alte Bekannte auf neuen Strassen

23 Nov
Auf nach Ecuador!

Auf nach Ecuador!

Ecuador begrüsst uns mit guten Strassen und neuen Migrations- und Zollgebäuden. Trotz moderner Infrastruktur stehen wir aber über eine Stunde an um den Einreisestempel zu bekommen und sind genervt, denn es ist nur ein Schalter offen für ca. 40 Personen, die vor uns in der Schlange stehen.

Als Tourist darf man sich in Ecuador nur 90 Tage innerhalb eines Jahres aufhalten. Bei jeder Ein- und Ausreise rechnet der Computer die Tage aus, die man bleiben darf. Möchte man länger bleiben, muss man entweder das entsprechende Visum vor der Einreise bei einer ecuadorianischen Botschaft beantragen oder drei Tage vor Ablauf der Aufenthaltsbewilligung in der Hauptstadt die Verlängerung des Visums beantragen und dafür kräftig bezahlen.

Wegen dem langen Anstehen zur Einreise kommen wir leider fünf Minuten zu spät beim Zollbüro an und können somit nicht die Formalitäten für unser Fahrzeug erledigen, na prima! Das ecuadorianische Zoll-Büro schliesst hier bereits um 17 Uhr. Doch wie wir erfahren, gibt es noch den alten Zollposten fünf Kilometer weiter, der offen haben soll.

Dort angekommen fühlen wir uns wie auf einem Marktplatz und sind uns nicht sicher, ob wir am richtigen Ort sind. Viele LKW’s laden Ware ein und aus. Die Polizei zeigt uns aber freundlicherweise den Schalter, an dem wir anstehen sollen und auch hier stehen wir über eine Stunde an, bis man uns endlich ins Büro hinein bittet und das obwohl nur zwei Personen vor uns stehen.

Draussen versucht ein Beamter uns die einheimische Autoversicherung SOAT anzudrehen. Doch wir beharren auf den internationalen Versicherungsschein, denn wir wissen, dass es offiziell nicht Pflicht ist, die einheimische SOAT zu erwerben. Der Beamte lässt schliesslich locker, nachdem er auf dem Versicherungsschein das Land Ecuador lesen kann.

Im Büro selbst geht es recht zügig voran. Es werden Kopien aller Unterlagen verlangt, d.h. von der Fahrzeugbescheinigung, dem Reisepass des Auto-Besitzers und der Autoversicherung. Wenn man keine Kopien dabei hat, kann/muss man sie ausserhalb des Gebäudes machen lassen und wieder zurückkommen. Erst wenn alle Kopien vorhanden sind, werden die Daten eingegeben. Wir helfen dem freundlichen Beamten bei der Eingabe in den Computer – hauptsächlich bei der Eingabe der Heimadresse, was die Formalitäten bedeutend beschleunigt. Dann werden die Papiere ausgedruckt. Wir kontrollieren, unterzeichnen und bekommen einen Satz der temporären Einfuhrbescheinigung ausgehändigt und werden somit mit einem freundlichen „Bienvenidos a Ecuador y Buen Viaje“ entlassen.

An diesem Abend fahren wir trotz einsetzender Dämmerung weitere 100 km auf teils unbefestigten Strassen zu einer Reserve namens Bosque Petrificado de Puyango (Versteinerter Wald). Unterwegs werden wir an einem Militärposten angehalten und kurz befragt wohin wir fahren. Der junge Soldat sagt uns wie lange wir noch etwa zu fahren haben und wünscht uns eine gute Fahrt. Um ca. 20.30 Uhr kommen wir dann endlich beim Eingang der Reserve an, wo entgegen unserer Erwartung kein Mensch vor Ort ist. Wir übernachten vor dem Eingang zum Wald und sind froh über das saubere und nicht verschlossene Toilettenhäuschen.

Stellplatz vor der Reserva Bosques Petrificados

Stellplatz vor der Reserva Bosques Petrificados

Am Morgen kassiert ein Mitarbeiter 2 US Dollar pro Person für das Übernachten ausserhalb des Campingplatzes. Ja, Ihr lest richtig: US Dollar. Seit dem Jahr 2000 ist der US Dollar die offizielle Währung in Ecuador, was mitverantwortlich ist für den wirtschaftlichen Aufschwung des kleinen südamerikanischen Landes. Für uns Touristen ist es sehr angenehm mit einer bekannten Währung zu handeln.

Für die Besichtigung des Parks werden wir nochmals mit 1 USD pro Person zur Kasse gebeten, die wir gerne zahlen, hatten wir doch Glück, denn der Campingplatz, den wir bei der Dunkelheit übersehen haben, hätte zwei Dollar mehr gekostet.

Die Naturreserve ist klein aber oho. Der Trockenwald ist sehr schön, die Vegetation blühend. Man bekommt hier riesige Bäume zu sehen und vereinzelt findet man die versteinerten Baumstümpfe.

