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Raritäten

21 Apr

Die erste Fahrt in der Grossstadt ist eine Herausforderung – dazu noch im Dunkeln! Nachdem wir zwei Blocks vom Terminal entfernt die Autos an einer YPF Tankstelle volltanken und den platten Reifen von Patrics Nissan aufpumpen, bringt uns das Navi sicher zu unserer Wohnung, wo wir im Innenhof Parkplätze für beide Fahrzeuge haben.

Der Magen knurrt und die Nerven sind blank von den anstrengenden Tagen.  Zu Fuss gehen wir zu dritt auf die Suche eines passenden Lokals um die Befreiungsaktion zu feiern. Wir landen in einer feinen Pizzeria an der belebten Avenida Santa Fé. Wie schön, endlich zu entspannen, die Erleichterung zu fühlen, lecker zu Essen und nette Gespräche zu führen!
Danke schön Patric für das feine Essen, für die zusammen verbrachten Tage und für das gemeinsame Bibbern, Kämpfen, Sorgen und Schwitzen!

Am folgenden Tag fahren wir mit beiden Autos nach Tigre-Benavidez ca. 50 km nordwestlich von Buenos Aires. Dort besuchen wir Lucas und seinen Vater, Fernando. Lucas kennen wir von unserem letzten Permakultur-Kurs in Capilla del Monte. Fernando ist Restaurator von Oldtimer-Fahrzeuge und Besitzer einer kleinen Werkstatt. Als Lucas während des Kurses Fotos von Dingidi sah, sagte er, dass sich sein Vater vermutlich sehr freuen würde unser „Studiomobil“ kennenzulernen.

Wir möchten die Gelegenheit nutzen um Fernando um Rat zu fragen, wo wir unsere Standheizung kaufen und installieren könnten und hoffen, dass wir bei ihm passendes Werkzeug finden womit wir an Patrics Nissan handwerken können. Da ahnen wir noch nicht, dass Fernando mit Leib und Seele Schreiner, Mechaniker und Spengler ist – eben ein allround Talent, der sogar seine Häuser selber baut!

Bevor Patric sich auf den Weg nach Patagonien begibt, möchte er einige Anpassungen an seinem Fahrzeug vollbringen. Er möchte ein Holzbrett montieren, damit er im Auto schlafen kann, anstatt im Zelt auf dem Dach, weil es in Patagonien unheimlich stark windet und es bereits sehr kalt geworden ist. Apropos Zelt… das hat ganz schön gelitten als er aus der Garage in Buenos Aires rausgefahren ist. Das Garagentor ist runtergefahren bevor er draussen war und hat ihm die Konstruktion auf dem Dach verschoben! Wir hoffen, dass dies irgendwie repariert werden kann.

Fernando empfängt uns sehr herzlich, als würde er uns bereits kennen und freut sich riesig über unser Reiseprojekt sowie über die Fahrzeuge. Voller Stolz führt er uns die zu restaurierende Stücke vor, die sich in seiner Werkstatt befinden. Dies sind ein Ford One aus dem Jahre 1930 und viele andere Raritäten. Bilder sagen hier mehr als tausend Worte…

Obwohl er an Krücken geht, weil er sich vor einem Monat den linken Fuss gebrochen hat, hilft er Patric sofort mit der Instandsetzung seines Dachzeltes. Noch bevor er richtig seine Hilfe angeboten hat, hüpft er auf einer Leiter mit einem Bein hoch, demontiert die Vorrichtung, geht mit den Krücken zu seiner Werkbank, biegt das Metall zurecht und schraubt es mit Mike’s Hilfe wieder an. Eine relativ kurze Prozedur auf allen Seiten. Das Zelt sitzt wieder und funktioniert einwandfrei. Patric strahlt über beide Ohren, ist glücklich und erleichtert.

Gleichzeitig räumt Patric den Wagen aus und montiert die hintere Sitzbank raus. Lucas findet das passende Holzbrett. Alle zusammen überlegen, was die beste Konstruktion ist für die Reise. Ich helfe als Handlanger und diene als Übersetzer, bin aber froh, dass Lucas sich mit Patric und Mike in Englisch unterhalten kann und mich somit von meiner dolmetscher Aufgabe etwas ablöst.

