verlockendes Angebot

27 Nov

Mike und ich sind uns einig. Ecuador gefällt uns! Wir fühlen uns in der relativ kurzen Zeit, in der wir das Land bereisen sehr wohl und sicher. Wir lernen viele nette Menschen kennen und besichtigen  interessante Projekte. Das Land scheint wirtschaftlich stabil zu sein, das Klima ist mild, die Vegetation  grün, üppig und vielfältig.

wie auf der Alb

wie auf der Alb

Von Loja nach Cuenca fahren wir durch bergige Landschaft, in der Viehwirtschaft betrieben wird. Das könnte auf dem Land in der Schweiz sein, zumindest im Sommer.

Die Urbevölkerung trägt noch die traditionelle Kleidung und dies nicht als Touristengag. Es macht richtig Freude die verschiedenen Urvölker unterwegs zu sehen. Gesprochen wird neben Spanisch die verschiedenen ursprünglichen Sprachen. Bei unseren Einkäufen auf den Märkten wo auch die Urbevölkerung einkauft, stellen wir erneut fest, dass man frisches Obst und Gemüse zu günstigeren Preise als in den Supermärkten bekommt.

Bäuerinnen in der Stadt

Bäuerinnen in der Stadt

Auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht finden wir mal wieder dank erhaltenen GPS-Daten von anderen Südamerika Reisenden ein interessantes Projekt.

In Tarqui, 11 km vor der Kolonialstadt Cuenca, führt der Agronom Luis Alberto ein Geschäft unter dem Namen Terraventura. Er bietet auf seinem etwa sieben Hektar grossen Grundstück, Erholung und Unterhaltung für geplagte Stadtbewohner, für Familien, Schulen und Betriebe.

Mittels verschiedenen Gesellschaftsspielen fordert der tüchtige Erfinder das gegenseitige Kennenlernen, das Arbeiten in der  Gemeinschaft und sorgt somit für einen besseren Umgang in der Gesellschaft. Auf dem Grundstück hat er einen Wald, in dem er gekonnt die Spiele integriert so z.B. um die verlorene Verbindung zur Natur auf spielerischer Art und Weise wieder herzustellen und um sich selbst zu finden.

Stellplatz bei Terraventura mit Toilette und Stromanschluss.

Stellplatz bei Terraventura mit Toilette und Stromanschluss.

Diverse Tiere wie Hasen, Hühner, Enten, Gänse, Guanakos und Pferde bilden einen Streichelzoo und sind sehr beliebt bei Kindern.

Für grössere Anlässe oder am Wochenende betreibt er das im rustikalen Stil gebaute Restaurant, welches sich auf dem Areal befindet.

Luis Alberto ist ein vielfältiger Mensch, der nicht nur Agronom ist, sondern auch über ein grosses Wissen verfügt über Heilung mit Pflanzen und energetischer Arbeit, da er selbst mit Schamanen aufgewachsen ist und mit ihnen gelebt hat. Er bietet Heilsitzungen und Massagen an und mischt u.a.  Pflanzenextrakte zur Behandlung von Krankheiten – eine für mich faszinierende Fähigkeit.

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Wir campen mehrere Tage auf dem Gelände von Terraventura.

In die Stadt Cuenca fahren wir mit dem Regionalbus, der regelmässig an der Hauptstrasse vorbeifährt und uns für nur 25 Cent dorthin bringt. Somit können wir unser rollendes Haus in sicheren Händen überlassen und müssen uns nicht stressen in der verkehrsreichen Stadt oder bei der Suche eines Parkplatzes.

Die Sehenswürdigkeiten von Cuenca lassen wir uns bei einer geführten Citytour vorführen aus dem oberen Stock eines Doppeldeckers, vorsichtig den Kopf einziehend bei tiefhängenden Strassenkabeln oder unter Brücken.

Sightseeing ganz entspannt

Sightseeing ganz entspannt

So verbringen wir am Sonntag einen gelassenen Nachmittag in der schönen Kolonialstadt. Der Abend wird allerdings teuer, denn der Rückweg nach Tarqui erweist sich als ein kleines Aben-teuer ;-)

Bei unserer Ankunft hatten wir uns nicht darüber informiert, von wo der Bus nach Tarqui zurückfährt. Also fahren wir erstmal am späten Nachmittag – es fängt schon an zu dämmern, zum falschen Busterminal. Dort angekommen kennt kein Mensch unser Dorf Tarqui oder zu zumindest nicht so wie wir es aussprechen. Irgendwann bekommen wir aber von einem Polizisten eine verlässliche Information wo unser Bus abfahren sollte und wir machen uns mit den öffentlichen Bussen dorthin auf den Weg.

Cuenca's Kolonialstadt

Cuenca’s Kolonialstadt

An der richtigen Stelle angekommen halten wir den richtigen Bus an, der aber erst in 20 Minuten fährt. So wie wir den Busfahrer verstehen, gibt es diverse andere Busse, die vor ihm an dieser Strasse fahren würden. So lassen wir den Bus ziehen … und halten die ganze Zeit Ausschau nach der… falschen Busnummer.

