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30 Jun

Von San Pedro de Atacama aus fahren wir zu den Thermalquellen von Puritama. Die Beschilderung ist total verwirrend, die Angaben in den verschiedenen Reiseführer widersprüchlich und wir schaffen es tatsächlich unsere so ersehnte Bade-Möglichkeit zu verpassen. Die Thermalquelle soll auf etwa 3‘700 Meter liegen. Meine Idee war dort zu baden und über Nacht stehen zu bleiben um früh morgens die Fahrt zu den Tatio-Geysire fortzusetzen, welche auf genau 4‘350 Meter liegen.

Altiplano Oase

Bezaubert von der Landschaft fahren wir jedoch weiter und höher, kommen an Vicuña-Herden vorbei, an Flüsschen und Lagunen mit schönen Vögel. Dann wird das Wetter zunehmend schlechter, neblig und es fängt sogar an zu schneien.

Relativ schnell sind wir in el Tatio, doch das Wetter ist so schlecht, dass man von den Geysiren nichts zu sehen bekommt. Der Eintritt soll 5’000 CLP pro Person kosten: 10 CHF und es gibt keine Ermässigung wegen Schlechtwetter :-(

Die beste Zeit die Geysire beim Spucken zu beobachten ist um 7 Uhr morgens, deshalb würde ich gerne hier übernachten. Mike ist der Meinung, dass uns über Nacht der Diesel einfrieren könnte, da dieser in Südamerika nicht wintertauglich ist und wir kein Fliessverbesserer haben. Da unsere Heizung aber in dieser Höhe auch nicht funktioniert, ist ein Übernachten bei minus Temperaturen absolut keine gute Idee. Es hat hier eine Hütte, aber auch diese wird nicht geheizt und es ist um 16 Uhr bereits eisig kalt, genauer gesagt minus 8 Grad!

Also folgen wir schweren Herzens Mikes Verstand und fahren wieder hinunter bzw. weiter. Ich bin sehr enttäuscht, dass die Besichtigung der Geysire damit ausfällt und kann Mikes Bedenken gar nicht nachvollziehen, was ihn sauer macht und in einen Disput ausartet. Arme Mutter, die zwischen uns sitzt! Nachträglich erkenne ich, dass ich wohl selbst schuld bin, da ich die Übernachtungsfrage nach dem verpassten Puritama nicht mit Mike besprochen hatte.

Mike ist nun sauer mit mir. Er steigt aus und lässt mich fahren. Das ist so zu sagen meine Bestrafung!? Ich finde, es ist eher seine Bestrafung, aber nun gut. Nachträglich können wir darüber lachen. Ich fahre also weiter bis wir eine angenehme Höhe erreicht haben von ca. 3‘400 MüM, was nach etwa 50 km der Fall ist. Da finde ich eine Mulde als Nachtversteck, von der wir uns etwas Schutz von der unweit gelegenen Hauptstrasse erhoffen.

Stellplatz in der Mulde

Wer hätte gedacht, dass in dieser Menschen verlassener Gegend die Polizei Patrouille fährt und uns um Mitternacht mit Scheinwerfern, bunten blinkenden Lichtern und lautem Gepolter aus unseren Träumen reisst. In Sekundenschnelle gehen einem die wildesten Gedanken durch den Kopf, von Überfall über falsche Polizei oder im besten Fall Korruption. Sie klopfen wie wild an unseren Türen und fragen nach der Nationalität, Anzahl Personen und Alter der Fahrzeuginsassen. Mit zitternden Knien steige ich im Pyjama aus dem Auto und bleibe in den Socken auf dem Tritt stehen. Ich zittere nicht nur weil die Temperatur nahe der null Grenze ist, die ganze Situation ist mir nicht geheuer. Nachdem ich die Fragen der Polizei sehr höflich beantworte, sind sie zufrieden. Sie lassen mich wieder reingehen, verlangen weder einen Ausweis noch wollen sie die restlichen Mitglieder der „Bande“ sehen. Sie fahren fort – was sind wir froh!

