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Purnululu

29 Sep

Der Bungle Bungle Nationalpark heisst in der aboriginal Kija Sprache Purnululu, was Sandstein bedeutet. Die Sandsteinformationen sind wahrlich eine Reise wert. Allerdings ist die Sehenswürdigkeit nur mit einem 4 WD Fahrzeug erreichbar. Die orange-schwarz gestreiften Hügel sind 52 km vom Great Northern Highway entfernt auf einer kurvenreichen Schotterpiste. Die Fahrt dahin dauert über zweieinhalb Stunden!

Doch bevor wir uns auf dieses Abenteuer einlassen, erholen wir uns auf einem gemütlichen Rastplatz vor dem Eingang des Nationalparks, denn der Besuch bedeutet für uns lange Wanderungen bei extrem hohen Temperaturen und dafür sind wir noch nicht fit genug.

Zwei Tage später müssen wir Dingidi bewegen um Strom für den Kühlschrank zu generieren. Also begeben wir uns wie vorgeschrieben mit niedrigerem Reifendruck auf die Entdeckung des Parks und staunen über den schlechten Zustand der Zufahrtstrasse. Jetzt wissen wir, warum die Fahrt so lange dauert. Wir sind schon froh, dass Dingidi alles mitmacht!

Nachdem wir Infomaterial im Visitor Center geholt und die Camping-Gebühren für die kommende Nacht bezahlt haben, fahren wir zum Ausgangspunkt der Wanderung. Auf der Fahrt dahin kann man bereits die Steinhügel bewundern, welche übrigens nicht nur aus Sandstein bestehen sondern auch aus Kieselerde und Flechten. Grünalgen haben sich im poröseren Teil des Sansteines gesetzt, was die grau-schwarze Farbe im Stein erklärt. Die Entstehung der Sandstein-Schichten hat vor 350 Mio. Jahren angefangen. Der geologische Wert der Bungles ist sehr bedeutend und einzigartig auf der Welt. Aus diesem Grund wurden die Bungles 2003 in die Welterbeliste von Unesco aufgenommen.

Glücklicherweise kann man viele schöne Plätze in kurzen Wanderungen erreichen. In der Nachmittagshitze ist es nämlich kaum auszuhalten. Die Sonne brennt unerbittlich im praktisch wolkenlosen Himmel und es gibt diesmal keine Erfrischungspools und keine Bäume unter denen man Zuflucht finden könnte. Also beschränken wir uns auf das Wesentliche. Der Weg zur „Cathedral Gorge“ ist sehr schön. Dort angekommen, erholen wir uns im Schatten und geniessen die Stille, die nur durch die Krähen unterbrochen wird.

Zum Aussichtspunkt der Bungles geht man über das trockene Flussbett des Piccaninny Creeks. Unglaublich wie breit dieses ist. Schilder warnen vor dem plötzlichen Ansteigen des Flusses. Doch zu dieser Zeit brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Da kommt noch lange kein Wasser…

Die Aussicht vom Hügel aus ist fantastisch…

Der Rückweg erscheint uns viel kürzer als der Hinweg. Wir beeilen uns, weil es bereits in zwei Stunden wieder dunkel wird.

Wir fahren zum Walandi Campingplatz, richten uns ein, kochen und essen. Die Stellplätze werden in der Zwischenzeit alle belegt. Es sind einige Leute mit Zelten oder mit gemieteten Caravans hier. Vor uns campieren zwei junge Aussie Pärchen. Die zwei Frauen quatschen die ganze Nacht. Am Morgen bin ich recht müde, weil ich immer wieder wach geworden bin. Ich denke mir, dass ich am Morgen wenigstens Ruhe haben werde vom Geschwafel, doch weit gefehlt. Sie stehen auch früh auf und machen dort weiter, wo sie „gestern“ aufgehört haben… unglaublich.

