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vom Regenwald zum Outback

23 Okt

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Wenige Kilometer südlich von Darwin liegt der Litchfield Nationalpark, ein kleiner Park – verglichen mit dem Kakadu NP, der uns mit seiner Schönheit und Vielfalt überrascht. Verteilt auf 1‘500 km2 findet man im Monsun Regenwald mehrere imposante Wasserfälle und kristallklare Pools in denen man zu dieser Jahreszeit bedenkenlos baden kann, denn auch hier sorgen die Ranger für Sicherheit beim Umsiedeln der Krokodile unmittelbar nach der Regenzeit.

Der Park ist eine wahre Freude für den Besucher und diese kommen in Scharen. An diesem Wochenende geniessen die Einheimischen die schönen und gut ausgestatteten Picknick Plätze mit der ganzen Familie. Trotz den vielen Ausflügler finden wir abends immer einen schönen Stellplatz in den dafür vorgesehenen Campingplätzen. Wir erkunden den Park auch auf der „Offroad“ Strecke, auf der wir Zugang zu weiteren Wasserfälle bekommen, zu Billabongs in denen wir verschiedene Vogelarten beobachten oder zu weiten Ebenen mit hunderten von Termitenhügel, die hier wie Grabsteine aussehen. Die sogenannte „magnetic termite mounds“ sind geniale Bauten, die von Norden nach Süden ausgerichtet sind um die Aussetzung zur Sonne zu minimieren und die Temperatur im Inneren konstant zu halten. Die Termiten passen sich somit an die krassen klimatischen Verhältnisse an und sind uns Menschen diesbezüglich um einiges voraus.

In einer Wellblechhütte kann man die spannende Geschichte der Kinder der Familie Blyth lesen, die hier bis 1960 gelebt haben. Von ihrer Arbeit in der gegenüber liegenden Zink Mine, wie sie ganz alleine auf sich gestellt waren  – ohne Eltern, wie sie ohne ärztliche Versorgung auskamen oder wie der jüngste Bruder ein Krokodil grosszog und als Haustier hielt. Man stelle sich vor, das Krokodil ist seinem Herrchen überall hin gefolgt – nur nicht wenn es zum Fluss ging, denn es hatte Angst vor seinen Artgenossen – unglaublich gell?! Die Geschwister hatten sonst nicht viel zu lachen. Der Vater kam alle zwei oder drei Wochen vorbei um Lebensmittel zu bringen und nach ihnen zu schauen. Die historische Stätte vermittelt einem ein gutes Bild vom damaligen Leben in dieser tropischen Gegend.

Uns gefällt es sehr gut in diesem schönen Park. Wäre nicht die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit mit der heran nähernden Regenzeit würden wir noch lange hier verweilen. Wir wagen zu behaupten, dass man hier die Kimberleys in Miniatur erlebt. Ein Reiseziel, das man in Australien nicht verpassen sollte, möchte man den tropischen Regenwald erleben.

Im Zickzack Kurs fahren wir gemütlich Richtung Süden. Westlich des Stuart Highways besichtigen wir die heissen Quellen von Douglas. Ein heiliger Ort für Aboriginal Frauen, wo sie noch heute ihre Rituale abhalten. Das Flüsschen führt sehr wenig Wasser mit. Als wir gegen die Strömung im Wasser gehen, finden wir die Quelle, aus der das 36 Grad warme Wasser heraussprudelt. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht die Füsse verbrennt. Lauwarmes Wasser für ein gemütliches Bad finden wir in den Bitter Springs: Eine Oase zwischen Palmen und tropischem Regenwald südlich von Katherine. Hier geniessen wir ein letztes Mal die malerische tropische Vegetation bevor wir uns wieder in den Outback begeben.

Einige Kilometer weiter südlich sind wir schon dort angelangt: trockene, karge Landschaft, elend lange Strecken bis zur nächsten Ortschaft. Der Stuart Highway ist die einzige Verbindung zum Süden. Wir übernachten nur noch in den Raststätten entlang dieser Hauptader und begegnen dort abends die gleichen Gesichter, die im selben Tempo wie wir unterwegs sind. Ungemütlich kann es werden, wenn sich eine Fledermaus in unser Schlafgemach verirrt… oder wenn Mäuse sich nachts über den Tupper mit den Essensresten hermachen und dabei Mike über die Beine klettern. Seit diesem Erlebnis müssen wir die Hitze im Auto mit geschlossenen Türen ertragen.