Als dies alles erledigt ist, räumt Patric sein Gepäck auf das Dach des Nissans um. Alles muss gut befestigt werden und den optimalen aerodynamischen Platz finden: vier Winterreifen, drei  Benzinkanister, Auto-Ersatzteile, Schneeketten und vieles, vieles mehr. Mittlerweile ist schon Abend und wir alle sind hungrig. Lucas und ich gehen einkaufen und bereiten eine Art Pizza in der Pfanne zu. Der kleine Imbiss schmeckt allen.

Fernando ist erschöpft. Die körperliche Arbeit mit Krücken muss unheimlich anstrengend sein. Er verabschiedet sich und fährt nach Hause… Ja, er fährt! Da er den linken Fussballen nicht abstützen darf, hat er, um das Fahren zu ermöglichen, eine Holzlatte auf die Kupplung befestigt, welche er mit der Hand bedient – und wie gekonnt! Not macht erfinderisch und die Dorfpolizei drückt ein Auge zu. Man kennt sich eben.

Wir verabreden uns mit ihm für die nächste Woche wegen unserer Standheizung.

Nun ist grosser Abschied angesagt. Patric bleibt hier um am folgenden Tag nach Mar del Plata zu fahren während wir zurück nach Buenos Aires müssen, um die Wohnung am Montag abzugeben. Wir machen es kurz und schmerzlos, da wir hoffen, dass wir uns unterwegs wieder treffen, denn auch wir fahren anschliessend nach Patagonien, wenn auch nicht bis nach Feuerland. Alles gueti Patric, machs guet, pass uf di uf und mir blibet uf jede Fall in Kontakt!

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Die Wohnungsabgabe verläuft unproblematisch, schliesslich haben wir die Wohnung picco bello sauber gemacht. Der korpulente Mexikaner ist zufrieden, nachdem er sein Inventar überprüft hat und feststellen kann, dass alles vollständig und in Ordnung ist. Während wir noch einige Botengänge  in der Stadt erledigen, dürfen wir das Auto in der Garage stehen lassen. Wir gehen zu Fuss zu  Agustinas Mutter um ihre Wohnungsschlüssel zu hinterlassen, besorgen uns eine Lenksperre für das Auto und fahren mit der Subte zu Teresas Arbeitsplatz um mit ihr unsere letzten Euros zu tauschen, da sie diese auf ihrer baldigen Europareise gut gebrauchen kann.

Am selben Nachmittag fahren wir endlich aus der Stadt zu Fernandos Werkstatt, wo wir wider Erwarten fast zwei Wochen verbringen! In der ersten Woche besorgen und installieren wir gemeinsam mit Fernando die Standheizung, für die wir mittlerweile sehr glücklich sind. Wir wohnen in unserem „Studio“ bei ihm im Innenhof und testen gleich die Vorzüge der Heizung an kalten Herbstnächten.

Die Arbeiten gehen nicht nur durch Fernandos Fussbruch etwas langsam voran. Nein, Mike hat sich am zweiten Tag den Fuss in der Werkstatt verstaucht und humpelt gemeinsam mit Fernando durch diese.

Am Sonntag besuchen wir mit Lucas die Umweltmesse in Buenos Aires. Dabei begegnen uns einige neue Freunde, die wir an den Permakultur-Kursen kennengelernt hatten. Dies wird zu einem erfreulichen Wiedersehen – welch ein schönes Gefühl, in dieser Grossstadt so viele nette Menschen zu kennen!

Die zweite Woche vergeht genauso schnell, da noch einige Reparaturen zu erledigen sind. So wird z.B. die Kotflügel-Beule von Fraser Island professionell ausgespenglert, ein Riss im Luftfilterhalter  wird zugeschweisst, die Hupe wird ersetzt, die Gelenke werden abgeschmiert und die defekte Schaufel repariert. Wir impregnieren das grosse Zelt von innen und aussen, packen diverse Gegenstände im Auto um und helfen Fernando zusammen mit Lucas die Werkstatt umzuräumen und sauber zu machen.