Warum eine solche Aufruhr, wissen wir nicht. Ich kann nur spekulieren (meine Spezialität) ;o) Ich habe in Zeitungen und auf Plakaten gelesen, dass es in diesem Grenzdreieck zwischen Chile, Argentinien und Bolivien zu Fällen von Menschenhandel kommt. Ich vermute, dass die chilenische Polizei hier diesbezüglich fahndet. Zu mir sagten sie, dass es unüblich sei, ein Auto in einer Mulde zu sehen, was ich nachvollziehen kann. Wie auch immer, mein Herz klopft noch lange nach und ich brauche eine ganze Weile bis ich wieder einschlafen kann.

Am nächsten Morgen, bei angenehmeren Temperaturen, fahren wir zum nächsten Dorf namens Caspana und werfen vor dem Dorfeingang einen Blick rein in den für unseren Geschmack sonderbar dekorierten Friedhof, wo Bierdosen und Weinflaschen neben den künstlichen Blumen vor den Grabmäler stehen. Die Familiengräber sind persönlich dekoriert. Man stellt dem Verstorbenen seine persönlichen Effekte auf wie Bilderrahmen, Porzellanfiguren, Uhren und Bücher.

bunt dekorierter Friedhof

Das Dorf ist mit Anbauterrassen angelegt und beliefert hauptsächlich Calama mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Wir hoffen hier etwas Gemüse zu bekommen und fragen einen alten Mann nach einem Laden. Der einzige Laden des Dorfes verkauft aber alles andere als Frischwaren. Ist ja auch logisch, weil jeder seine Lebensmittel selber anbaut! Die Verkäuferin zeigt uns den Weg zu einem privaten Haus, in dem wir nachfragen sollen. Dort bekommen wir Zwiebeln, Knoblauch, Äpfel und frisch gebackenes Brot „pan amasado“. Leider hat es momentan kein anderes Gemüse.

In einer einmaligen Landschaft befinden sich die Thermalquellen von Turi. Hier haben wir endlich wieder Gelegenheit unsere Zelte für einige Tage aufzuschlagen. Die Sonne scheint intensiv auf 3‘500 Meter, unser Solarpanel freuts! Tagsüber wird es angenehme 25 Grad. Herden von Lamas und Guanakos kommen zur Wasserquelle, was uns Gelegenheit gibt, sie genauer zu betrachten. Wir finden Ähnlichkeiten zu Kamelen in der Art und Weise wie sie kauen oder sich bewegen. Unsere Internet-Recherche ergibt, dass sie tatsächlich mit den Kamelen verwandt sind.

Obwohl es nicht viel Wasser hat in den zwei Becken, muss eine beachtliche Wassermenge heraussprudeln, denn es fahren ständig LKW’s vor, die dann mit Quellwasser beladen zu einer Strassenbaustelle fahren. Die Menschen, die weiter unten am Fluss leben, werden sich wundern, warum so wenig Wasser fliesst.

Aber vermutlich werden sie es schon wissen, denn eines Tages fährt eine Bauerfamilie mit der Wochenwäsche vor die Quelle, in welcher sie den Waschgang direkt erledigen. Es ist schon praktisch eine temperierte Quelle vor der Haustüre zu haben. Auch wir nutzen das lauwarme Wasser zum Duschen, Haare und Kleider waschen. Bei 12 Grad Aussentemperatur, Windstille und strahlendem Sonnenschein traut sich meine Mutter morgens ins seichte Wasser und sie bringt uns dazu, es ihr gleich zu tun. Wenn man sich ganz flach ins Wasser legt, kann man die Wärme fühlen, nach einiger Zeit aber, setzt der Wind ein und auf der Haut fühlt es sich an wie tausend Nadeln, die einem stechen. Ein prickelndes Erlebnis!

