im Inka Reich

29 Sep

Nach unserem Aufenthalt in Cusco, begeben wir uns zu den Ruinen von Pisac, welche sich nur 35 km nördlich vom Nabel der Welt auf 3300 M.ü.M befinden.

Hier fängt für uns das heilige Tal an, el Valle Sagrado, so wird das Tal entlang des Flusses Urubamba genannt; das Gebiet, das durch die Inkas zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert besiedelt wurde.

Sicht auf das heilige Tal der Inkas

Sicht auf das heilige Tal der Inkas

In Pisac erstehe ich eine Touristenkarte für 70 Soles (25 CHF/21 EUR), welche für die Besichtigung von vier Ruinen im heiligen Tal gilt. Da die Karte innerhalb von zwei Tagen benutzt werden muss und wir erst am Nachmittag in Pisac eintreffen, spreche ich mit der netten Ticketverkäuferin. Sie bietet mir an, den Eintritt mit dem Datum des folgenden Tages auszustellen, damit ich mehr Zeit habe für die Besichtigung der anderen Ruinen. Ich muss ihr aber hoch und heilig versprechen, dass ich die nächste Ruine erst am morgigen Tag besichtigen werde, nicht dass sie deswegen Ärger bekommt.

Während ich die 3 km zur Ruine hochfahre, wartet Mike am Eingang, der keine Lust hat sich weitere „Steinhaufen“ anzuschauen, wie er sagt. Die archäologische Stätte liegt weitläufig verteilt auf dem Berggipfel, von wo man einen imposanten Ausblick hat. Ich bin beeindruckt von der Schönheit der Lage. Andere Besucher begnügen sich mit dem Blick auf die Terrassen, ich aber, verirre mich durch die Labyrinthe der ehemaligen Stadt, spaziere um den Berg herum und knipse die Ruinen von jedem Blickwinkel aus. Als ich nach zwei Stunden wieder zum Eingang fahre, wundert sich Mike was ich denn solange gemacht hätte, in der Zwischenzeit seien viele Touristen rauf und schon wieder runtergekommen. Tja, ich habe den Ausflug ausgekostet.

Pisac

Pisac

Das touristische Dorf unten im Tal trägt denselben Namen wie die Ruinen, ist aber im Gegenzug nicht so imposant, hat dennoch für uns interessante Bauten in Adobe, die wir natürlich fotografisch festhalten.

interessante Baute aus Adobe

interessante Baute aus Adobe

Unser nächstes Ziel erreichen wir am selben Abend. Das malerische Dorf heisst Ollantaytambo und liegt knapp 60 km von Pisac entfernt. Während wir unschlüssig eine Runde auf dem Dorfplatz drehen, um daraufhin den Verkehrspolizisten nach dem Weg zu einem Hostal mit Parkmöglichkeit zu fragen, kommt ein Tourist auf uns zugerannt, der uns in Englisch fragt, ob wir eine Fahrtkarte für Machu Picchu hätten, was wir etwas verwirrt verneinen.

Ollantaytambo und die Ruinen

Ollantaytambo und die Ruinen

Wir erkennen auf dem zweiten Blick den deutschen Michael, den wir mit seinem Brembach auf dem Campingplatz von Cusco gesehen hatten. Nein, Michael will keine Karte von uns abkaufen oder uns eine andrehen. Er erklärt uns, dass wir auf dem Bahnhofgelände parken können, falls wir eine Fahrtkarte besitzen. Da wir aber keine haben, könnten wir stattdessen auf dem Parkplatz der hiesigen Ruinen umsonst stehen, wie er uns freundlicherweise mitteilt. Tatsächlich finden wir unweit von den Ruinen einen grossen Parkplatz, der tagsüber bewacht und mit einer Barriere geschlossen ist. Jetzt ist aber niemand anwesend und es hat sogar eine Toilette.

unser Stellplatz in Ollantaytambo von oben aus gesehen

unser Stellplatz in Ollantaytambo von oben aus gesehen

Nachdem Parken schlendern wir zurück ins Dorf und begegnen wieder Michael. Hungrig setzen wir uns in eines der Restaurants, Michael leistet uns dabei Gesellschaft obwohl er schon zu Abend gegessen hat. Das Abendmenü besteht aus einer leckeren Gemüsesuppe mit Quinoa und entweder Fleisch oder Huhn mit Reis für 12 Soles (EUR 3.60). Wir verbringen zusammen einen gemütlichen Abend und tauschen gegenseitig Tipps aus für die weitere Reise. Michael ist seit mehreren Jahren auf der Reise und hat dadurch genau wie wir, viel zu berichten. Er befindet sich momentan wieder in Richtung Süden während wir Richtung Norden fahren.

Von Ollantaytambo aus fährt der Zug nach Machu Picchu, zur weltberühmten „verlorenen“ Inka-Stadt, welche aus unerklärlichen Gründen von den Inkas verlassen wurde. Machu Picchu wurde von den kolonisierenden Spaniern, welche im 15. Jahrhundert anfingen Südamerika zu erobern, nie entdeckt. Erst 1911 fand der nordamerikanischer Professor Hiram Bingham die Stätte, geführt von einem Indio-Jungen. Er fing damit an, diese zu studieren und aus den Kluften der Natur zu befreien, um sie für die Nachwelt zugänglich zu machen.