An einem schönen Tag fahren wir mit Lucas nach Tigre und nehmen ein Boot um durch das grösste Delta zu fahren. Wir sind bezaubert von dieser Gegend, die im Gegensatz zur Stadt grün und ruhig ist. Unglaublich schön und doch so nah. Auf einer der vielen kleinen Inseln besitzt Lucas Tante ein Stück Land. Dort auf der Wiese picknicken wir und geniessen die Natur und die Ruhe.

Sehr bereichernd sind die Gespräche mit Fernando über die Situation des Landes. Er klärt uns auf, was Argentinien aktuell bewegt und liefert uns die Geschichten hinter den Schlagzeilen. Auch erzählt er uns von seinen Fahrten nach Patagonien, als er ein Transportunternehmen besass oder zeigt uns Fotos und gibt uns Tipps wohin wir fahren sollen.

Ich kümmere mich jeweils um das Einkaufen und die Zubereitung des Essens ausser am letzten Abend. Zum krönenden Abschluss besorgt Mike Kassler, deutsche Bratwürste und Sauerkraut beim Deutschen Metzger und bereitet ein super leckeres Deutsches Essen zu, zu dem es selbstgemachten Kartoffelstock gibt und einen feinen argentinischen Malbec.

Am Samstag kommt schliesslich der Abschiedstag. Fernando gibt uns alle seine Kontaktmöglichkeiten und sagt, wir sollen uns melden, falls wir seine Hilfe brauchen. Wir sind bewegt und sehr dankbar von seiner grossartiger Hilfe, Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft. Wieder einmal durften wir wunderbare Menschen kennenlernen. Mit Tränen in den Augen – nicht nur bei uns, verabschieden wir uns mit dankbarem Herzen von Lucas, seinem Vater und Gaspar.

Na, und wer ist wohl Gaspar???

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Fahrzeugauslösung

13 Apr

Wer ein Fahrzeug nach Argentinien verschifft um damit als Tourist herumzureisen, muss viel Geduld, Zeit und Geld (mit Vorliebe in USD) mitbringen. Die Terminalabfertigung und insbesondere die Zollformalitäten sind anspruchsvoll und zeitaufwendig. Für 200 – 400 USD pro Tag könnte man einen Agenten beauftragen, falls man sich nicht selbst darum kümmern möchte.

Wir haben es geschafft im Mai 2012, zwei Fahrzeuge ohne Hilfe eines Agenten und ohne Bezahlung von Schmiergeld aus den Klauen der Zollbehörde in Buenos Aires zu lösen. Allerdings braucht es wie erwähnt Zeit, Geduld… sehr viel Geduld, Fingerspitzengefühl und nicht zuletzt Spanischkenntnisse.

Für die Reisenden, die eine solche nervenzerrende Erfahrung aus eigener Kraft machen möchten, haben wir versucht unsere Erlebnisse so detailliert wie möglich wiederzugeben. Wir hoffen, dass diese Euch von Nutzen  sind:

Ein Toyota Landcruiser und ein Nissan Patrol kommen nach 80 Tage Aufenthalt im 40‘ Container am Hafen von Buenos Aires an. Was muss man tun und wie geht man vor? Man kann einiges im Voraus erledigen. Dazu benötigt man allerdings den Ladebrief „Bill of Lading“ (B/L) pro Fahrzeughalter – nicht pro Container!, da es hier darum geht das „unbegleitete Gepäckstück“ zu deklarieren.

Das amtliche Dokument muss im Original und in doppelter Ausführung vorhanden sein und sollte folgende Informationen beinhalten: Name und Adresse des Fahrzeughalters in Argentinien, Telefonnummer, Passnummer. Absender und Empfänger muss der Fahrzeughalter sein. In der Beschreibung soll Fahrzeugtyp, Zulassungs-Kennzeichen und Chassis-Nr. erwähnt werden sowie den Vermerk, dass Campingausrüstung mitgeführt wird.

