Boliviens Hauptstadt

17 Jul

Wer wie ich der Meinung ist, La Paz sei die Hauptstadt Boliviens, wird eines besseren belehrt. Die bolivianische Hauptstadt heisst Sucre! La Paz ist „lediglich“ der Verwaltungssitz. Diese Information lese ich mit Erstaunen im Reiseführer.

Ungläubig frage ich unseren Fahrgast Guido, der mir diese Tatsache bestätigt. Wer ist Guido? Guido ist ein gut aussehender, im Gegensatz zu uns ordentlich gekleideter, schätzungsweise 30-jähriger Bolivianer, den wir auf unserer Fahrt nach Sucre aufgabeln, als er am Strassenrand eine Fahrgelegenheit sucht. Ich unterhalte mich mit ihm über Bildung und Gesundheitsversorgung. Beim Thema Politik ist er ganz vorsichtig, er möchte wohl nichts Falsches sagen über Evo Morales. Dafür erzählt er uns bereitwillig vom Dorf in dem er aufgewachsen ist. Dort dürfen sich die Menschen ganz offiziell an einem Tag im Jahr die Köpfe einschlagen um ihre Differenzen auszubügeln – andere Länder, andere Sitten!

Die Innenstadt Sucres ist weiss, im Kolonialstil, viele Gebäude wunderschön erhalten. Wir parken in der Altstadt und während ich das Informationsbüro aufsuche, beobachtet Mike das Geschehen an der Plaza 25 de Mayo. Die Suche nach einer günstigen Unterkunft mit Parkmöglichkeit in der Nähe der Altstadt entpuppt sich als eine grosse Herausforderung. Im Informationsbüro bekomme ich ausser einem Stadtplan keine nützliche Information.

vor einer der vielen Kirchen

Ich komme am Hauptsitz unseres Providers Tigo vorbei und nutze die Gelegenheit um die fällige Imei Registrierung unserer Geräte zu erledigen, damit wir auch mit den Laptops online gehen können. Die Angestellte ist sehr freundlich und zuvorkommend und so frage ich sie beiläufig, ob sie Unterkünfte mit Parkmöglichkeit kenne, sie überlegt und zählt dann einige auf. Ich schreibe fleissig auf. Sie fragt ihre Arbeitskollegen nach Strassennamen und ruft einen Bekannten an um die Adressen ausfindig zu machen. So freundlich und hilfsbereit!

Wir fahren die angegebenen Adressen ab. Ihre Tipps sind leider alle in der gehobenen Klasse. Sehr schöne Hotels im Kolonialstil, in denen das Übernachten über BOB 500 kostet, günstig für europäische Verhältnisse, doch nicht in unserem Budget. Gegen Abend finden wir dank Reiseberichten von gleichgesinnten das Hotel Austria in der Nähe des Busbahnhofes, in dem man im Innenhof stehen kann und Zugang zu Toilette und Dusche bekommt, was uns immer noch BOB 120 kostet. Die Lage des Hotels ist aber gar nicht vorteilhaft, der Lärm vom Busbahnhof halte ich nachts kaum aus. Zum Glück finden wir am nächsten Tag das nette Hostal Pachamama in der Altstadt, in dem wir ein Zimmer bekommen und Dingidi einen sicheren Parkplatz im Innenhof. Für BOB 100 = CHF 13 haben wir ein eigenes Zimmer mit Dusche und dürfen die gemeinsame Küche und das WIFI benutzen. Was wollen wir noch mehr?

der Innenhof im Hostal Pachamama

In Sucre verbringen wir vier abwechslungsreiche Tage. Neben dem Besuch der schönen Altstadt, des  Marktes, der Kathedrale, des Freiheitshauses und des Museo de arte indígena mit interessanten Erklärungen über die ursprüngliche indigene Bevölkerung, lassen wir praktische Dinge erledigen wie z.B. Hosen kürzen, Kleider waschen, Haare schneiden und sogar die vorderen Autoscheiben verdunkeln. In Bolivien kann man alles reparieren lassen und dies für wenig Geld. Wir fühlen uns wie im Schlaraffenland. Wir kaufen einen Sitzperlenüberzug, damit Mike beim Autofahren nicht mehr so schwitzt und am liebsten würden wir einen Radüberzug für unsere Ersatzreifen nähen lassen, aber der Polsterer hat leider keine freie Kapazität. Die Standard Reifenüberzüge, welche hier überall angeboten werden, passen leider nicht über unsere Reifen.

Weberin im Museo Indigena

Auch wenn Mike kein Fan von Sehenswürdigkeiten ist, begleitet er mich zum Dinosauriermuseum ausserhalb der Stadt, bei dem man über 300 verschiedene Fussabdrücke vorfindet. Am Sonntag steht er sogar mit mir um 7 Uhr auf um mit dem Bus auf den farbenfrohen Markt von Tarabuco zu fahren, eines der bedeutendsten Märkte Boliviens, wo sich die verschiedenen Gemeinden der Umgebung treffen um ihre Waren auszutauschen oder um für die Touristen mit ihren farbigen Trachten zu posieren.

farbenfroher Markt in Tarabuco

Wir werden in Sucre zu Stammgästen in einem Familienrestaurant vis à vis des Hostals. Das abwechslungsreiche Mittags-Menü beinhaltet stets eine Suppe und ein Hauptgericht und kostet uns inklusive Getränk BOB 12 = CHF 1.60. Da sind Mike und ich uns einig, dass sich das Kochen für uns nicht lohnt. Alleine der Brennspiritus ist schon teurer. Solange wir also die Möglichkeit haben, lassen wir uns bekochen, juhe!

Für unsere Weiterfahrt nach Cochabamba decken wir uns aber mit etwas Frischware ein, denn wir fahren nicht die konventionelle Strasse über Oruro ab, sondern folgen auf direkterem aber längerem Weg, einer unbefestigten Nebenstrasse über die Berge. Die Strasse ist schmal und kurvenreich, zeitweise auch mit Steinen bepflastert. Die vielen Kreuze am Wegrand lassen uns vermuten, dass die Autos hier schneller unterwegs sind als wir.

schmale Wege

Wir lassen uns für die Strecke zwei Tage Zeit. Die erste Nacht verbringen wir auf einem Fussballfeld oberhalb der Nebelgrenze. Hier fühlen wir uns wohl. Soweit wir in der Dunkelheit erahnen können, scheint hier weit und breit niemand zu wohnen. Die nächste Gemeinde ist unten im Tal ca. 5 km von unserem Schlaflager entfernt.

Nach einer spannenden Fahrt über Berg und Tal kommen wir am zweiten Tag auf die asphaltierte Verbindung zwischen Santa Cruz und Cochabamba. Von da ist es nur noch ein Katzensprung in die Grossstadt. Wir sind aber nicht in Eile. Als wir an einem grossen See namens Angostura vorbeikommen, suchen und finden wir einen netten Platz direkt am Wasser, wo wir uns gemütlich einrichten und dann auch über Nacht bleiben.

Ein Platz am See, hier gefällts uns!

und weil es so schön ist… noch mehr Fotos…

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