In Tennant Creek trennt sich unser Weg von den Campers, die zum Ayers Rock weiterfahren. Hier tanken wir ein letztes Mal bevor wir uns Richtung Osten zum Sunshine State Queensland begeben.

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The Top End

14 Okt

Unsere Reise führt weiter in den Norden. Die Gegend oberhalb von Katherine wird „The Top End“ genannt. Es wird heisser und schwüler. Was das angeht, würden wir am liebsten gleich zur Ostküste weiterziehen, doch wir erwarten in Darwin wichtige Dokumente aus der Schweiz. Die Zeit bis zur Ankunft möchten wir im Kakadu Nationalpark und Umgebung überbrücken.

Kakadu Nationalpark

Der wohl bekannteste Park im Norden Australiens ist der Kakadu Nationalpark, der für seine einzigartige Szenerie mit Wasserfällen, Flüssen, Sumpflandschaft, Monsoon Regenwald, Rockart Galerien und für die vielfältige Vogelwelt geliebt und rege besucht wird. Respekt hat man hier vor den vielen Krokodilen. Der Park ist mit seinen 19‘000 km2 riesig. Irgendwo habe ich gelesen, es sei der grösste Nationalpark der Welt ob das stimmt? Keine Ahnung, auf jedem Fall ist es der grösste in Australien.

Wir biegen am späten Nachmittag vom Kakadu Highway in die unbefestigte Strasse ein, die zu den Gunlom Waterfalls führt. Nach 22 km kommen wir zu einem Buschcampingplatz in dem wir diese Nacht verbringen.  Früh morgens fahren wir weiter zum Wasserfall. Mit Trinkwasser und Badesachen im Rucksack gehen wir auf Erkundungstour und folgen den vielen Menschen, die bereits da sind. Knapp fünf Minuten vom Parkplatz entfernt, kann man schon einen beeindruckenden Wasserfall sehen, der aber momentan sehr wenig Wasser führt. Der grosse Pool sieht eher wie ein See aus. Viele Leute nutzen die Gelegenheit zu einem Bad.

Wir suchen den Weg, der nach oben führt. Nach dreissig Minuten steilen Wanderung erreichen wir den Gipfel und werden belohnt mit einer wunderbaren Aussicht. Hier hat es viele kleine Pools mit herrlich klarem Wasser, in denen man unbeschwert baden kann. Hier hat es definitiv keine Crocs. Wir freuen uns auf das erfrischende Bad.

Das Buschcamping wird an diesem Abend zum Albtraum. Es hat unheimlich viele Fliegen an unserem Nachtlager. Wir machen den Fehler, vor Sonnenuntergang zu kochen und können uns kaum retten vor Fliegen. Mit der Moskitonetz-Kopfhaube zu essen macht nicht wirklich Spass.

Die Fliegen verschwinden sobald es dunkel wird, sind aber vor Sonnenaufgang wieder da. Also packen wir früh zusammen und fahren zur nächsten Attraktion, die gleich um die Ecke liegt.

Ein schöner Spaziergang entlang eines Mangroven Regenwaldes führt zum Mabuk Wasserfall und Pool. Unterwegs freuen wir uns endlich eine Schlange zu sehen und diese aus sicherer Entfernung beobachten zu dürfen.

Der Weg führt weiter entlang eines Flusses. Wir halten Ausschau nach Krokodilen, weil  immer wieder Schilder davor warnen. Doch hier gilt die Gefahr nur unmittelbar nach der Regenzeit. Die Parkhütter geben den Wanderweg erst frei, wenn sie alle Krokodile umgesiedelt haben und die Gegend frei ist. Auf dem Weg zum Wasserfall kommen uns einige Leute entgegen. Als wir dort eintreffen ist aber niemand mehr da. Wiederum geniessen wir das erfrischende Bad an diesem schönen Ort.