Vorbereitung vor Ankunft der Ladung

Ein Exemplar des B/L behält die Agentur der Schifffahrtsgesellschaft, in unserem Fall die Firma Maritima Heinlein. Nach der Bezahlung der Hafengebühren (USD 430 für den 40‘ Container), bekommt man bei der Agentur eine Bestätigung der Schuldenfreiheit „libre deuda“. Hier erfährt man auch auf welchem Terminal der Container abgeladen wird und zur Auslösung bereit steht. Unser Container steht im Terminal 5 (BACTSSA), zu unserem Glück nicht weit entfernt von der Zollbehörde E.M.B.A. – Ihr werdet schon sehen warum.

Wir haben im Vorfeld bei der BACTSSA eine Offerte per Email eingeholt für die Auslösung der Ladung innerhalb des Terminals, um mit den Fahrzeugen das Terminalgelände rollend zu verlassen. Die Offerte kam zwei Tage nach der Anfrage. Die Kosten für beide Fahrzeuge belaufen sich auf ca. USD 1‘200. Dieser Betrag ist nur für die Abwicklung zur Auslösung der Ladung  d.h. exkl. Terminalgebühren. Diese betragen zusätzlich ca. USD 300.

Es gibt die Alternative, den Container aus dem Terminal zu fahren, damit die Auslösung an einem anderen Ort erfolgt. Das ist unseres Wissens, die von Agenten bevorzugte Methode. In diesem Fall muss der Transport des vollen und des leeren Containers organisiert werden sowie ein Depot für die Rückgabe des Containers hinterlassen werden.

Mirko Heilhecker von www.gravelroadlogistics.com war sehr hilfreich und hat uns einen Agenten in Buenos Aires empfohlen. Dieser konnte uns aber keine endgültigen Preise für die ausführliche  Dienstleistung nennen. Aus diesem Grund haben wir uns für die, für uns einfachere Variante bei der BACTSSA entschieden.

Der nächste Schritt ist zur Kasse im Terminal 5 zu gehen mit den folgenden Unterlagen:
– der ausgedruckten Offerte der BACTSSA
– einer Kopie des B/L
– der „libre deuda“
– der „solicitud de desconsolidado“
– dem Reisepass
– und dem Bargeld
Die „solicitud de desconsolidado“ ist ein vorgefertigtes Schreiben, das man von der BACTSSA mit der Offerte bekommt. Darin müssen diverse Angaben ergänzt werden wie B/L Nr., Name des Schiffes, MANI-Nr. (bekommt man bei der Agentur der Schifffahrtsgesellschaft), Absender und Empfänger sowie Inhalt und Gewicht des Containers.
An einem der Schalter im Terminal 5 verlangt man die gemäss Email zuständige Person. Nachdem die Zahlung erfasst wird, bekommt man einen Termin für das Öffnen bzw. Auslösen des Containers. Dieser Termin kann aus logistischen Gründen frühestens ein Tag nach der Zahlung erfolgen.

Falls man noch keine Fahrzeugversicherung hat, ist jetzt der richtige Moment um sich darum zu kümmern, denn spätestens beim Verlassen des Terminalgeländes wird man danach gefragt. Wir haben viele Versicherungen in Buenos Aires abgeklappert. Die günstigste Versicherung für ein Fahrzeug mit ausländischer Zulassung im Mai 2012 war Seguros San Cristobal. Die Police ist in den folgenden südamerikanischen Ländern gültig: Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Bolivien, Chile und Peru.
Wir bezahlten eine Prämie über ARS 1‘226 gültig für die Dauer von 6 Monaten.

Frühestens 48 Stunden nach Ankunft der Ladung

Zur Zollbehörde E.M.B.A. geht man um die Erlaubnis zur temporären Fahrt für Touristen in  Argentinien zu erhalten. Diese Fahrzeug-Erlaubnis hat eine Gültigkeit von 8 Monaten. Nun kommt der zeitaufwendigste Teil im ganzen Prozess für den man sehr viel Geduld benötigt. Es wird empfohlen spätestens um 10 Uhr auf der Holzbank vor dem Büro der E.M.B.A. Platz zu nehmen. Sobald man eine Nummer zum „Warten“ bezogen hat, sollte man sich den ganzen Tag reservieren, denn hier wird man nicht so schnell bedient. Man muss die Zeit absitzen und sich die Bedienung somit abverdienen. Schliesslich wollen die Beamten Einem „richtig“ kennenlernen.

