworten to “Altiplano”

  1. Thomas & Stefan 11/09/2012 um 8:00 am #

    Hallo Ihr Lieben!
    Wow, wie wir Euch um diese Tage im Altiplano beneiden… Es ist eine traumhafte und atemberaubende (im wahrsten Sinn des Wortes) Gegend! Wir erinnern uns fast als wäre es gestern gewesen als im Sommer 2010 dort unser Abenteuer so richtig losging…
    Habt Ihr ein Bad in einem dieser Salzseen genommen? Ich sass dort (frierend) mit einem Glas Schaumwein in einem dieser Wasserlöcher, jawohl sass weil das Wasser so salzig ist, dass ans Untergehen nicht zu denken ist!! :-)
    Seid ganz lieb gegrüsst, die einmalrundum-Jungs

    • mdvmoon 16/09/2012 um 3:03 pm #

      Abenteuer
      ja, selbst die Straßen hier sind oft sehr Abendteuerlich!
      Mit Schampuss im Wasserloch und ständig am jammern wegen der Kälte – so stell ich mir die Situation vor. „Lach“
      Das Bad im See haben wir aus Temperaturgründen abgeblassen – im Sinne des Wortes. Der Wind war zu der Zeit recht heftig und so war an ein Bad nicht zu denken. Da hätte ich erst recht Atemnot bekommen. Hu Hu Huuuuuu ist das Kalt!!!!
      Ok,OK ich bin auch ein warm Duscher und nicht so ein harter einmalrundum Junge wie ihr beide ;-))
      Die Erfahrung mit dem nicht untergehen ist bestimmt was ganz spezielles – naja, vielleicht ein andermal.

      Last euch ganz lieb drücken
      euer weich Ei
      Mike

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s