Machu Picchu bedeutet auf Ketschua „alter Berg“ und liegt auf 2’400 MüM umgeben von Bergen mit halbtropischem Pflanzenbewuchs, auf einem Felsen mit schwierigem Zugang. Der Gipfel ist die meiste Zeit vom Nebel bedeckt, wodurch ein geheimnisvoller Eindruck entsteht und auch deshalb ein magischer Anziehungspunkt ist.

Michael wundert sich, warum wir denn hier sind, wenn wir nicht nach Machu Picchu fahren wollen. Es ist schon so, dass alle archäologischen Ausgrabungsstätte im Schatten von Machu Picchu stehen, so auch die von Ollantaytambo.

Der Grund warum wir Machu Picchu nicht besuchen ist relativ einfach. Wir sind nicht einverstanden mit der Art und Weise wie die archäologische Stätte vermarktet wird. Für uns ist es einfach ein Nepp. Westliche Investoren nutzen die Einzigartigkeit dieses Ortes masslos aus, in dem sie von Besucher übertriebene Preise verlangen und diese Jahr um Jahr massiv erhöhen. Vor zehn Jahren kostete der Ausflug mit dem Zug USD 80. Mittlerweile beträgt dieselbe Dienstleistung USD 220, was dem Monatssalär eines einfachen Arbeiters in Peru entspricht. Wir überlegen uns, wer in der Schweiz oder in Deutschland bereit bzw. in der Lage wäre, einen Monatslohn für einen Ausflug zu einer bedeutenden Sehenswürdigkeit auszugeben? Vermutlich sehr wenige!

Ich muss zugeben, es fällt mir nicht leicht, mich dagegen zu entscheiden, das Weltwunder mit eigenen Augen zu sehen, jetzt wo wir hier sind. Ich denke über die Möglichkeit nach, von Santa Teresa aus den Berg zu besteigen, um dann nur noch den Eintritt bezahlen zu müssen, doch allein der Eintritt ist mindestens achtmal teurer als der Zugang zu einer anderer bedeutenden archäologischen Stätte in Peru. Dazu muss man bedenken, dass vor Ort keinerlei Informationen zu den Ruinen zur Verfügung gestellt werden. Entweder ist man auf ein gutes Buch angewiesen oder man bezahlt einen ortskundiger Reiseleiter für die wichtigen Informationen. Und schlussendlich entscheidet auch noch das Wetter, ob man etwas vom Berg zu sehen bekommt, denn oft wird die Sicht durch Nebel und Regen getrübt.

Für Mike ist klar, dass er Machu Picchu nicht besucht und meine endgültige Entscheidung fällt mit dem aufziehenden Schlechtwetter, das Weltkulturerbe der Unesco nicht zu besuchen, auch wenn es mir zugegebenerweise weh tut.

Sicht von den Ruinen auf das Städtchen

Sicht von den Ruinen auf das Städtchen

So besuche ich am nächsten Morgen die Ruinen von Ollantaytambo. Diese sind bereits vom Dorf aus sichtbar. Steil auf dem Berghang findet man Terrassen, Behausungen und Mauern…

Inka - Meisterarbeit

Inka – Meisterarbeit

Riesige Steinblöcke wurden hier hochgetragen und Millimeter genau  aufeinander abgestimmt. Ich versuche mir vorzustellen, wie es wohl gewesen sein mag zu dieser Zeit hier zu leben oder wie die Postboten der Inkas, die gepflasterten Verbindungswege von einem Ort zum nächsten hoch- und runter gelaufen sind in einer rekordverdächtigen Zeit. Zweifellos macht der Zauber dieser Orte auch die ausserordentliche Lage aus.

Ollantaytambo

Ollantaytambo

Anschliessend leisten wir der ca. 50 km entfernten Stadt Chinchero mit ihrer archäologische Stätte, die ebenfalls sehr schön gelegen ist, einen Besuch ab.

schöne Aussicht auf die Terrassen in Chinchero

schöne Aussicht auf die Terrassen in Chinchero

Hier kann man hauptsächlich die Terrassen bestaunen sowie eine alte Kirche mit bemalten Mauern oder das Museum, indem Fundstücke der Region ausgestellt sind. Anhand der gefundenen Tongefässe gehen die Archäologen davon aus, dass die Inkas diesen Ort nur zum Bebauen genutzt haben und nicht zum Wohnen.

wunderschön erhaltene Artefakten, gut aufbewahrt im Museum in Chinchero

wunderschön erhaltene Artefakten, gut aufbewahrt im Museum in Chinchero

Auf den Terrassen begegne ich einem 12-jährigen Mädchen, das Schafe spazieren führt. Es sei ihre Aufgabe, nach der Schule die 10 Schafe herumzuführen, von welchen sie mir alle Namen nennt.

grasende Schafe erwecken Chinchero's Terrassen zum Leben

grasende Schafe erwecken Chinchero’s Terrassen zum Leben

Nach einem kurzen Regenschauer packen die Verkäufer auf dem Marktplatz ihre Waren aus. Industriell hergestellte Mütze, Handschuhe oder Schals werden hier feilgeboten. Die Zeiten der Handwerk-Herstellung sind auch hier leider vorbei. So gerne ich ein Souvenir hätte, aber China-Ware kann ich auch in Zürich kaufen.

Cholitas bauen ihre Verkaufsstände nach dem Regenschauer wieder auf

Cholitas bauen ihre Verkaufsstände nach dem Regenschauer wieder auf

bei leichtem Regenschauer verabschieden wir uns vom valle sagrado und begeben uns auf den Weg Richtung Küste.

unsere Route: Cusco – Pisac – Ollantaytambo – Chinchero

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