Wir warteten dort am ersten Tag zwei Stunden von 15 bis 17 Uhr, wobei uns bei der Ankunft bereits mitgeteilt wurde, dass wir am folgenden Tag kommen sollen, da wir zu spät wären, denn das Büro sei  seit 10 Uhr offen. Am zweiten Tag waren wir von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr vor Ort. Am dritten Tag warteten wir von 10 bis 13 Uhr und wurden danach zwischen den Zollbüros hin und her gejagt bis wir endlich um 19.45 Uhr aus dem Terminalgelände mit unseren Fahrzeugen fahren durften.

Folgende Unterlagen werden bei der E.M.B.A. verlangt: B/L, Fahrzeugpapiere, Reisepass und Kopie des Reisepasses (alle gestempelten Seiten in zweifacher Ausführung). Vor Ort mussten wir eine detaillierte Liste schreiben der mitgeführten Campingausrüstung. Wichtig ist der Vermerk, dass die Campingausrüstung gebraucht ist.

Warum dauert der Prozess bei der E.M.B.A. so lange?

An den Tagen an denen wir dort weilen, stellen wir fest, dass obwohl das Büro von 10 bis 18 Uhr offen ist, nicht alle Arbeitsplätze belegt sind. Um 10 Uhr wird den Wartenden zwar eine Nummer vergeben, aber die Beamten trinken erstmal ihren Kaffee und lassen sich beim Plaudern nicht stören. Die Agenten haben in der Regel Vortritt. Sie benötigen keine Nummer, dank dem Schmiergeld, das sie wohl zahlen. Von vier Beamten sind in der Regel drei mit Agenten beschäftigt. Nur einer ist für die sogenannten „particulares“ Privatpersonen zuständig und in unserem Fall hatte ausgerechnet diese Person am wenigsten Erfahrung, um nicht zu sagen keine Ahnung.

Obwohl wir am zweiten Tag die erste Nummer bezogen hatten und seit 9 Uhr dort waren, rief uns der Beamte erst um 12 Uhr ins Büro. Als erstes hat er die Unterlagen genau überprüft und darin nach etwas gesucht was fehlen könnte. Widerwillig hat er dann alle Unterlagen geordnet und mit Nummern versehen sowie das Deckblatt: „Antrag zum Rückzug eines unbegleiteten Gepäckstücks“ von Hand ausgefüllt. Danach hat er die Unterlagen auf einen Haufen gelegt, auf dem bereits andere Anträge mit Pässen lagen. Dieser Haufen hat die Kollegin mitgenommen, die als nächste zum Chef in die erste Etage musste – wohl zur Begutachtung? In der Zwischenzeit soll man wieder auf der Holzbank Platz nehmen und weiterhin warten.

Einige Zeit nachdem die Kollegin vom ersten Stock zurückgekommen ist, wurden wir wieder  hineingebeten. Dann fing der Zollbeamte damit an, die Daten in den PC im Zweifinger Adlersuchsystem einzugeben. Mitten im Prozess hat er festgestellt, dass auf dem B/L ein Stempel fehlte, der bescheinigte, dass unser Container auf ein anderes Schiff umgeladen wurde. Also mussten wir, um dies zu ergänzen, zur Agentur der Schifffahrtsgesellschaft ins Zentrum fahren und unsere Unterlagen wurden auf die Seite gelegt.

Um schnellstmöglich wieder zurückzukommen, haben wir in der Nähe des Bahnhof Retiro ein Taxi genommen. Da die Gegend um die Plaza de Mayo wegen eines Streiks von der Polizei gesperrt war, musste uns das Taxi unterhalb des Regierungsgebäudes rauswerfen. Das Stempeln bei Maritima Heinlein war eine kurze Sache, doch die Rückfahrt hat lange gedauert, weil wegen des Streiks auch die U-Bahnlinie nach Retiro gesperrt war und die Taxis nicht dorthin fahren wollten. Wir sind einige Kilometer zu Fuss gegangen bis wir einen Bus fanden um den restlichen Weg zu fahren.

