Gastfreundschaft mit Einblicke

29 Jul

Der nächste Halt ist Cochabamba und dort dürfen wir bei unseren neuen Schweizer Bekannten Angela und Stefan wohnen. Ihr erinnert Euch an die Fahrradfahrer im Salar de Uyuni? Sie leisten Entwicklungshilfe in Cochabambas Umgebung seit über 15 Monaten. Auf dem Hof vor ihrem geschützten Zuhause richten wir unser Schlaflager ein und freuen uns, durch sie, während den nächsten Tagen mehr über Boliviens Land und Leute kennenlernen zu dürfen.

Im sicheren Hof bei unseren neuen Freunden

Die Tage bei ihnen vergehen sehr schnell. Wir erleben in einer kurzen Zeitspanne soooo viel! Zum Beispiel besichtigen wir mit Angela die Kompostanlage in Tiquipaya, ein spannender und wichtiger Teil des Abfall-Projektes, welches durch Spendenhilfe aus der Schweiz finanziell unterstützt wird. Angela erzählt uns vom Schulunterricht über das Recycling und Kompostieren. Dieses Projekt stimmt uns zuversichtlich, dass die Menschen in Bolivien aufgerüttelt werden um die Abfallentsorgung ernst zu nehmen. Wir hoffen, dass die Schulung der Lehrer und Kinder Früchte trägt und ein Weg ist, das unsinnige menschliche Verhalten zu korrigieren.

Stefan erzählt uns von seinen Bemühungen als Heilpädagoge, um Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in der bolivianischen Gesellschaft Akzeptanz zu verschaffen, damit diese schulische Ausbildung und medizinische Unterstützung erhalten. Durch interessante Gespräche gewinnen wir einen Eindruck über die Schwierigkeiten, die sowohl Stefan wie auch Angela im Alltag widerfahren.

Es ist nicht einfach in einem fremden kulturellen Umfeld zu arbeiten und Fortschritte erzielen zu wollen. Ich glaube, dass es als Mitteleuropäer besonders hart ist, die eigenen Massstäbe an die Umgebung anzupassen, so zu sagen die eigenen Erwartungen runter zu schrauben wenn man voller Tatendrang ist. Es ist schwierig motiviert zu bleiben, wenn man dauernd durch die Umstände abgebremst wird. Ich bewundere den Mut und die Kontinuität, die Menschen wie Angela und Stefan an den Tag legen. Hier setzen wir die Links rein zu ihren Interteam-Porträts mit ihren spannenden Berichten, lest selbst unter Rundbriefe, was sie in Cochabambas Umgebung treiben.

Neben anspruchsvolle Gespräche und spannende Tätigkeiten, verbringen wir mit ihnen auch lustige Abende beim „Tachu“ Spielen (ein schweizer Kartenspiel), was wir sehr geniessen. Mike darf mit Stefan in einer Schreinerei basteln und hat auch dabei seinen Spass. Wir hören und sehen die bekannteste bolivianische Band „Los Kjarkas“ an der Jubiläumsfeier des Unternehmens „Comteco“, welches zu einem Gratiskonzert vor ihrem Hauptsitz, mitten in der Stadt, einlädt.

Wir spazieren mit ihnen an einem Samstag quer durch die Stadt, gehen auswärts essen oder lassen uns von Stefan bekochen. Sogar einen Grillplausch zaubern die beiden für uns.

Grillplausch gezaubert von Angela und Stefan

Beim Kennenlernen im Salar hatten wir unser Permakultur-Projekt bereits erwähnt. So kommt es, dass Angela und Stefan auf Tiquipayas Sonntagsmarkt uns mit David und Claudia bekannt machen, die in ihrer Farm ein Leben unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit führen. Obwohl die beiden sehr engagiert sind in diversen Umwelt-Projekten, Claudia gerade auf dem Weg zu einem Treffen nach La Paz ist und David einem ihrer Söhne bei den Hausaufgaben behilflich sein soll, führt uns David Zuhause herum. Geduldig beantwortet er während dem Rundgang unsere vielen Fragen zur Konstruktion ihres runden Adobe-Hauses, zum Anbau mithilfe von Naturdünger, zur Wiederherstellung des ausgelaugten Bodens, zur Problematik mit dem genmanipulierten Saatgut und zum Backen mit dem Solarofen. Der Besuch in ihrer Farm ist für uns eine Inspiration und Motivation unser eigenes Projekt baldmöglichst in die Tat umzusetzen.

Vier bzw. fünf Tage nach unserer Ankunft in Cochabamba, müssen wir uns von Angela und Stefan verabschieden, aber diesmal sind nicht wir diejenige die wegfahren sondern sie. Es kommt uns etwas seltsam vor, am Strassenrand zu stehen, Angela beim Wegfahren zuzuwinken und danach zu ihnen ins Wohnzimmer zu gehen. Aber so ist es. Wir dürfen noch in ihrem Hause weilen, während sie an ein Treffen von Interteam nach La Paz fahren.

Was in den nächsten Tagen passiert, ist weniger spannend als das gemeinsame erlebte, und doch ist es nicht minder spektakulär. Wir stellen uns der Herausforderung, die temporäre Fahrzeug-Aufenthaltsbewilligung um einen Monat beim Zollamt in Cochabamba zu verlängern. Dazu müssen wir unseren Rechtslenker schriftlich anmelden und einen Termin zur Vorführung vereinbaren. Die Beamtin schaut bei der Vorführung nur auf den Fahrzeugtyp und vergleicht die Chassis-Nummer mit den Papieren. Sie schaut nicht in die Fahrerkabine. Wir atmen auf als sie uns bestätigt, dass unser Auto bis Ende August in Bolivien herumkurven darf. Der Papierkram kostet uns, ausser einpaar Kopien und zwei bzw. drei Fahrten zur Abklärung, nichts.

Fast nichts kostet uns auch das Reparieren eines platten Reifens, den wir uns wohl bei unserer Fahrt über die Berge eingefangen hatten. Während der junge Handwerker in der gomería den Reifen flickt und beide Ersatzreifen ummontiert, ersetzt die Näherin im Nebengeschäft den Reissverschluss meiner Hose. Dem gomero passiert leider ein Missgeschick, welches er versucht zu vertuschen. Doch Mikes aufmerksamen Augen entgeht nichts. Beim Runterziehen des Reifens mit dem Spitzhaken schlägt er auf das Ventil und beschädigt es. Da er nicht die nötigen Utensilien hat um das Ventil zu reparieren, müssen wir uns einen anderen gomero suchen. Zum Glück finden wir einen alten erfahrenen Handwerker, der den Schaden innert Minuten behebt.

Reifenwechsel auf der Strasse

Nach diesen Strapazen erholt sich Mike während mehreren Tagen von einer bösen Grippe, die ihn mit Fieber und Schüttelfrost anfällt.

Zehn Tage nach Eintreffen in Cochabamba, setzen wir unsere Reise fort, bereichert um viele neue Erfahrungen und dankbar für die tollen Begegnungen, für die Gastfreundschaft und das Vertrauen, die uns Angela und Stefan wie selbstverständlich entgegen gebracht haben. Wir wünschen den beiden weiterhin viele spannende Erlebnisse in Bolivien und in ihrem neu bezogenen Zuhause sowie viel Erfolg mit ihren Projekten. Hasta la vista, amigos!

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