Lange müssen wir uns das nicht anhören, denn wir haben heute zwei Wanderungen vor am anderen Ende des Parks. Also packen wir zügig zusammen und fahren dorthin um die etwas kühlere Morgenluft zu nutzen. Noch vor 7 Uhr erreichen wir den Ausgangspunkt zu den „Mini Palms“ und staunen nicht schlecht, als wir schon vier Fahrzeuge auf dem Parkplatz sehen. Wir sind nicht die ersten.

Hier sieht man nichts mehr von den Bungles. Die Steinformationen stammen aus einer noch früheren Zeit. Es sind verschiedene Schichten zusammengepressten Sand- und Kiessteinen. Spannend finde ich die hohen Schluchten und die darauf lebenden Palmen, welche während der Trockenzeit keinerlei Zugang zu Wasser haben und mit ihren Reserven auskommen müssen. Der Kontrast der roten Berge mit den grünen Palmen ist einfach schön. Der Weg endet auf einer Aussichtsplattform.

Die letzte Sehenswürdigkeit „Echidna Chasm“ sollten wir vor 11.30 Uhr erreichen, hat man uns im Visitor Center empfohlen, denn die Sonne scheint um diese Zeit senkrecht durch die enge Schlucht. Unterwegs kann man auf verschiedenen Tafeln lesen, wie die Schlucht entstanden ist. Wir laufen, bis dahin wo der Riss im Berg endet. Echt eindrücklich!

Bevor wir den Nationalpark verlassen, gehen wir auf einen Aussichtspunkt um die Landschaft aus dieser Gegend zu betrachten…

Nun begeben wir uns auf die zweieinhalb stündige Rückfahrt auf der kurvenreichen Schotterpiste, durchqueren Flüsschen oder trockene Flussbetten, weichen Steinen und tiefe Löcher aus. Alles geht gut bis wir am Rastplatz ankommen und uns beim Rangieren einen platten Reifen holen. Der vordere rechte Reifen ist flach. Es sieht so aus, als wäre ein Stein dafür verantwortlich. Zum Glück führen wir zwei Ersatzreifen mit uns mit. Nur blöd, dass wir beide vordere Reifen wechseln müssen, weil das Profil der Ersatzreifen unterschiedlich ist. Aber auch das schaffen wir noch vor Sonnenuntergang.

An diesem netten und schattigen Rastplatz am Spring Creek verbringen wir zwei weitere Tage bevor wir wieder zurück nach Kununurra fahren um kurze Zeit später Western Australia nach viereinhalb spannenden Monaten endgültig zu verlassen!

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Erholung in den Mangroven

25 Sep

Mike‘s Kopfschmerzen entfalten sich zu einer starken Migräne. Die Hitze, das ständige Rütteln im Auto und die körperliche Anstrengung der letzten Tage haben ihm nicht gut getan. Wir kommen in der Zivilisation an. Welcome to Kununurra! Über dem Diversion Dam gelangen wir in die schnellst wachsende Gemeinde Australiens. Während ich unseren Vorrat mit frischen Lebensmitteln aufstocke, liegt Mike auf einer Wiese vor dem Einkaufszentrum im Schatten. In dieser Position sind die Schmerzen erträglich, sobald er versucht aufzustehen, brummt der Kopf als wollte er platzen.

Unter diesen Umständen ist eine Weiterfahrt ausgeschlossen. In der nächsten Umgebung gibt es keine gratis Stellplätze, also machen wir uns auf die Suche nach einem Caravanpark und werden am Ufer fündig. Der Park liegt an einer traumhaft naturbelassenen Bucht. Wir nehmen einen Stellplatz mit Strom, denn falls wir länger stehen bleiben, geht unserem Kühlschrank spätestens nach zwei Tagen die Puste aus. Die Batterie ist nicht mehr die jüngste, hat einiges ihrer Kapazität eingebüsst.

Wir freuen uns, dass wir endlich wieder Internetanschluss haben und die Emails der letzten drei Wochen abrufen können. Die vielen Glückwünsche wollen gelesen, gefeiert und beantwortet werden. Auch ruft die Blogseite nach Futter. Währenddessen ich mich etwas mit der Aussenwelt beschäftigen darf, erholt sich Mike zaghaft. Er trinkt viel um einer Dehydration vorzubeugen. Doch die Kopfschmerzen wollen nicht verschwinden. Hier ist es ausser heiss, sehr feucht und kein Windchen weht. Das heisst 38 Grad im Schatten und 99% Luftfeuchtigkeit. Wir verlängern Tag für Tag unseren Aufenthalt damit sich Mike erholen kann.