Mike im Vergleich zur Grösse des Baums

Mike im Vergleich zur Grösse des Baums

... und noch grösser

… und noch grösser

Es hat viele Vögel zur frühen Morgenstunde, doch unsere grösste Überraschung ist, hier das Markenzeichen aus den Kimberleys in Australien wieder zu sehen, einen Verwandten des Boabs!

Überraschung: ein Verwandter des australianischen Boab's

Überraschung: ein Verwandter des australianischen Boab’s

Wie dieser Baum hierher kommt, ist uns ein Rätsel. Wir sehen ihn vereinzelt in den Wäldern auf unserem Weg Richtung Lojas und werden dadurch an die Reise durch die Kimberleys erinnert – welche Freude!

Im kleinen Dorf Alamor kommen wir zum ersten Mal in den Genuss der supergünstigen Sprit-Preise. In Ecuador kostet eine Gallone Diesel (3,76 Liter) nur sage und schreibe 1,03 USD! Da wir uns immer noch nicht so weit entfernt von der Grenze nach Peru befinden, kontrolliert das Militär an den Tankstellen die Sprit-Ausgabe und führt darüber Buch. Jedes Fahrzeug darf nicht mehr als 10 USD pro Tank füllen um den Spritschmuggel zu verhindern oder besser gesagt, um diesen im Griff zu halten. Da unser Dingidi über 2 Diesel-Tanks verfügt, dürfen wir somit umgerechnet 73 Liter tanken und bezahlen dafür nur 20 USD! Ecuador wächst uns jetzt schon ans Herz durch seine reisefreundlichen Vorzüge.

Bei der Durchfahrt der verschiedenen Dörfer decken wir uns auf den Märkten ein mit Brot, Milch, Käse, Eier, Avocados, Tomaten, Birnen und Linsen. Die Preise sind etwas höher als in Peru, doch im Vergleich zu den Preisen in den hiesigen Supermärkten, sehr günstig.

Die Hauptstrasse nach Loja wird geteert. Es hat viele Baustellen und einspurige Strassen und immer wieder gibt es Militärposten, welche die Fahrzeuge zwecks Kontrolle anhalten. Wir selbst werden glücklicherweise nur einmal angehalten und gebeten unsere Einreisebescheinigung für das Auto vorzuzeigen.

die Strasse nach Loja wird geteert

die Strasse nach Loja wird geteert

Auf 1900 M.ü.M. ist das Wetter feucht und neblig. Um 16 Uhr, als man kaum noch was sieht vor dichtem Nebel und Regenfall, suchen wir uns auf einer unbefestigten Nebenstrasse einen Stellplatz für die Nacht. Wir fahren einige Kilometer in die Strasse rein und bleiben am Rande einer kleinen Einbuchtung stehen. Wir haben glück. Es fährt die Nacht kein Fahrzeug vorbei und wir verbringen  wieder eine ruhige Nacht.

herzliche Begegnung auf dem Land

herzliche Begegnung auf dem Land

Beim Frühstück wird die Stille plötzlich durch ein Hü Hü und dem Getrampel von Kühen unterbrochen. Ich öffne die Autotür und begrüsse ein zartes Frauchen, das mit Kühen an unserem Auto vorbeiläuft. Die ältere Dame fragt uns neugierig, ob wir etwas verkaufen. Wir erklären ihr, dass wir Touristen sind und hier nur die Nacht verbracht hätten. Daraufhin erzählt sie uns, dass ab und zu Leute illegal Medikamente verkaufen und dass die Polizei deswegen patrouilliere. Sie komme selten in die Stadt und brauche ein Medikament gegen Schwindel, ob wir nicht etwas dagegen mitführen.

Doch obwohl unser Fahrzeug ähnlich wie die hiesigen Ambulanzen aussieht, führen wir ausser der Notfallapotheke nichts mit und können ihr leider nicht helfen. Beim weiteren Gespräch erfahren wir, dass sie hier ganz alleine lebt und auf eine Ananasfarm aufpasst. Der Besitzer selbst erntet die Ananas nicht mehr sondern lässt die Früchte verfaulen, da er die Finca nur noch verkaufen möchte. Nach der Frage ob wir Ananas gern haben, ist sie auch schon auf dem Weg zu ihrem Haus um uns eine zu bringen. Als ich ihr dafür Geld geben will, schüttelt sie heftig den Kopf und meint, die Ananas sei ein Geschenk. Sie rät uns so schnell wie möglich uns auf den Weg zu machen, denn wenn es hier mal zu regnen anfange, komme man nicht so leicht durch die steile und matschige Strasse raus. Wir befolgen ihren Rat, haben aber wie erwartet keine Probleme aus dem Feldweg heraus zu kommen.

der Weg zur Hauptstrasse wird in der Regenzeit unpassierbar.. zumindest ohne Vierradantrieb

der Weg zur Hauptstrasse wird in der Regenzeit unpassierbar.. zumindest ohne Vierradantrieb

Loja ist die südlichste Grossstadt Ecuadors. Die Kontraste zwischen alt und modern machen die Stadt interessant. Wir machen hier einen Einkaufsstopp im Supermaxxi, wo man fast alles bekommt: Nutella, Hanuta und sogar Deutsche Bratwürste. Die von Petra und Klaus angekündigten Haribo Gummibärchen sind aber zum Leidwesen von Mike in dieser Filiale nicht erhältlich.