…wenn man einmal drin ist, gehts doch

Schnell ist der Monat Juni um und die Zeit für meine Mutter nach Hause zurückzufliegen nähert sich. Wir brechen unsere Zelte ab und fahren Richtung Calama von wo aus ihr Flug nach Santiago geht. Eine Busfahrt hätte über 24 Stunden gedauert, was eine frühere Abreise bedeutet hätte und da der Flug nur 2 Stunden geht, können wir länger zusammen sein, was ich natürlich sehr geniesse, obwohl ich weiss, dass der Flug alles andere als ökologisch ist.. (schäm!)

Bevor wir in die Stadt fahren, besichtigen wir verschiedene Dörfer. Zuerst den Pilgerort Ayquina mit ihrer Kirche „Nuestra Señora de Guadalupe“. Zu Ehren der Jungfrau strömen am 7. und 8. September um die 70‘000 Pilger aus allen Gegenden hierher. Was heute wie ein Geisterort erscheint, mit seinen 50 Einwohnern, die wir nicht zu sehen bekommen, muss während diesen Tagen der Horror sein. Wir können uns die  Menschenmenge in diesem kleinen Dorf irgendwie gar nicht vorstellen.

die Kirche von Chiu Chiu

Im Dorf Chiu Chiu besichtigen wir die aus Adobe gebaute Kolonialkirche, welche seit 1951 zu den Nationalmonumenten Chiles zählt. Besonders schön daran finde ich die Kirchentore, die aus Kaktusholz gebaut sind und durch Lederriemen gehalten werden. Desweiteren erleben wir in Chiu Chiu einen kulinarischen Höhepunkt. In einem kleinen Familienrestaurant bekommen wir das beste Auswärts-Essen seit langer Zeit. Es gibt selbst gemachten Kartoffelstock und leckeres Rindfleisch, was Mike besonders freut. Ich bekomme eine leckere Hühnersuppe und meine Mutter entscheidet sich für Milanesa de Pollo (paniertes Hühnerschnitzel).

weit und breit kein Mensch

Die letzte Nacht vor Yvonne‘s Abflug verbringen wir ausserhalb Calamas in der Wüste, weil der in Calama angegebene Campingplatz auf die Schnelle nicht auffindbar ist. Es ist die für uns kälteste und windigste Nacht mit minus 4.5 Grad. Meine Mutter verbringt anschliessend zwei Tage in Santiago bevor sie nach Kolumbien weiterfliegt. Sie tut uns einen riesigen Gefallen in dem sie uns um unser Tauchgepäck erleichtert, welches wir bei Marc und Therese in Santiago für sie zurückliessen. Sie belastet sich dadurch mit 35 kg mehr Gewicht und muss ihr eigenes Gepäck somit als Handgepäck deklarieren. Wir haben aber täglich zwei schwere Taschen weniger zum umräumen und sind sehr glücklich darüber.

Aufwiedersehen in Kolumbien Mami! Tschüss liebes Schwiegermonster! Wir sehen uns bald wieder! Wir wissen, Dir wird diese Reise genauso unvergesslich in Erinnerung bleiben wie uns. Wehmütig bleibe ich zurück, doch sehr dankbar für dieses gemeinsame Erlebnis.

Die Reise zu dritt war sehr spannend und bereichernd. Ich muss zugeben, dass vom Platzverhältnis her, Dingidi nicht unbedingt das geräumigste Campingfahrzeug für drei Personen ist. Wegen der Kälte haben wir unser Aussenzelt nur am Anfang der Reise eingesetzt, hätten wir aber Daunenschlafsäcke gehabt, wäre die Kälte vermutlich kein Hindernis gewesen. Geschlafen haben wir meistens gut und bequem. Meine Mutter und ich haben uns das obere Deck geteilt während Mike sein eigenes Reich nach wie vor unten hatte. Das Essen zu dritt an unserem kleinen Tisch ging besser als erwartet, diesbezüglich ist die Innenausstattung Dingidis wirklich klug konzipiert. Das Autofahren zu dritt ging gut, da Yvonne schmal und gelenkig ist. Sie mochte den Platz in der Mitte, der bedingt, dass man einen Fuss auf dem sogenannten Getriebetunnel stellt.

einbisschen eng, aber es geht!