Noch sind wir unschlüssig in welche Richtung unsere Reise weitergeht. Sollen wir zum Ayers Rock fahren und auf dem Weg dahin die Bungle Bungle besichtigen? Oder sollen wir Richtung Darwin fahren und uns den Kakadu NP anschauen? Haben wir genug von Australien gesehen? Möchten wir Dingidi schon in Darwin nach Chile verschiffen? Oder wollen wir doch die Ostküste bis Sydney runterfahren? Was machen wir?

Vorerst telefonieren wir mit der Familie in Kolumbien und in Deutschland und kontaktieren Anke, die bereits wieder in Perth angekommen ist. In ihrem Haus befinden sich zur Zeit auch Thomas und Stefan. Alle hatten eine schöne Reise durch halb Australien und sind heil und munter in Perth angekommen. Thomas und Stefan haben ihr Fahrzeug schon weiterverkauft und den Flug zu den Fiji Islands gebucht. Auch Irmchen, Ankes Mutter, fliegt in den nächsten Tagen zurück nach Deutschland.

Uns werden die Bungle‘s ans Herz gelegt. Alle fanden sie toll und sehenswert und eigentlich sind sie nicht weit weg von Kununurra … nur 300 km. 600 km hin und zurück sind für australische Verhältnisse ein Katzensprung. Ich überlasse die Wahl ob Ayers Rock oder Ostküste an Mike. Denn ich habe das grosse Glück, vor zehn Jahren an beiden Orten gewesen zu sein. Er entscheidet sich für die Ostküste und gegen den Umweg zum Uluru, weil es auf den 2’000 km Outback keine grossen Sehenswürdigkeiten ausser den Ayers Rock gibt und die Kälte Einzug hält. Auf jeden Fall wollen wir den Ausflug zu den Bungle‘s machen.

Am Samstag sitze ich um die Mittagszeit mit dem Laptop am Ufer und lasse mich von der Idylle der Gegend beim Schreiben des Tagebuchs inspirieren als ein kleines Motorboot vor mir anhält. Der Lenker, ein etwa fünfzig jähriger Herr hält nach jemandem Ausschau. Es ist aber niemand sonst in Sichtweite.  Er spricht mich an und meint, ich sehe so ernst aus vor dem Computer. Es gebe hier so viele schöne Sachen zu sehen. Ich solle rausgehen und mir die Gegend anschauen anstatt hier zu sitzen. Ich meine lächelnd, das mag sein, aber bei der Hitze kann man keine 100 Meter gehen ohne zu schwitzen. Es sei mir zu heiss um herumzulaufen. Dann fragt er, wo ist Dein Mann? Habt Ihr Lust auf eine kleine Bootsfahrt? Hole ihn und kommt mit. Das lasse ich mir nicht zwei Mal sagen. Mike liegt mit seinen Kopfschmerzen im Auto. Er zögert etwas, möchte aber das Angebot nicht ausschlagen. Also packen wir Wasser, Hut, Sonnenbrille, Sonnencreme, Tuch, Fotoapparat und Feldstecher ein und beeilen uns ans Ufer.

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Wir steigen ein und los geht’s auf die abenteuerliche Entdeckungsfahrt. Es ist erstaunlich, wie man die Gegend mit ganz anderen Augen anschaut, wenn sich die Perspektive ändert. Ich komme mir vor wie in den Everglades. Erinnert Ihr Euch an die Bilder von Miami Vice mit diesen Luftkisenbooten? Genauso sieht es hier aus. Der Herr, dessen Namen wir nicht kennen, führt uns im zügigen Tempo durch die Mangroven. Ich geniesse die Fahrt und die vorbeiziehende lauwarme Luft, schütze mich mit dem Tuch vor einem Sonnenbrand.