Wieder zurück bei der E.M.B.A. sind wir gleich ins Büro hineingestürzt, wo wir – oh Wunder – gleich bedient werden! Der Beamte nimmt die Eingabe ins System wieder auf, druckt einige Blätter aus, tackert diese mit dem vorhandenen Stapel zusammen, stempelt den Pass des Fahrzeughalters und lässt ihn auf einem Dokument unterzeichnen. Haben wir’s endlich? …Denkste! Der gute Mann kann den Fall nicht abschliessen und weiss nicht warum. Nachdem er einen erfahrenen Kollegen um Rat bittet, teilt er uns mit, dass er erst weiter machen kann, wenn unser Container im Terminal gelöscht wurde. Wir sollen nach der Auslösung des Containers am folgenden Tag wieder kommen.

Termin zur Öffnung des Containers

Der folgende Tag ist Freitag. Um 9 Uhr ist unser Termin beim Terminal 5. Zu diesem Zweck hatten wir uns am Vortag mit Passnummer per Email bei der BACTSSA anmelden müssen. Nach dem Vorzeigen des Passes bekommt man beim Eingang einen Batch mit dem man ins Terminal-Gelände reinkommt. Ein Transferbus führt die Besucher vom Eingang zum Lagerhaus.

Die Mitarbeitenden des Terminals warteten dort schon gespannt auf den Besitzer des Containers, der an diesem Morgen geöffnet wurde. Vor dem Öffnen wurde uns die Plomben-Nummer zur Überprüfung gezeigt. Ja, sie stimmt mit unserer Nummer überein. Die Spannung ist gross. In welchem Zustand befinden sich die Fahrzeuge? Schliesslich haben wir sie vor bald drei Monaten in Sydney zum letzten Mal gesehen und damals durften wir sie nicht selbst in den Container reinfahren. Wir mussten die Autoschlüssel abgeben und… vertrauen.

Doch alles ist in bester Ordnung. Der Motor springt auf Anhieb an. Der Reifendruck des Toyotas ist ok. Ein Reifen des Nissans müsste vor der Abfahrt aufgepumpt werden. Mittlerweile kommt ein Zollbeamter vorbei, der sich als Victor vorstellt, der Vorgesetzte. Wir müssen die Autos in die Lagerhalle des Zolls reinfahren. Nachdem wir unterschrieben haben, dass die Ware, die den Container verlassen hat, in Ordnung ist, dürfen wir zur E.M.B.A. zurückgehen. D.h. mit dem Transferbus zum Eingang, Batch abgeben, 5 Min. Fussmarsch.

Albtraum E.M.B.A.

Heute Morgen sind von den vier Beamten nur zwei vertreten. Geduldig warten wir, bis wir nach zwei Stunden an der Reihe sind und dies obwohl nur zwei Privatpersonen anwesend sind. Der für uns zuständige Beamte versucht erfolglos unsere Daten zu registrieren. Seine Kollegin erbarmt sich unserer und übernimmt den Fall. Wir wechseln den Platz. Doch auch sie kommt nicht weiter. Nach einiger Zeit gibt sie entrüstet auf und stellt Hypothesen in den Raum, was an unseren Unterlagen falsch sein würde. Sie könne uns nicht weiterhelfen. Der Fehler liege vermutlich beim Terminal. Dort wären die Daten falsch erfasst worden. Obwohl die Unterlagen nicht vollständig sind und uns nicht offiziell übergeben werden, packen wir sie ein. Dies fällt den Beamten beim wirren Durcheinander nicht weiter auf.