Zu zweit haben wir nun das Gefühl viel mehr Platz zu haben als vorher!

Wir verbringen noch eine Woche in Calama, campen in der Wüste und zwischendurch auch mal auf dem Campingplatz, den wir bei Tageslicht doch noch finden. Auf unserer Fahrt durch die Aussenquartiere fällt uns eine Baustelle auf, die wegen ihrer Bauweise etwas ganz besonderes ist. Wir fragen die dort arbeitenden Handwerker ob wir uns die Häuser näher ansehen dürfen und werden sogar herumgeführt. Mit wenig Material und kleinen Kosten werden Studios für Minenarbeiter gebaut. Eine gute Idee!

hier wird in Schnelltempo ein Studio gebaut

Wir besichtigen dann auch die Kupfermine von Chuquicamata. Da kommen Erinnerungen hoch an den Super Pit in Calgoorlie, Western Australia. Die Grube ist riesig gross, die darin arbeitenden Bagger und riesigen Lastwagen sehen aus wie Spielzeug. Wie wir während dem von der Firma Codelco gratis geführten Rundgang erfahren, ist der Tagebau an seinem Ende angelangt. Die Mine, die seit 1915 in Betrieb ist, wird ab 2017 nur noch unterirdisch betrieben mit einem viel kleineren Personalbedarf. Über die genaueren Details spricht aber noch keiner. In der Umgebung gibt es mittlerweile andere Kupferminen, welche die heutige Förderungsmenge von „Chuqui“ übertreffen. Wie nicht anders zu erwarten, ist der grösste Abnehmer des Kupfers China, andere Mineralerzeugnisse gehen hauptsächlich nach Japan und Europa. Es ist schon paradox, wenn man feststellen muss, dass auch in Chile sämtliche Kupferkabel aus China importiert werden.

Tour durch das teils verschüttete Campment von Chuquicamata

Wir finden in einem Shoppingcenter eine gemütliche Cafeteria in der wir uns stunden- und tagelang herumtreiben um Berichte zu schreiben und online zu stellen.

Unsere Reise durch Chile endet voraussichtlich hier.

Die Grenze zu Bolivien, über die wir uns begeben möchten ist ca. 200 km entfernt und liegt auf 3‘660 MüM. Bevor wir uns wieder auf diese Höhe trauen, kaufen wir noch einen Fliessverbesserer für Diesel-Kraftstoff, dieser ist aber nicht so einfach zu bekommen, weil mit Diesel hier praktisch nur LKW’s fahren. In der Lubrishell-Werkstatt wird die freundliche kolumbianische Bedienung doch noch fündig. Da bekommen wir auch einen Set Pannendreiecke, Leuchtwesten und Erste Hilfe Kasten – die Auflagen von Bolivien um auf ihren Strassen zu fahren.

Vulkan Ollagüe

Vor Ollagüe, dem letzten Dorf auf chilenischer Seite, fahren wir durch einen Nationalpark mit Seen, auf dem sich Flamingos herumtummeln. Wir begegnen auch einer allein radelnden Frau, die vollgepackt, die staubige Strecke in dieser Höhe beschwingt. Auf dieser Höhe, die Mike allein schon im Auto Atemnot verursacht und wo es weit und breit keine Unterkunft gibt, wo nachts die Temperatur unter dem Gefrierpunkt sinkt und man ohne Daunenschlafsack die Kälte unerträglich findet, würden wir nicht so reisen wollen. Wir haben grossen Respekt vor ihr. Nein, das ist nichts für uns. Da sind Mike und ich viel zu bequem und sind dankbar für Dingidi und für die eingebaute Standheizung.

Malerische Aussicht Richtung Ollagüe

Am chilenischen Grenzposten steht ein Bus voll mit Passagieren vor der Schranke, die einzeln ihr Gepäck vorzeigen müssen. Nach der Schranke stehen mindestens 15 Touren-Fahrzeuge, die von Bolivien herkommend über die Grenze nach Chile fahren möchten und die alle einzeln durchsucht werden müssen.