Hätten wir nur diesen Bus genommen! Nach ca. einer Stunde werden wir nervös und fragen diverse wartende Passanten nach unserem Bus und bekommen dabei die widersprüchslichsten Aussagen von falschen Busnummern, über falsche Strasse oder der Bus fahre um diese Uhrzeit nicht mehr!

Unser kleines Abenteuer beenden wir damit, dass wir schlussendlich ein Taxi für 8 USD nehmen, denn das vergebliche Warten und Finden des passenden Busses dauerte mit vier Stunden! länger als die gesamte Stadtbesichtigung. Das Taxi selbst bringt uns aber nicht einmal bis zum Hof aufgrund der schlechten Strassenverhältnisse, die hier herrschen. So hatten wir zur späten Abendstunde noch einen schönen gemächlichen Spaziergang von ca. einem Kilometer.

Frühstück im Freien bei schönem Wetter

Frühstück im Freien bei schönem Wetter

Als wir am Montag, fertig mit dem Frühstück, anfangen uns Abfahrbereit zu machen, erhalten wir nochmal die Chance ein tiefergehendes Gespräch mit Luis Alberto zu führen.

So erfahren wir die Geschichte der anliegenden Motocross-Rennbahn, welche am Wochenende die hier herrschende Idylle massiv stört.

Ausgerechnet sein Neffe macht ihm das Leben schwer und schadet seinem Geschäft durch den unerträglichen Lärm und dabei erstickt auch allmählich seine Lebensfreude. Alle bisherigen Gesprächsversuche mit seinem Neffen sind gescheitert. Verzweifelt sucht Luis Alberto nach einem erfolgreichen Projekt, das er auf seinem Grundstück unter der Woche betreiben könnte um die fehlenden Wochenend-Einnahmen wettzumachen oder nach einer anderen Lösung und ist mittlerweile  sogar bereit, sein Grundstück deshalb zu verkaufen.

Motocross-Rennbahn auf dem Nachbargelände

Motocross-Rennbahn auf dem Nachbargelände

Wir gehen mit ihm naheliegende Einnahmequellen durch wie z.B. die Errichtung einer organischen Farm zwecks Erweiterung der bereits vorhandenen Rundführung von Schulklassen und/oder die Herstellung von organischem Kompost und der Betrieb einer Gärtnerei. Es entsteht ein konstruktives und inspirierendes Gespräch über viele Möglichkeiten, die er hier verwirklichen könnte.

Die gemeinsamen Ideen, die wir erarbeiten, begeistern Luis Alberto sehr. Doch alleine mag er diese vielen, tollen Ideen nicht umsetzten, da ihm die jetzige Situation arg zusetzt und er die nötige Kraft sowie die finanziellen Mittel nicht nochmal aufbringt um ein weiteres neues Projekt zu stemmen.

Luis Alberto erklärt mir die Zusammensetzung dieses Komposts, der für "Mulch" benutzt wird: Reisschalen, Blätter der Bananenstauden, Holzreste, Kakaoschalen

Luis Alberto erklärt mir die Zusammensetzung dieses Komposts, der für „Mulch“ benutzt wird: Reisschalen, Blätter der Bananenstauden, Holzreste, Kakaoschalen

So kommt es dazu, dass er uns direkt und spontan das Angebot macht, auf seinem Grundstück unsere theoretisch erworbenen Kenntnisse über Permakultur in die Tat umzusetzen. Dabei müssten wir nicht in Land investieren und dürften gerne ein Haus auf seinem Grundstück bauen, wo auch immer wir es erstellen wollen und somit bei ihm kostenlos wohnen, sofern wir ihm dabei helfen, das Projekt Permakultur & co. inkl. Marketing, Administration und Buchhaltung zu integrieren und aufzuziehen.

Dies ist zugegebenermassen ein sehr, sehr verlockendes Angebot, was wir uns gerne überlegen, zumal wir dabei von Luis Alberto’s Kenntnissen, Beziehungen und langjähriger Erfahrung profitieren würden. Es gibt aber noch einiges was wir gerne tun würden, bevor wir uns fest binden. So wollen wir zum Beispiel Ecuador und Kolumbien bereisen und dabei vorhandene Projekte über organische Landwirtschaft kennenlernen.

Obwohl wir wissen, dass man nicht alle Tage ein solches Angebot bekommt, verlassen wir am Dienstag Morgen Terraventura nach Austausch aller Kontaktinformationen mit einem grossen Kopf voller Ideen und neuen Fragen…

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2 Antworten to “verlockendes Angebot”

  1. Johnc640 16/08/2014 um 6:54 am #

    Today, while I was at work, my sister stole my apple ipad and tested to see if it can survive a 30 foot drop, just so she can be a youtube sensation. My apple ipad is now destroyed and she has 83 views. I know this is entirely off topic but I had to share it with someone! aedbaabaddgg

  2. Hugo und Annemarie Gnägi 17/02/2013 um 10:04 am #

    Hei, das tönt spannend. Aber ihr habt recht: Zeit bringt oftmals Rat, und für euch noch viele neue Erfahrungen und Begegnungen.
    Buena suerte!
    Annemarie

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