Wir sind ratlos. Zuerst rufen wir bei Maritima Heinlein an. Dort gibt man uns die Telefonnummer der Vorgesetzten im Terminal, welche wir versuchen zu kontaktieren. Maria del Carmen nimmt jedoch nicht ab, also gehen wir wieder zum Terminal und bitten dort, wo wir die Zahlung für die Auslösung des Containers getätigt haben um Prüfung der Unterlagen, ob ihrerseits etwas fehlen würde. Der Mitarbeiter sagt, es sei alles in Ordnung. Die Löschung des Containers sei getätigt und erfasst. Er gibt uns zu verstehen, dass wir den Beamten bei der E.M.B.A. wohl etwas zustecken sollen damit der Prozess weitergehe.

Wir aber lassen uns einen Batch geben und fahren wieder mit dem Transferbus zur Lagerhalle des Zolls. Dort treffen wir Victor. Er teilt uns mit, dass wir heute nicht mehr mit der Herausgabe der Fahrzeuge rechnen können, da die Lagerhalle um 14 Uhr schliesse. Wir bleiben cool und schauen auf die Uhr. Es ist doch erst 13.15 Uhr?

Daraufhin tätigt er ein Telefongespräch. Er sagt uns dann, dass unsere Autos überprüft werden müssten. Wir sagen ihm, dies sei in Ordnung, bleiben weiterhin cool und warten. Er wird immer unruhiger, spaziert hin und her und nimmt diesmal sein Handy, tut so als würde er mit derselben Person telefonieren, sagt dabei so etwas wie: „was machen wir mit ihnen? Ja ja, ich habe gesehen, dass sie nur gebrauchte Gegenstände im Fahrzeug haben, OK“. Als er sein „Telefonat“ beendigt, sagt er, es sei gut, wir sollen warten bis die Beamtin um 14 Uhr vom Mittag zurückkomme. Sie würde uns die Papiere zur Ausfahrt geben. Er lässt uns draussen warten und verlässt das Gelände in seinem Auto. Äusserst suspekt dieser Victor.

Kurz vor 14 Uhr ist die Beamtin zurück. Mabel macht einen netten Eindruck und ist sehr hilfsbereit. Wir geben ihr die Unterlagen und sind gespannt ob sie etwas damit anfangen kann. Sie blättert darin und scheint zufrieden zu sein bis sie einen Blick in den Computer wirft und feststellt, dass die Erfassung fehlt. Wir erklären ihr, dass es wohl ein Problem zwischen E.M.B.A. und dem Terminal gäbe. Daraufhin sagt sie, so etwas hätte es schon mal gegeben und wettert über den Mitarbeitenden im Terminal, der wohl die Daten falsch erfassen würde. Sie telefoniert hin und her und versucht jemanden zu finden, der die Vollmacht hat, die Terminaldaten zu löschen um sie richtig zu verlinken. Doch kein Vorgesetzter ist auffindbar.

Inzwischen ist 15.30 Uhr. Da wir hier nichts tun können, gehen wir wieder zur E.M.B.A. Dort empfängt man uns mit den Worten: „gerade von Euch hatten wir gesprochen“. Nun sind die erfahrenen Mitarbeitenden an der Arbeit. Sie schauen einmal in den Computer und sehen, dass die Daten in Ordnung sind, nur nicht verlinkt. Zehn Minuten später sind die Daten ergänzt und die restlichen Papiere ausgedruckt. Wir dürfen selber in die Chefetage hochgehen um die Unterschrift vom Chef zu holen.

Schaffen wir es vor dem Wochenende?

Dann geht’s im Terminal weiter. Als wir wieder bei Mabel antraben, sagt sie, sie müsse die Durchsuchung der Fahrzeuge veranlassen und geht auf die Suche der Drogenhunde. Doch leider sind diese nicht mehr im Areal. Wir werden gebeten die Autos aus der Lagerhalle des Zolls zu fahren und alle mitgeführten Objekte neben den Fahrzeugen auszubreiten. Vier oder fünf Mitarbeiter des Zolls schauen sich unsere Pässe genau an, dann durchsuchen sie das Gepäck, schauen unter die Motorhaube und klopfen das Fahrzeuggehäuse ab. Dabei fällt uns auf, dass sie sich mehr für den Toyota interessieren als für den Nissan. Einer der Mitarbeiter unterhält sich ununterbrochen mit mir, was für Länder wir bereisen werden, welche Route, bis wohin wir fahren usw.