Zum Glück ist Richtung Bolivien nicht so viel los und unser Auto steht an zweiter Stelle, doch die Beamten bedienen beide Seiten und wir müssen warten. Man schickt uns zuerst zum Polizeibeamten um die Pässe abzustempeln, was schnell erledigt wird. Dann warten wir ca. 20 Minuten bis uns die Beamtin die Autopapiere abnimmt und uns zum Auto begleitet um einen Blick hineinzuwerfen. Sie möchte wissen ob wir etwas „besonderes“ dabei hätten, was ich verneine, so stempelt sie die Papiere ab und wünscht uns eine gute Fahrt.

Aufwiedersehen Chile!

Mike und ich wissen noch nicht, ob wir die chilenische Grenze nicht gleich wiedersehen werden. Warum? Das erfahrt Ihr im nächsten Bericht…

Hasta pronto amigos!

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Altiplano

25 Jun

Wir sagen der Küste und dem Meer in Tocopilla vorerst „bis bald“ und fahren zu Mikes Bedauern in die Höhe Richtung Calama. Stets bergauf sind wir innerhalb von 30 Minuten auf 1‘300 Meter, dabei bleibt die Vegetation unverändert karg, denn obwohl wir Richtung Andenkette unterwegs sind, gehört die Region immer noch zur Atacamawüste.

mit Salpeter beladener Zug

Die erste Ortschaft, die wir passieren heisst Santa Elena. Hier leben die Minenarbeiter, die in der Umgebung Salpeter abbauen. Vermutlich verirren sich keine ausländischen Touristen hierher, denn wir werden sehr genau gemustert. Wir parken vor der Markthalle und vertreten uns die Beine. An einem Stand werden tropische Säfte mit echtem kolumbianischen Geschmack angeboten. Da sind wir drei aber gespannt und bestellen alle einen Mangosaft. Der Blick der schwarzhäutigen Verkäuferin, weicht dabei keine Sekunde vom Fernseher ab, der in der Ecke steht und eine Telenovela (lateinamerikanische Soap Opera) widergibt, während sie unsere Bestellung aufnimmt und den Mixer betätigt. Der Saft schmeckt sehr gut, kommt aber an die tropischen Fruchtsäfte Kolumbiens nicht wirklich heran. Aber bei dieser staubigen Hitze hier, sind wir auch damit zufrieden.

Wir finden nichts weiter Interessantes in dem kleinen Dorf, das Museum hat leider schon geschlossen, so suchen wir gleich den öffentlichen Campingplatz auf, der unser Copec Reiseführer erwähnt. Es ist ja auch schon kurz vor 18 Uhr. Der Campingplatz liegt sehr ruhig am Ufer eines ausgetrockneten Flussbettes, 15  km Luftlinie von Santa Elena entfernt. Es ist niemand da, ausser ein paar Hunde, welche vermutlich nur überleben können dank der Reste, die die tagsüber weilenden Picknicker hier hinterlassen. Eine Hündin „annektiert“ uns. Sie schläft neben unserem Auto und klafft bei jedem Annäherungsversuch der anderen Hunde. Wir finden das herzig und fühlen uns beschützt.

öffentlicher Campingplatz bei Santa Elena

Am nächsten Tag geht es weiter nach Calama (2‘460 MüM), einer Stadt mitten in der Wüste, die eine lange Geschichte vorweist. Umgeben von Wasser im Loa-Tal, bildet Calama bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine richtige Oase. Ihre Lage zwischen dem Meer und der Bergkette, mitten in der Atacamawüste, erlaubte ihr während der prehispanischen Zeit einen hohen kulturellen Austausch mit ihren Nachbarn, hauptsächlich den Tiwanakus und dem Inka Imperium, dem sie ihren Tribut erbrachte mit Kupfer zur Herstellung von Waffen, mit Mais und Luzerne (in Spanisch: Alfalfa, eine Nutzpflanze der Familie der Hülsenfrüchtler).