Ich war vor zehn Jahren schon einmal im Kakadu NP. Damals hatte ich mit Beat an einer von Darwin aus geführten Tour mitgemacht mit acht anderen jungen Leuten aus verschiedenen Ländern. Es war zu Beginn der Saison, hatte also viel Wasser – ein richtiges Abenteuer. Um zu den Twin Falls zu gelangen, musste man lange Zeit gegen die Strömung schwimmen im richtig kalten Wasser. Es gab viel zu klettern, war anstrengend doch für mich sehr lehrreich und spannend. Diesen Ausflug werde ich nie vergessen.

Heute ist alles anders. Das Schwimmen im Fluss ist nicht mehr erlaubt. Stattdessen wurde eine Bootstour eingeführt. Das Boot bringt einem zu einer langen Brücke, von der aus man zum Aussichtspunkt läuft um sich die Wasserfälle anzuschauen. Die ganze Anstrengung und Spannung fällt weg und damit die Freude aus eigener Kraft etwas Aussergewöhnliches zu erreichen.

Nicht nur aus diesem Grund verzichten wir auf die wohl grösste touristische Attraktion des Parks. Stattdessen besichtigen wir das Warradjan Aboriginal Cultural Centre und erfahren mehr über die Kultur des noch hier lebenden Aboriginalvolks.

Wir verabschieden uns vom Kakadu NP auf der unbefestigten „Old Jim Jim Road“.

120 km später halten wir an zum Tanken in der Bark Hutt Inn, einer Raststätte mit Caravanpark am Arnhem Highway. Hier haben wir endlich die Chance einen „Road Train“ zu fotografieren. Einen von den vielen die uns immer wieder auf dem Weg begegnen.

Und so finden hier Umzüge statt… (Anmerkung von Mike: die Frau auf dem Bild ist die Fahrerin!)

Wir entscheiden uns diese Nacht im Caravanpark zu verbringen und wagen es vor Sonnenuntergang zu kochen. Die Fliegen scheinen hier kein Problem zu sein, wie schön. Gegen Abend fängt es an zu regnen. Wir rechnen aus, dass es über 70 Tage her ist, seit wir das letzte Mal Regen hatten. Das Zelt im Inneren bleibt trocken. Die Imprägnierung am Ningaloo Riff hat sich bewährt.

Tagsdarauf scheint die Sonne wieder und wir unternehmen einen Ausflug auf Vierradterrain im Mary River NP. Die Gegend soll von Krokodilen wimmeln, doch vermutlich hat es einfach zu wenig Wasser. Auch hier bekommen wir leider keine zu sehen. Wir geniessen die spannende Geländefahrt entlang des Mary Rivers.

The Wetlands

Weiter geht es über das Sumpfgebiet. Vom Aussichtspunkt des „Window on the Wetlands“, ein Informationscenter, kann man die Landschaft beobachten, den Sumpf, die Berge in weiter Ferne. Eine Wasserbüffelherde trampelt friedlich im Sumpf vor sich her. Das, was für uns so friedlich aussieht, ist für die Natur schwere Kost. Die Büffel wurden 1820 aus Indonesien eingeführt. Viele Jahre später hat man festgestellt, dass sie einen unheimlichen Schaden anrichten. Sie sind zu schwer für den Boden, verursachen Erosion durch die Vermischung von Salz- und Süsswasser und sind damit verantwortlich für das Sterben von den einheimischen Paperbarkbäumen. Sie trampeln die natürliche Vegetation kaputt und fressen Unmengen von Gras und damit die Nahrung von einheimischen Tieren weg.  Also lässt man im NT die Büffel wieder von der Landschaftsfläche verschwinden, bis auf einige Herden im Aboriginal Gebiet von Arnhem.

Rechtzeitig vor der Abenddämmerung kommen wir in der „Fogg Dam Conservation Reserve“ an um die Vogelwelt zu beobachten. Hier fährt man über eine Dammwand – links und rechts ist Sumpfland. Es ist nicht erlaubt über den Damm zu Fuss zu gehen, weil angeblich die Gefahr von Krokodilen besteht. Doch wir sehen zwei ältere Aboriginalfrauen im Sumpf stehend. Sie sammeln die Wurzeln einer Pflanze, die sie als Nahrung verwenden.