Als wir an einer Stelle anhalten, an der viele Black Flying Foxes von den Bäumen runterhängen, erklärt er uns, der See sei „zig“ Kilometer lang. Wie der See? Wir dachten es sei der Ord River, also ein Fluss? Jetzt wird uns klar warum es so viele Baumstämme hat, die zur Wasseroberfläche oder aus dem Wasser herausragen. Später erfahren wir, dass dieser See künstlich angelegt wurde um die umliegenden Farmen auch während der Trockenzeit mit Wasser zu versorgen.

Wir fahren ziemlich weit und beobachten die schönen Anwesen und die am Ufer grasende Kängurus. Man sieht Vögel, die über dem Wasser gehen, Kormorane die ihre Flügel in der Luft trocknen lassen und viele, viele verschiedene Wasservögel. In einem auf der Oberfläche treibenden Netz haben sich grosse Catfische verhängt. Ein Frischwasserkrokodil nutzt diese Chance für ein gratis Mahl. Unser Guide versucht erfolglos die Fische vom Netz zu befreien, auch das Abschleppen misslingt. Sie scheinen schon lange gefangen zu sein. Man kann die Verwesung wahrnehmen. Er muss leider das Netz weiterhin treiben lassen.

Mit hohem Tempo gleiten wir weiter über die Wasseroberfläche. Der Fahrer muss die Gegend sehr gut kennen um den Baumstümpfen, welche man kaum sieht, ausweichen zu können. Krokodile die allerdings unter der Wasseroberfläche schweben, sind schwer auszumachen. Mike schreit „croc“ …. peng …. zu spät …. jetzt hat es einen erwischt. Wir stoppen, drehen, doch ist nichts mehr zu sehen. Mit schuldiger Miene fährt unser Bootsführer weiter.

Auf dem See muss es gelegentlich neben Frischwasser- auch Salzwasserkrokodile geben, denn wir fahren an einer Falle vorbei. Der Herr zeigt uns den aufgehängten Schweinekopf, der das Krokodil anziehen soll.. igitt..

Wir halten bei einem felsigen Gebirge an. Hier soll es Aboriginal Malereien geben. Wir steigen aus dem Boot und suchen im Gebüsch nach einem Weg, was sehr schwierig ist, weil alles verwachsen ist. Das harte Spinifex Gestrüpp tut in den Beinen weh. Von den Malereien sind ausser einpaar kleine Zeichnungen nicht viel zu sehen. Also kämpfen wir uns wieder durch das Gestrüpp zurück, steigen wieder ein und geniessen die Weiterfahrt. Das heisst, ich geniesse. Mike’s Kopf hämmert jetzt stärker.

Nach ungefähr zwei Stunden kommen wir wieder zum Caravanpark. Wir helfen ihm das Boot festzumachen. Er erzählt uns, dass er morgen wieder nach Hause fährt. Er war acht Monate hier, arbeitet wohl als Touristenführer und ist in dieser Gegend seit vielen Jahren. Wir bedanken uns recht herzlich für die grossartige Fahrt. Noch können wir nicht fassen, dass so etwas, einfach so möglich ist. Es ist so schön, dass es so spontane und grosszügige Menschen gibt!

In diesem Caravanpark leben einige Aussies. Sie arbeiten in den umgliegenden Minen. In der Regel arbeiten sie zwei Wochen und haben anschliessend eine Woche frei, an der sie nach Hause fahren. Einige leben in ihren Wohnwagen, andere in einfachen Zelten oder in Gruppenunterkünfte.

Wir verbringen vier Tage bzw. drei Nächte hier. Auch ich werde von Kopfschmerzen geplagt und muss mich etwas ausruhen. Ansonsten geniessen wir die Tage ohne grossartige Bewegung und in Verbindung mit der Aussenwelt. Am vierten Tag, nachdem wir uns einigermassen erholt haben, packen wir zusammen und fahren Richtung Bungle’s. Aber vorher befreien wir Dingidi von der hartnäckig festsitzenden roten Farbe und löschen seinen Durst nach Wasser und Diesel.