Nach der Kolonialzeit, politisch gehörend zu Bolivien, war die grosse und bestens ausgestattete Wüstenoase eine wichtige Stadt in der Hauptverkehrsader zwischen Cobija, dem damals wichtigsten Hafen Boliviens und den Städten Potosi (in Bolivien) und Salta (in Argentinien).

Heute ist Calama leider keine richtige Oase mehr, das ganze Wasser wird für die Kupferherstellung genutzt und dabei mit Arsen und anderen Schwermetalle vergiftet. Calama mit ihrer Kupfermine und ihren 140‘000 Einwohnern ist aber immer noch die wichtigste Stadt in der Wüste. „Chuqui“ wie die Mine liebevoll genannt wird, ist der grösste Kupfertagebau der Welt. Leider können wir der Mine am Samstag keinen Besuch abstatten, da die Besuchszeiten komischerweise nur von Montag bis Freitag möglich sind, aber wir haben vor, dies auf dem Rückweg nachzuholen, als Abschluss unserer Rundfahrt.

Viele Touristen fliegen von Santiago nach Calama um San Pedro de Atacama und der Höhenebene (Altiplano) einen Besuch abzustatten. Für uns ist Calama die letzte Gelegenheit in einer ordentlichen Werkstatt den Dieselfilter zu wechseln sowie in einem grossen Supermarkt Früchte und Gemüse zu kaufen und unsere Reserven an Haferflocken, Milchpulver, Pasta und Käse zu füllen, bevor wir uns zum Altiplano begeben. Wir tun also nichts anderes als die vielen Reisenden seit hunderten von Jahren. Wir decken uns mit Lebensmitteln in der Oase ein um unsere Reise fortzuführen.

Fahrt von Calama nach San Pedro de Atacama

Es ist schon Abend als wir in San Pedro de Atacama auf 2‘460 MüM ankommen und wir in den letzten Sonnenstrahlen die atemberaubende Landschaft der Valle de la Luna bewundern dürfen. Nach einigen Irrfahrten durch die einspurigen Gassen dieses kleinen Dorfes, finden wir eine zentral gelegene Unterkunft mit Camping Möglichkeit. Für umgerechnet 30 CHF darf unser Fahrzeug auf dem Parkplatz des Hostals das Popup-Zelt zeigen und wir drei Abenteurer die Duschen, Toiletten und die gemeinsame Küche benutzen.

Wir checken gleichzeitig mit einer vier köpfigen Familie aus Calama ein. Als sie mitbekommen, dass wir im Auto schlafen, stellen sie uns besorgt ihr eigenes Zimmer zur Verfügung, sollten wir in der Nacht frieren. Ich kläre sie auf, dass unser Fahrzeug zum campen ausgerüstet ist und sogar über eine Standheizung verfügt. Aber ich vermute, sie können sich dies nicht wirklich vorstellen, denn fürsorglich, laden sie uns dazu ein, mit ihnen in der Küche Onces einzunehmen.

Die nette Familie aus Calama

Angeregt unterhalten wir uns in der Küche, dabei erfahren wir vom Vater, dass er in der Kupfermine Radomiro Tomic arbeitet, und dass die Mutter Lehrerin in einer Schule in Calama ist. Sie feiern hier den Vatertag. Voller Freude erzählen sie, dass sie im Herbst eine 20-tägige geführte Europa-Tour unternehmen werden an die sie auch ihre 90-jährige Mutter mitnehmen. Wir sind beeindruckt, dass die Dame noch so fit sein soll und sich so sehr auf die Reise freut.