Wir fahren die Strasse bis zum Ende und kommen zu einem Aussichtsturm von dem wir mit dem Fernglas die vielen Vögel beobachten. Ein bezaubernder Ort.

Auf einem Rastplatz am Arnhem Highway richten wir unseren Schlafplatz ein und werden von Moskitos überfallen. Zu Tausenden fliegen sie um Dingidi und nutzen jede kleine Ritze um reinzukommen. Wir schmieren uns ein mit Antibrumm, was sehr effektiv gegen die Moskitos ist, uns aber mehr zum Schwitzen bringt, weil die Haut dadurch heiss wird.

Warten auf Post

Frühmorgens ergreifen wir die Flucht nach Darwin. Es ist Montag. Wir hoffen, dass der Brief, der uns meine Schwester per Kurier zugestellt hat, heute ankommt und wir unsere Fahrt fortführen können „Weg von der Hitze, den Moskitos, den Bremsen und Fliegen“. Mit der Trackingnummer verfolgen wir die Sendung im Internet und sehen, dass der Brief am Sonntag in Sydney angekommen ist. Also fahren wir auf direktem Weg zur Hauptpost nach Darwin, wo der Brief empfangen und für uns gelagert werden soll. Dort sagt man mir, dass manche Briefe drei Tage von Sydney nach Darwin benötigen, weil sie auf dem Landweg befördert werden, obwohl sie in Europa per Express geschickt wurden! Das kann ja heiter werden.

Wir wählen einen Caravanplatz ausserhalb der Stadt aus und bereiten uns auf eine längere Wartezeit vor. Es ist Mangosaison. In den Plantagen auf dem Weg nach Darwin hängen die reifen Früchte schwer von den Bäumen. Auch in unserem Caravanpark. Die Schatten spendenden Bäumen sind vollbeladen! Die Früchte liegen wohlduftend am Boden. Wir geniessen die willkommene Abwechslung zum Frühstück und als Nachtisch. In der Nacht wird man ab und zu geweckt durch einen Mango, der auf dem Autoblech landet.

Mittlerweile haben wir uns entschieden, die Ostküste zu bereisen. Mike hat im Internet durch einen glücklichen Zufall einen Schweizer gefunden, der seinen Nissan Patrol ebenfalls nach Südamerika verschifft. Patric hat eine längere Fahrt hinter sich. Er fährt rund um die Welt und ist von der Schweiz aus gestartet. Als wir uns unterwegs nach Darwin befinden, beantwortet er unsere Anfrage. Er ist von Anhieb an begeistert den Container mit uns zu teilen. Allerdings stellt sich heraus, dass er erst Mitte Januar abreist, weil ihn bis dahin Freunde aus der Schweiz besuchen. Wir würden gerne im Dezember abreisen, doch das „Warten“ würde sich finanziell lohnen. Nun geht es darum das günstigste Angebot zu finden. Patric ist bereits in Verhandlungen mit zwei Agenten. So entsteht ein reger Emailwechsel. Noch ist nichts gebucht, doch über den Zeitpunkt der Abreise sind wir uns einig und somit wissen wir, dass wir bis Mitte Januar auf diesem Kontinent weilen.

Wir verbringen die Tage mit Tagebuchführen, Emails beantworten, Blogseite aktualisieren. Stehen in Kontakt mit TNT Schweiz, klären diverse Formalitäten ab beim Notar, kaufen ein, sehen uns die Hauptstadt von „The Top End“ an und geniessen die „stehenden Tage“ später in einem moderneren Caravanpark mit Swimmingpool – doch leider ohne Mangobäumen.

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag erhalte ich per Email die Telefonnummer von TNT Darwin. Nach einem kurzen Telefonat, bringen sie uns zehn Minuten später die sehnsüchtig erwartete Post direkt zum Caravanplatz. Die Erklärung der Verzögerung ist, dass die Post TNT Sendungen nicht empfängt. Na, das hätten sie mir auf der Post auch sagen können.

In einer nahegelegenen Reifenwerkstatt lassen wir das defekte Reserverad, das wir seit der Fahrt durch die Bungles mit uns führen, für 37 AUD flicken.

Nun kann die Reise Richtung Süden weitergehen.