Schloss in Loja

Schloss in Loja

Fahrt durch die Altstadt von Loja

Fahrt durch die Altstadt von Loja

In der Hosteria Izhcayluma in Vilcabamba verbringen wir eine Nacht auf dem Parkplatz und dürfen für 4 USD p.P. die grosszügigen und geschmackvollen Installationen des Hauses nutzen, welches von Deutschen Gebrüder geführt wird.

das schöne Hostal Izhcayluma

das schöne Hostal Izhcayluma

Die Gegend sei sehr schön für Wanderungen und Ausritte. Das Dorf Vilcabamba ist bekannt geworden durch eine Reportage über die Langlebigkeit seiner Dorfbewohner, welche über 100 Jahre alt wurden. Seither ist eine alternative Szene entstanden mit vielen zugezogenen Ausländern, die sich hier niedergelassen haben. Auf uns macht das Dorf keinen besonderen Eindruck und ist für uns nicht die Reise wert.

Umso mehr gefällt uns der Ausflug zum Parque Nacional Podocarpus auf der Rückfahrt nach Loja. Die Vegetation in diesem Nebelwald ist einzigartig.

umso mehr die Natur im Parque Nacional Podocarpus

umso mehr die Natur im Parque Nacional Podocarpus

farbige Blätter oder doch Blumen?

farbige Blätter oder doch Blumen?

einzigartige Vegetation

einzigartige Vegetation

wohin das Auge schaut

wohin das Auge schaut

ein wahres Paradies für Botaniker

ein wahres Paradies für Botaniker

Nach den beiden kurzen Rundgängen entscheiden wir uns für den mühsamen Aufstieg auf den Aussichtspunkt. Dort angekommen haben wir nun zwei Optionen, denselben Weg zurück oder den grossen Rundgang beenden, der mit insgesamt drei Stunden angegeben wird. Den schweren steilen Aufstieg zum Aussichtspunkt haben wir ja hinter uns, dann kann der Rest nur noch ein Klacks sein – denkste! Aus der drei stündigen Wanderung wird eine Gratwanderung auf 3‘250 M.ü.M. für die wir  ganze fünf Stunden brauchen!

... Mike genehmigt sich ein Päuschen... ist doch anstregend zu wandern auf über 3000 M.ü.M.

… Mike genehmigt sich ein Päuschen… ist doch anstregend zu wandern auf über 3000 M.ü.M.

immer wieder Luft holen

immer wieder Luft holen

Wir werden vom Regen überrascht, versinken mit unseren Turnschuhen im Sumpf und kommen gegen 18 Uhr klatschnass, erschöpft und hungrig auf dem Parkplatz an um festzustellen, dass niemand mehr vom Parkpersonal da ist.

unser Auto ist noch in weiter Ferne

unser Auto ist noch in weiter Ferne

.. die Gratwanderung auf über 3000 M.ü.M.

.. die Gratwanderung auf über 3000 M.ü.M.

zwischendurch hört es auf zu regnen

zwischendurch hört es auf zu regnen

vorsichtig schauend wohin man tritt im sumpfigen Wald

vorsichtig schauend wohin man tritt im sumpfigen Wald

Zum Glück kommt uns auf der Rückfahrt zum 7 km entfernten Parkeingang ein Ranger auf dem Motorrad entgegen, der sich bereits um uns Sorgen gemacht hatte. Er erlaubt uns, über Nacht oben auf dem Besucherparkplatz stehen zu bleiben.

Die Toiletten und Duschen dürfen wir umsonst benutzen, auch der Eintritt zum Park kostet zur Zeit nichts!

Wie wir von offizieller Stelle hören, ist der Zutritt zu allen Nationalparks Ecuadors bis auf weiteres gratis wegen Instandsetzung der Einrichtungen und zur Förderung der Besucherzahl.

Ein weiterer Grund um Ecuador mit Freude zu bereisen – uns gefällt‘s!

unsere Route: Tumbes – Bosque Petrificado (Puyango) –  Alamor – Celica – Loja – Vilcabamba – PN Podocarpus

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Eine Antwort to “alte Bekannte auf neuen Strassen”

  1. Claudia Lorusso 13/02/2013 um 2:17 pm #

    Hallo zusammen,

    Ich hoffe es geht Euch gut.

    Wir melden uns noch bevor wir Florida verlassen. Wir hatten es auch sehr gemuetlich und moechte Euch diesen Link angeben:

    Thelifenomadik.com auch ersichtlich auf WordPress: lest mal nach was diese Familie treibt welche wir auf unserer Reise angetreoffen haben.

    Wer weiss, ob ihr sie eines Tages auch antrifft ??

    Ihr koennt auch hier in Florida oder mit dieser familie spanisch sprechen……..

    Also machts gut und bis bald wieder.

    Familie Lorusso

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