Während Mike die Standheizung in Betrieb nimmt, die Temperaturen gehen hier abends Richtung null Punkt während sie tagsüber um die 25 Grad erreichen können, gehen meine Mutter und ich auf einen Spaziergang durch das Dörfchen. Uns gefällt das touristische Städtchen von San Pedro mit seinem alten Kern aus Adobe und seinen ungeteerten Gassen. Die Ortschaft besteht aus Unterkünfte, Restaurants, Cafés und Geschäften, die entweder Souvenirs oder Touren anbieten.

malerisches San Pedro de Atacama

Die Umgebung ist traumhaft schön und bietet für jeden Geschmack etwas. Wir unternehmen in den nächsten Tagen Ausflüge umgeben von hohen Vulkanen, besichtigen die Lagunen des Altiplano auf 4‘200 Meter und beobachten Flamingos und Vögel auf dem Salar de Atacama in der Reserva Nacional Los Flamencos. Dort lassen wir uns erklären wie diese Salzseen entstehen. Einfach gesagt ist es mineral- und salzhaltiges Regenwasser aus den Anden, das auf dem Weg zum Meer im Altiplano-Kessel liegen bleibt. Das Wasser verdampft im Laufe der Zeit mit der Sonne und so entstehen Salare, welche man in der Trockenzeit mit dem Fahrzeug befahren kann. Die Dicke der Salzschicht in der Reserva Nacional Los Flamencos würden wir um die 50 Zentimeter schätzen.

Laguna Miscanti

Die Grenze zu Bolivien und Argentinien ist von hier aus zum Greifen nah. Da haben die Flamingos und  die anderen Vögel, die während des bolivianischen Winters in diesen Seen überwintern nicht so weit.

In einem kleinen Dorf sehen wir einen Mann, der vor seiner Haustüre kleine farbige Kartoffeln ausbreitet und sortiert. Wir halten an und kaufen ihm ein Kilo ab. Es ist nicht einfach zu dieser Jahreszeit eine Auswahl an Gemüse zu bekommen ausser in Calama’s Supermärkte und das was in San Pedro auf dem Markt angeboten wird, kommt wohl momentan auch nicht aus der unmittelbaren Umgebung.

farbige Kartoffeln vom Bauern

Zum Übernachten versuchen wir die Grenze von 3‘600 Meter nicht zu übersteigen. Einerseits wegen der Standheizung, die Mike bisher zum Glück immer zum Laufen bringt, andererseits weil die Höhe Mikes Stirnhöhle zu schaffen macht. Auch das Schwiegermonster, wie Mike meine Mutter offiziell liebevoll nennt (unglaublich oder?), hat eines nachts Atmungsschwierigkeiten. Der Körper braucht seine Zeit um sich anzupassen und in dieser Höhe spürt man die kleinste  Anstrengung.

Obwohl die Vegetation auf dem Altiplano sehr karg ist, finden wir immer praktische Stellplätze um die Nächte zu verbringen, dies kann sein mitten in der Wüste oder auf der Aussichtsplattform der Valle de la Luna. Unterwegs treffen wir Camper an, die uns erzählen, dass sie direkt an der Strasse, die zur argentinischen Grenze führt, über Nacht gestanden haben und andere die tagelang am Eingang der Valle de la Muerte ihre Zelte aufschlugen. Keiner von ihnen hatte irgendwelche Schwierigkeiten.

Die letzte Nacht bevor wir die Region um San Pedro de Atacama verlassen, verbringen wir an der Salzlagune Tebicheue. Wunderschön ruhig haben wir es an diesem Platz. Man hört nichts ausser dem Wind und die Vögel, die um uns herum fliegen. Noch einmal werden wir mit einem wunderbar klaren Sternenhimmel verwöhnt, so klar wie wir ihn bisher nur in Chile erlebt haben. In der Nacht steigt die Standheizung zum ersten Mal aus und die Temperatur im Auto wird merklich kühl. Am Morgen sind zwei kreischenden Vögel da, die auf uns los gehen, als würden sie ihr Territorium beschützen, in das wir unerlaubterweise eingedrungen sind.

Attacke!!

Ja, ja ist schon gut… wir gehen schon wieder… und so setzen wir unsere Reise fort…

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