Mittlerweile ist 18 Uhr. Die Arbeiter wollen Feierabend machen. Das Lagerhaus wird abgeschlossen. Die Zöllner verabschieden sich und wünschen uns eine gute Reise. Wir aber können noch nicht gehen. Die Papiere werden nochmals kopiert. Danach stellt Mabel fest, dass uns die Passnummer auf dem B/L fehlt. Sie schickt mich zum Terminalbüro mit beiden Pässen und allen Unterlagen um dies ergänzen zu lassen. Ich soll dort nach Manuel fragen. Doch der Transferbus fährt um diese Zeit nicht mehr, also organisiert  sie eine Privatfahrt. Am Eingang angekommen, muss ich wieder auschecken. In den Terminalbüros  wird noch fleissig gearbeitet und ich bin nicht die Einzige, die was erledigen muss.

Manuel streckt mir zwei leere Blätter in die Hand und bittet mich für den Toyota und den Nissan einen Text abzuschreiben d.h. eine handschriftliche Erklärung mit Angabe der B/L Nummer und des Reisepasses des Fahrzeughalters. Danach nimmt er alle Unterlagen entgegen, übergibt sie jemand anderem. Dieser gibt die Daten im Computer ein, stempelt die Unterlagen und gibt mir diese zurück. In der Zwischenzeit ist mein „Privatfahrer“ wieder da. Ich brauche wieder einen Batch um zur Lagerhalle zu fahren. Dort angekommen, merke ich, dass alle sehr nervös sind. Was ich denn so lange gemacht hätte?, fragen sie. Sie wollen verständlicherweise endlich ins Wochenende. Mabel bringt in der Hektik die Unterlagen des Toyotas und des Nissans durcheinander und lässt uns am falschen Ort unterzeichnen.

Doch um 19.45 Uhr ist der Albtraum endlich zu Ende. Wir werden in die Freiheit entlassen und können es kaum glauben. Wir haben es endlich geschafft, juheeee!!! …und sind fix und fertig…

Verschiffung von Sydney nach Buenos Aires

Für die Verschiffung wählten wir die Agentur ICAL International Customs And Logistics von Melbourne. Im Nachhinein müssen wir sagen, dass dies ein grosser Fehler war, denn wir wurden nicht nur mit falschen Informationen beliefert sondern mussten um unsere Rechte kämpfen. Die Verschiffung sollte gemäss Mitteilung des Geschäftsleiters 30 Tage dauern. In der Tat hat sie 80 Tage gedauert. Über eine Verspätung wurden wir nicht informiert. Die Agentur weigerte sich uns die Ladepapiere im Original zuzustellen. Die uns per Email zugestellte Kopie des B/L hat die Bestimmungen von Argentinien nicht erfüllt. Die original B/L kamen nach mehrmaligen Bitten eine Woche nach Eintreffen des Schiffes in Buenos Aires an. Wir raten dringend von dieser Agentur ab.

Wertvolle Adressen in Buenos Aires:

Terminal 5 (BACTSSA), Calle 8 y Av. Edison / Email: cfs@bactssa.com.ar / Buslinien: 100 und 33
Zuständige Person zur Einholung Offerte: Patricia Tel. 4510 9845
Vorgesetzte Zahlungsabwicklung: Maria del Carmen Gonzales, Tel. 4510 9895

E.M.B.A, Av. Pte. R. S. Castillo y Av. de los inmigrantes (am Hafen bei den Terminals, 4 Blocks vom Bhf Retiro)

Maritima Heinlein S.A., Peru 359, 9. Stock

Administración: Tel. 5382 7051/53 Email: adm@heinlein.com.ar
Dokumentación: Tel. 5382 7031/32/33 Email: doc-imp@heinlein.com.ar

Seguros San Cristobal, Av. Cordoba 948/52 / Email: buenosaires@sancristobal.com.ar

Wir wünschen allen Abenteurer, die ihr Fahrzeug selbst aus dem Container befreien wollen viel, viel Geduld und Erfolg! Es wird bestimmt ein unvergessliches Erlebnis werden.